Kirchheimer Umland

Vielseitige sommerliche Serenade

Serenadenkonzert des vhs-Orchesters in der Kirchheimer Martinskirche

Kirchheim. Musikalische Appetithappen servierte das vhs-Orchester unter der bewährten Leitung seiner Dirigentin Sabine Bruns beim Serenadenkonzert in der Kirchheimer

Martinskirche. Dabei hielten sich Bekanntes und Unbekanntes die Waage. Zu Letzterem gehören die „Antiche Danze ed Arie“ von Ottorino Respighi, einem Zeitgenossen Schönbergs und Strawinskys, jedoch ohne deren enorme musikgeschichtliche Ausstrahlung. Das ist insofern bedauerlich, als seine Musik von einnehmender Delikatesse und feinsinniger Klanglichkeit geprägt ist.

Die Stücke sind Bearbeitungen von Originalwerken verschiedensten Charakters für Laute aus dem 16. und 17. Jahrhundert, von der schlichten, aber fantasievollen Instrumentierung für Streichorchester, aber auch für klangprächtiges, groß besetztes Ensemble bis zur Hinzufügung eigener geschmackvoller musikalischer Gedanken. Die Werke boten dem Orchester Gelegenheit, die unterschiedlichen Charaktere der Stücke herauszuarbeiten. Dankbar wurden auch die Möglichkeiten zur Präsentation der verschiedenen Instrumentengruppen angenommen. Von herauszuhebender Qualität waren dabei die nicht forcierten, den Klang freigebenden Tuttiabschnitte.

Antonio Salieri, Landsmann Respighis und Kollege Mozarts in Wien, war einer der erfolgreichsten Opernkomponisten seiner Zeit und uneigennütziger Förderer Schuberts und Liszts. Eine seiner Schöpfungen für die Hofoper ist „Cesare in Farmacusa“, deren Ouvertüre erklang. Es handelt sich dabei um eine bereits zu Zeiten Vivaldis beliebten Sturmmusiken, italienisch „Tempesta“ genannt, hier eine „Tempesta di Mare“, ein Unwetter auf dem Meer, das der Flotte Cäsars auf offener See mächtig zusetzt. Die Ouvertüre, üblicherweise ein separates Stück Musik mit eher wenig Bezug zur Handlung, ist hier in die Handlung einbezogen, eine veritable Überraschung für das solches nicht gewohnte Publikum der damaligen Zeit.

Es war auch für die Musiker ein Sprung ins kalte Wasser, zumal es das Eröffnungsstück des Abends war; und, um im Bild zu bleiben, nach dem ersten Schrecken schwamm sich das Orchester frei und trotzte den musikalischen Wellen. Dabei geriet die Freude der Bläser an ihren gehaltenen Harmonietönen für die diffizile Akustik des Raumes doch etwas zu üppig, um die schnellen Passagen der Streicher noch durchhören zu können. Diese konnten sich aber auf diese Weise gleichsam im Windschatten der Bläser „warm schwimmen“ für den Schlusssatz des Sommerkonzerts aus Vivaldis Jahreszeiten mit seinen durchlaufenden schnellen Noten.

Mit Auszügen aus Händels „Wassermusik“ und Vivaldis „Vier Jahreszeiten“ präsentierte das Orchester beliebte und immer wieder gern gehörte barocke Klassiker. Händels groß besetzte Suite in D-Dur entfaltet dabei eine beeindruckende Klangpracht, die dem Anlass, einer königlichen Schiffspartie auf der Themse in London, angemessen war. Gewinnbringend für die Wirkung der Stücke war die getrennte Aufstellung von Hörnern und Trompeten, wodurch das doppelchörige Moment (Stereoeffekt) mancher Sätze gut zur Geltung kam. Die Spielfreude der Beteiligten kompensierte bis zu einem gewissen Grad die eher zurückhaltende Profilierung des Tanzcharakters einzelner Sätze.

Sich als Solist an eine öffentliche Aufführung der Jahreszeiten-Konzerte von Vivaldi zu wagen, ist eine heikle Sache, gehören die Werke doch zum Bekanntesten und Kompliziertesten des klassischen Repertoires. Umso verdienstvoller also die Bereitschaft der Solistin und neuen Konzertmeisterin Irina Hornung, sich auf dieses Wagnis einzulassen. Um es ohne Umschweife zu sagen: Es war eine souveräne Interpretation, die besonders durch Klangschönheit, klare Artikulation und wohltuend sparsam eingesetztes Vibrato beeindruckte. Die sichere Ausstrahlung der Solistin stimulierte das Orchester zu größter Aufmerksamkeit, was sich in einer höchst respektablen Ausführung der durchweg anspruchsvollen Begleitstimmen äußerte. Günstige Voraussetzungen also für die nächsten gemeinsamen Projekte.

Anzeige