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Von Stroheimern bis zu Hightech-Geräten

Notzingens Kinderfeuerwehr feiert ihr Jubiläum mit einer Reise durch die lokale Feuerwehrgeschichte

1958 rückte die Notzinger Wehr mit Traktor und Anhänger zum Einsatz aus. Vor allem in kleineren Kommunen ist das auch heute noch
1958 rückte die Notzinger Wehr mit Traktor und Anhänger zum Einsatz aus. Vor allem in kleineren Kommunen ist das auch heute noch gängige Praxis.Fotos: Daniela Haußmann

Notzingen. Stolz ziehen Notzingens jüngste Floriansjünger ihren feuerroten Anhänger auf den Parkplatz

vor der Gemeindehalle. In Windeseile stellen sie sich vor einem Wasserbecken Schulter an Schulter auf. Unterstützt von Mara Feller und Lea Sigloch tauchen die Kameraden ihre Eimer ins Becken und reichen sie durch die Löschkette weiter, um den simulierten Brand in einem Container zu löschen. – Über viele Jahrhunderte hinweg war der Eimer ein wichtiges Hilfsmittel zur Feuerbekämpfung. Aus Stroh geflochten oder Holz gefertigt, setzten ihn bereits die Römer ein. Später bestand er aus Leder und seit Mitte des 18. Jahrhunderts auch aus Leinen, wie Alfred Bidlingmaier berichtete.

Der Ausbruch eines Feuers konnte ganze Existenzen vernichten, wie der Ehrenkommandant der Freiwilligen Feuerwehr Notzingen betonte. „Im Mittelalter ließ sich das Feuer mit den vorhandenen Mitteln nicht klein halten“, so Bidlingmaier. „Teilweise ließ man alte Häuser deshalb abbrennen und riss sogar noch Nachbarhäuser ab, um eine Brandausbreitung zu verhindern.“ Um den Geschädigten unter die Arme zu greifen, sei deshalb in den Gemeinden Geld gesammelt worden. Erst im Verlauf des 18. Jahrhunderts wurde in Württemberg eine Brandversicherung ins Leben gerufen, die im Schadensfall griff. Darüber hinaus hat der flächendeckende Ausbau öffentlicher Backhäuser einen wichtigen Beitrag zur Minimierung der Brandgefahr geleistet – auch in Notzingen.

Dort gründete sich 1871 eine Feuerwehr, die sich regelmäßig zu Übungen traf. 1912 erhielt die Gemeinde eine Wasserversorgung und Hydranten. „Die Wasserentnahme aus Brunnen und öffentlichen Wasserstellen gehörte damit der Vergangenheit an“, so der Kommandant Benjamin Lay. Heinz Dieter Grolig demonstrierte den rund 400 Zuschauern, wie die Floriansjünger in dieser Zeit zum Einsatz gerufen wurden. Der Leiter des Spielmannszuges der Freiwilligen Feuerwehr Notzingen brachte das Signalhorn zum klingen. Bei Einsätzen und Übungen diente es der Alarmierung und Signalgebung.

Während Grolig das Horn schmetterte, zogen die Mitglieder der Jugendfeuerwehr, mit Messinghelm und einer Uniform aus Schurwolle bekleidet, den historischen Schlauch- und Hydrantenwagen zum Einsatzort vor der Gemeindehalle. Rasch rollten die Kameraden die Schläuche von Haspeln, die auf dem hölzernen Handkarren fest installiert waren. Zur Ausrüstung zählte auch ein Hydrantenschlüssel, ein Standrohr, das an den Hydranten angeschlossen wurde, Verteiler und Einreißhaken, mit dem brennende oder abgebrannte Dachstühle zum Einsturz gebracht werden konnten.

Im Jahr 1958 beschaffte die Gemeinde einen Anhänger, der unter anderem mit Schläuchen, Strahlrohren, Äxten und einer Tragkraftspritze ausgestattet war. Ihr 28 PS starker VW-Käfer-Motor wurde mit einer Handkurbel gestartet. Ein schweißtreibendes Unterfangen, wie Kameraden der Notzinger Einsatzabteilung feststellen mussten. Ihnen gelang es leider nicht, das Gerät zum Laufen zu bringen. „In der Gemeinde gab es damals noch viele Landwirte. Im Brandfall wurde der Anhänger deshalb von einem Traktor zum Einsatzort gezogen“, berichtete Alfred Bidlingmaier. „In kleineren Gemeinde wird das heute noch so praktiziert.“

Das erste motorisierte Löschfahrzeug wurde dem Ehrenkommandanten zufolge erst 1966 in Notzingen angeschafft. 1986 wurde dann das erste wasserführende Tanklöschfahrzeug in Dienst gestellt. „Das ist leider nicht mehr in unserem Besitz“, sagt Benjamin Lay. Stattdessen präsentierte die Einsatzabteilung das Löschfahrzeug LF 8 aus dem Jahr 1991. Dabei demonstrierten die Kameraden das einsatztaktische Vorgehen am verrauchten Container. Unterstützung erhielten sie von der 2006 gegründeten Kinderfeuerwehr, die mit Blaulicht und Sirene in die Jahnstraße vorrückte. Rasch rollten die Nachwuchsfeuerwehrleute die Schläuche aus und schlossen sie an die Verteiler an. „Das üben wir regelmäßig alle zwei Wochen“, erzählte der siebenjährige Dominik, der seit einem Jahr Mitglied bei den „Little red hot Chillies“ ist. Zusammen mit seinen Kameraden demonstrierte er das einsatztaktische Vorgehen im Außenangriff.

Unterdessen machte die Einsatzabteilung deutlich, dass die Rettungskräfte nicht nur zu Bränden ausrücken, sondern auch bei Unfällen, Überschwemmungen und ähnlichen Ereignissen wertvolle Hilfe leisten.

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