Kirchheimer Umland

Von der Waterkant ins Schwabenland

Kirche Die evangelische Kirchengemeinde in Dettingen hat eine „neue“ Pfeifenorgel: Bei einem Benefizkonzert weihte Bezirkskantor Ralf Sach das Instrument offiziell ein. Von Ernst Leuze

Ein echter Hingucker: Die neue Orgel in der Dettinger Kirche beeindruckt nicht nur musikalisch. Foto: Carsten Riedl
Ein echter Hingucker: Die neue Orgel in der Dettinger Kirche beeindruckt nicht nur musikalisch. Foto: Carsten Riedl

Es schien beinahe wie ein Dettinger Mirakel, als Bezirkskantor Ralf Sach in einem ersten Orgelkonzert die „neue“ Dettinger Pfeifenorgel mit sachkundigen Worten und virtuosem Spiel vorgestellt hat.

Im Fokus war dabei ausschließlich Musik, die mit Hamburg zusammenhängt. Doch was hat denn Dettingen mit der Weltstadt Hamburg zu tun? Und wie kommt ein Instrument des berühmtesten Hamburger Orgelbauers der Neuzeit, Rudolf von Beckerath, ausgerechnet unter die Teck? Ganz einfach: 1983 erbaut für eine heute aufgelassene katholische Kirche in Gelsenkirchen, 2018 Translozierung nach Dettingen durch die Meisterwerkstätte Krauter und Teichmann. Sozusagen gebaut im Norden, gebraucht im Westen und gekauft vom Süden.

Doch als wenn das noch nicht genug wäre, ist in weniger als zwei Jahren aus Vorüberlegungen eine Pfeifenorgel erwachsen, die nun an die große Dettinger Orgeltradition anknüpft. Nun prangt wieder ein prächtiges Instrument im Chor der Dettinger Kirche und wartet auf Spieler, die ihr jene Klänge entlocken, die bereits der Anblick des Stücks verspricht. Ralf Sach war nicht nur von Amts wegen dazu bestimmt, den Konzertreigen zu eröffnen. Er verstand es auch meisterhaft, das Hamburgische hör- und erlebbar zu machen.

Die Zuhörer wussten nicht, was mehr zu bewundern ist - seine Moderation, in der Geistes- und Musikgeschichte samt Lokalkolorit aufblitzte, oder die unglaubliche Leichtigkeit des Spiels. Beides miteinander zu verbinden, gelingt jedenfalls nur wenigen Künstlern. Rolf Sach begann mit Sweelinck, dem Orgelfürsten des 17. Jahrhunderts, kam an Reincken, den beiden Bachen, Johann Sebastian und Carl Philipp Emanuel, vorbei, verbeugte sich vorm Hamburger Lokalmatador Brahms, streifte Gustav Mahler und zielte auf den Hamburger Edeljazzer Hans Lüdemann.

Bei der Zugabe beruhigte sich der Organist gemeinsam mit dem erheiterten Publikum mit einer musikalischen Zusammenfassung des Abends. Wiederum bestachen die traumhaft sichere Klangauswahl, die völlig mühelose Beherrschung der melodischen und harmonischen Verläufe. Mit Spielfreude und Spielwitz übertrug er seine Begeisterung über das Instrument auf seine beglückten Zuhörer. „Wat mut, dat mut“, sagt man in Hamburg. Auf schwäbisch bedeutet dies: „Wenn mr bloß will, no schaffet mr fast alles.“

Die Dettinger haben es bewiesen. Und von wegen katholisch: In Dettingen steht bereits eine hervorragende Orgel in norddeutschem Stil - in Sankt Nikolaus von der Flüe. Ralf Sach hat nun gezeigt, dass sich die St.-Georgs-Orgel nicht davor verstecken muss. Zum Glück darf sie in einem Kirchenraum erklingen, der nahezu ideal ist für Orgelmusik. Und beide Instrumente sind ja dem Lob Gottes gewidmet. Nun singen sie zusammen das Dettinger „Te Deum“.