Kirchheimer Umland

Von Konstanz nach Lindau

Erfahrungen: Auf Schweizer Seite des Sees

Auf 273 Kilometern kann man auf dem Bodensee-Radweg fast durchweg ufernah den gesamten See umrunden. Mit Bernd Cremer vom ADFC haben wir uns bei unserer ­zweiten Bodensee-Tagestour ein 70  Kilometer langes Teilstück auf Schweizer und österreichischer Seite herausgesucht: Von Konstanz über Romanshorn nach Bregenz und Lindau führt die Radtour. Eben und mit wenig Gegenverkehr.

Fotos: Jörg Bächle
Fotos: Jörg Bächle

Kirchheim/Konstanz. Da der Bodensee ein beliebtes Ausflugsziel ist, empfehlen wir diese Tagestour in der Ferienzeit unter der Woche. Los geht es mit der S-Bahn ab Kirchheim um 7.21 Uhr. Im Gepäck haben wir ein Baden-Württemberg-Ticket für 23 Euro plus fünf Euro für jeden weiteren Mitfahrer bis maximal fünf Personen. Für die Mitnahme von Fahrrädern ist grundsätzlich eine Fahrradtageskarte (pro Fahrrad fünf Euro) zu erwerben. Der Automat wird uns danach fragen. In Wendlingen warten wir auf den Regional-Express aus Tübingen. Zehn Minuten in Stuttgart reichen zum Umsteigen in den Regional-Express nach Singen auf Gleis 4. Dort angekommen, kann man über Radolfzell und Allensbach zum „Aufwärmen“ auch die ersten 35  Kilometer nach Konstanz radeln. So kommt man am Ende des Tages auf über 100 gefahrene Kilometer. Wir nehmen den Regional-Express nach Konstanz: Die alte Konzilstadt mit ihrem mittelalterlichen Stadtkern erreichen wir planmäßig um 11.16 Uhr. Konstanz als Startpunkt bietet schon außergewöhnliche Kulturschätze. Vollkommen unkompliziert wechseln wir in Kreuzlingen auf die Schweizer Seite: Ausweispapiere nicht vergessen. Weitgehend auf speziell ausgewiesenen Routen führt der Radweg auf meist asphaltierten Wirtschaftswegen in Seenähe vorbei an Obstplantagen und Gehöften.

Der große Vorteil auf Schweizer Seite: Es herrscht kaum Verkehr auf den Radwegen. Diese Tatsache ist dem starken Franken und dem Preisniveau in der Schweiz geschuldet, was sich lokal auf den Tourismus niederschlägt. Uns soll es recht sein. Wir radeln nicht, wir chillen entlang des Ufers. So können wir nebenbei die Architektur zahlreicher neu erstellter Wohnanlagen oder Häuser in Ufernähe bewundern.

In Romanshorn anzukommen, ist nicht alltäglich. Hier liegen Hafen und Bahnhof direkt nebeneinander. Die leichte Seebrise bietet ein spezielles Ambiente – und bei optimaler Föhnlage der Säntis zusätzlich eine prächtige Kulisse. Auch das wunderschöne Arbon ist eine Pause wert. Wem die 50 Kilometer auf Schweizer Seite zu lang sind, kann mit dem „Thurbo“, der Regionalbahn Ostschweiz der SSB, verkürzen: so kommt man zuverlässig von Romanshorn nach Rorschach oder weiter nach Sankt Margrethen, wenn auch nicht ganz billig. Und die Schweizer geben reservierte Plätze für Kinderwagen und Räder frei.

Wir verlassen die Schweiz mit den auslaufenden Nagelfluhrippen des Appenzeller Vorderlandes nach Österreich, genauer gesagt nach Vorarlberg, und folgen dem „Alten Rhein“ bis zu seiner Mündung in den Bodensee.

Die Natur im Mündungsgebiet ist sehens- und erlebenswert: Eine flache Ebene mit Blicken auf die angrenzenden Berge des oberen Rheintals. Am Ufer erreichen wir die Seebühne der Bregenzer Festspiele. Direkt am Seeufer entlang passieren wir danach bei Hörbranz die Grenze nach Deutschland. Von dort geht es nach Lindau, die Stadt auf der Insel, die nur durch einen Damm mit dem Festland verbunden ist. Noch bleibt genügend Zeit, um an der Uferpromenade oder Fußgängerzone einzukehren.

Um 19.02 Uhr startet das Unternehmen Rückfahrt – über Friedrichshafen, Ulm, Plochingen nach Kirchheim. Und es bleibt nur noch eine Alternative, sollte man diesen Zug verpassen: Um 21.03 Uhr fährt ein weiterer Interregio-Express über Ulm Richtung Heimat. Wer nicht gerne alleine radeln möchte, sondern Gruppendynamik bevorzugt, dem sei der 42. Bodensee-Radmarathon am 12. September empfohlen: Mit Tausenden von begeisterten Radfahrern kann man an diesem Samstag rund um den Bodensee radeln. Der Bodensee-Radmarathon wird seit über 40 Jahren auf ehrenamtlicher Basis vom Radclub RV Altenrhein in der Schweiz organisiert: Er soll sowohl Ambitionierten wie auch Hobbysportlern und Einsteigern ein sportliches Erlebnis ermöglichen. An sechs Startorten und auf drei verschiedenen Strecken in Deutschland, Österreich und der Schweiz werden Betreuung und Verpflegung angeboten. Alle Infos, auch zur Anmeldung bis 25. August, unter www.bodensee-radmarathon.ch.

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