Kirchheimer Umland

Von Mann zu Mann

Heilpädagoge Peter Beck bereitet werdende Väter auf die Geburt ihrer Kinder vor

Peter Beck steht werdenden Vätern Rede und Antwort. Allerdings nicht in seinem Garten, sondern in der Familien-Bildungsstätte.Fo
Peter Beck steht werdenden Vätern Rede und Antwort. Allerdings nicht in seinem Garten, sondern in der Familien-Bildungsstätte.Foto: Jean-Luc Jacques

Dettingen. Kaum eine schlechte Komödie, in der ein Kind geboren wird, kommt ohne diese Szene aus: Die Frau liegt mit schmerzverzerrtem Gesicht im Kreißsaal und presst, was das Zeug hält. Und was macht der

Mann? Fällt in Ohnmacht. „So etwas ist natürlich der Super-GAU“, sagt Peter Beck und lacht. Damit das „seinen“ Männern nicht passiert, bereitet er sie auf die Geburt ihrer Kinder vor. Und schwört sie darauf ein, nicht nur auf ihre Frauen zu achten, sondern auch die eigenen Grenzen zu respektieren. Bevor sie am Ende noch der Hebamme vor die Füße fallen.

Seit sechs Jahren steht Peter Beck werdenden Vätern Rede und Antwort. Er kooperiert mit drei Kirchheimer Hebammen, in deren Kursen er jeweils eine Einheit leitet. Alle finden bei der Familien-Bildungsstätte statt. „Das ist ein Alleinstellungsmerkmal. So etwas gibt es sonst nirgendwo im Landkreis“, sagt der Dettinger. Die Idee, „von Mann zu Mann“ über Schwangerschaft und Geburt zu sprechen, hatte er während der Kurse, die er als werdender Vater mit seiner Frau besuchte. Dort fiel ihm auf, dass kein Mann es wagte, etwas zu fragen. „Ich dachte mir: Die haben sicher Fragen. Aber in dem Rahmen werden sie sie nicht stellen“.

Denn Männer haben andere Fragen als Frauen. Oft sind es ganz praktische: Wann fahre ich mit meiner Frau los ins Krankenhaus? Was wird von mir im Kreißsaal erwartet? Aber es sind auch heikle Fragen dabei: Wie wirkt es sich auf unser Sexualleben aus, wenn ich bei der Geburt dabei bin und sehe, wie meine Frau unser Kind auf die Welt bringt? Fühlt sich Sex hinterher anders an? Solche Fragen kämen in der Regel nicht sofort, sagt Peter Beck. „Die Männer sind auch bei mir befangen. Ich muss erst einmal eine Atmosphäre schaffen, in der sie sich wohlfühlen“.

Von der Zeugung bis zum ersten Geburtstag, an diesem Leitfaden hangelt Peter Beck sich Kurs für Kurs entlang. Atemübungen demonstriert er keine. Dafür geht er darauf ein, welche Krankenhäuser und Geburtsarten es gibt, wie die Männer sich gegenüber ihrer Partnerin und der Hebamme verhalten sollten und was sie im Kreißsaal erwartet. Beck schreckt auch vor Themen nicht zurück, die die Männer zusammenzucken lassen: Dammschnitte oder die Tatsache, dass man die Plazenta nicht nur zu Globuli verarbeiten lassen, sondern sie theoretisch auch essen kann. „Damit kriege ich sie alle“, lacht Beck. Er versucht, falsche Vorstellungen aus den Köpfen der Männer zu verbannen. „Manche glauben, dass die Hebamme die ganze Zeit am Bett sitzt und Händchen hält. Die fallen aus allen Wolken, wenn die Hebamme zur nächsten Gebärenden rennt und sie zwei Minuten mit ihrer Frau allein sind“.

Tipps gibt Peter Beck keine. „Jede Geburt ist anders“, sagt er. Aber etwas ist ihm ganz wichtig: „Ich will den Männern mitgeben, dass sie mit ihren Partnerinnen sprechen müssen“. Beispielsweise hätten viele Männer großen Respekt davor, überhaupt in den Kreißsaal mitzugehen, würden es aber nicht zugeben. „Bevor man wortlos rausrennen muss, sollte man seiner Partnerin einfach sagen, dass man mal fünf Minuten Pause braucht“, sagt Beck.

Die Männer müssten ihre eigenen Grenzen respektieren und auf sich selbst achten – nicht nur im Kreißsaal, sondern auch nach der Geburt. „Möglicherweise ist es nicht gut, zehn Stunden zu arbeiten und dann völlig gestresst nach Hause zu kommen, wo einem die Frau das brüllende Kind in den Arm drückt“, sagt Beck. Lieber solle man noch einen schnellen Espresso trinken gehen und sich sammeln – natürlich in Absprache mit der Partnerin, die ja auch einen langen Tag hatte. Auch das Thema Schlaf spricht Beck an und rät müden Vätern dazu, mit ihren Partnerinnen über getrennte Schlafzimmer während der ersten Wochen zu sprechen – vor allem dann, wenn der Mann um 7 Uhr aus den Federn muss.

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