Kirchheimer Umland

Viele Wege führen nach Santiago

Auf der Golfanlage bei Kirchheim treffen sich zwei Routen des Jakobswegs

Jakobswege in Richtung Santiago de Compostela im Nordwesten Spaniens gibt es viele. Zwei davon treffen sich an der unteren Ecke der Golfanlage Kirchheim-Wendlingen-Wernau. Den Weg, der von Neresheim kommt, hat der Golfclub auf seinem Gelände selbst markiert.

Jakobskirche in Wendlingen-Bodelshofen
Jakobskirche in Wendlingen-Bodelshofen

Kirchheim. Wer den Jakobsweg von Rothenburg ob der Tauber kommt, muss sich im Remstal entscheiden. Eine Route führt über Esslingen und Denkendorf, eine andere über Plochingen und Bodelshofen. In Neckartailfingen treffen sich beide Varianten wieder. Zur östlichen Variante kommt an der unteren Ecke der Golfanlage Kirchheim-Wendlingen-Wernau der Jakobsweg aus Neresheim, Göppingen und Jebenhausen hinzu, er führt auf dem Golfplatz die Lindenallee hinunter.

„Meine Mutter war Jakobsweg-Expertin“, sagt Dagmar Katrin Mack, Geschäftsführerin der Golfanlage. Deshalb hat der Golfplatz den Neresheimer Weg auf seinem Gelände selbst beschildert. Auch hier weist nun die Jakobsmuschel den Weg nach Santiago de Compostela – immer in die Richtung, in der die Strahlen der Muschel sich treffen.

Wie viele Pilger durchkommen, weiß das Golfplatzpersonal allerdings nicht – wie soll man auch Pilger von gewöhnlichen Wanderern unterscheiden? Auch den Stempel für den Pilgerausweis, den es in Spanien an vielen Stellen gibt, gibt es im Clubhaus nicht. Gewertet werden bei den Pilgern ja ohnehin nur die letzten 100 Kilometer auf dem „Camino“ zu Fuß oder die letzten 200 Kilometer per Rad oder auf dem Pferd. Apropos Pferd: „Nicht einmal ein Pilger mit Pferd würde auffallen“, sagt Mack.

Gleich auf die Golfanlage folgt auf den beiden nun vereinigten Jakobswegen die Jakobskirche in Wendlingen-Bodelshofen. Sie geht auf das Jahr 1105 zurück. Vermutlich stand auf dem Platz schon in keltischer Zeit ein Heiligtum. Die kleine Kirche war das ganze Mittelalter hindurch Sammelstelle für Jakobspilger. Bei der Totalrenovierung im Jahr 1964 wurde ein Freskenzyklus über die Passion Christi entdeckt, er ist vermutlich zwischen 1420 und 1430 entstanden. Außerdem gibt es vier Glasfenster des Künstlers Hans-Gottfried von Stockhausen.

Die im Jahr 1997 fertiggestellte Golfanlage hat somit Teil an etwas wesentlich Älterem. Die erste Erwähnung des Jakobswegs zum angeblichen Grab des Apostels Jakobus in Santiago de Compostela stammt aus dem Jahr 1047. Bodelshofen wurde im Jahr 1268 urkundlich erwähnt, das Hofgut diente Pilgern als Herberge und Raststätte. Im Jahr 1987 erhob der Europarat die Jakobspilgerwege zur europäischen Kulturroute und empfahl ihre Beschilderung mit der Jakobsmuschel – einst wurde diese von den Pilgern zum Wasserschöpfen benutzt.

Nochmals ein paar Jahre später begann der moderne Jakobsweg-Boom, auch befeuert durch Buchbestseller wie „Ich bin dann mal weg“ von Hape Kerkeling. Im Jahr 2014 wurden im Pilgerbüro in Santiago 237 812 Pilger registriert, die ihre Urkunde holten – rund 22 000 mehr als im Vorjahr. Knapp jeder zweite Pilger war Spanier, 46 Prozent waren Frauen, knapp jeder fünfte Student. Knapp sieben Prozent der in Santiago registrierten Pilger waren Deutsche. Damit steht Deutschland bei den Jakobspilgern nach Spanien und Italien an dritter Stelle.

Gleich auf die Golfanlage folgt auf dem Jakobsweg die Jakobskirche in Wendlingen-Bodelshofen. Dort befindet sich auch ein Wegwei
Gleich auf die Golfanlage folgt auf dem Jakobsweg die Jakobskirche in Wendlingen-Bodelshofen. Dort befindet sich auch ein Wegweiser mit der Jakobsmuschel. Fotos: Peter Dietrich
Wegweiser an der Jakobskirche in Wendlingen-Bodelshofen
Wegweiser an der Jakobskirche in Wendlingen-Bodelshofen
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