Kirchheimer Umland

Vorreiter einer neuen Kultur

Die Milchbar hat sich innerhalb weniger Jahre zum Szenetreff gemausert

Acts aus Berlin sind in der Milchbar nichts Neues: Der Kirchheimer Club kommt an die ganz großen Fische im nationalen Elektromusik-Geschäft und kriegt Woche für Woche den Laden voll. Das Geheimrezept: ganz viel Geduld und eine kunterbunte Mischung für jedermann.

Vorreiter einer neuen Kultur
Vorreiter einer neuen Kultur

Kirchheim. Vor fast fünf Jahren hat Gunnar Stahlberg die Milchbar als Musikkneipe in Kirchheim gegründet. Seitdem geht es steil bergauf: Während ihn anfangs die Agenturen nur ausgelacht haben, wenn er nach bestimmten Künstlern fragte, kommen heute Acts in den Club, die sonst höchstens in Stuttgart als Headliner spielen, erzählt Gunnar Stahlberg. Mittlerweile hat sich die Milchbar zum beliebten Szenetreff für Menschen aus der ganzen Region entwickelt. Dank immer mehr Referenzen scheuen auch die großen Fische nicht mehr den kleinen Teich Milchbar.

Obwohl der 33-Jährige großen Wert darauf legt, dass das Programm im Club vielfältig bleibt, stechen besonders die Gäste im elektronischen Bereich hervor. „Unser Ziel war es schon immer, große Künstler nach Kirchheim zu holen.“ Die neue Musikkultur wollen sie fördern und sind damit Vorreiter in größerem Umkreis: Künstler, die elektronische Musik auf der Bühne performen, vor sich ein Pult mit Hunderten Knöpfen, und dazu teilweise noch selbst live auf Instrumenten spielen, gehen ein und aus. „Neulich hatten wir eine großartige Theremin-Künstlerin aus Florenz da.“ Das elektronische Musikinstrument funktioniert berührungslos über die Bewegungen der Hände: Während eine Hand die Tonhöhe steuert, verändert man mit der anderen die Lautstärke. In der Landeshauptstadt sei so was zwar mittlerweile normal, aber in den Städtchen drum herum gebe es kaum einen Club, dessen Programm mit dem der Milchbar mithalten könne. Der überzeugte Kirchheimer ist begeistert davon, wie viel die Stadt zu bieten hat. „Kirchheim hat eine unglaublich hohe Kneipendichte“, sagt er. Konkurrenzdenken sei da trotzdem völlig fehl am Platz: „In Kirchheim pilgert man. Keiner bleibt sechs Stunden in der gleichen Bar. Also freuen wir uns, wenn die anderen Locations am selben Abend auch tolle Veranstaltungen haben. Die Gastronomen in der Stadt harmonieren sehr gut.“

Das Logo wirbt mit „Kunst. Club. Kultur“: Ein Kunstwerk ist die Bar mittlerweile selbst geworden: An den Wänden prangen etliche Malereien, die im ständigen Wandel sind, und auch das Kulturprogramm ist kunterbunt: Burlesque-Shows, DJ-Workshops, Flohmärkte und Ausstellungen fanden schon in dem Gewölbe in der Max-Eyth-Straße statt, dazu Konzerte von Reggae bis Punk. Die Milchbar will anders sein, auch Randgruppen bedienen, urbane Subkultur zeigen. Wer jetzt allerdings vermutet, dass der Club die Großstadt nach Kirchheim holen möchte, liegt falsch: „Wir wollen Kirchheim, so wie es ist, bereichern“, stellt Gunnar Stahlberg klar.

Er ist stolz darauf, ein gemischtes Publikum in die Milchbar locken zu können: „Bei einem Punkkonzert neulich kam eine 86-Jährige, die die ganze Nacht getanzt hat, als wäre sie 40 Jahre jünger.“ Dresscodes lehnt er ab – Hauptsache, die Mischung stimmt. Bis jetzt habe er jeden Cent, den er verdient hat, in sein Geschäft investiert. „Das ist mein Konzept, vielleicht auch mein Problem“, sagt er lachend. In jedem der fünf Jahre ist eine neue Idee geboren: zuerst die Wunderbar, dann die Mietlocation Minibar, sein Spaßprojekt „Kirchheim TV“, das Durchblick-Magazin. Mittlerweile darf der Veranstaltungskaufmann sogar selbst ausbilden. Was die Zukunft bringt, weiß er nicht, „aber wir freuen uns drauf!“.

Samstags steht Elektromusik auf dem Programm: Die Milchbar lockt sein Publikum mit außergewöhnlichen Künstlern aus ganz Europa.
Samstags steht Elektromusik auf dem Programm: Die Milchbar lockt sein Publikum mit außergewöhnlichen Künstlern aus ganz Europa. Fotos: Thomas Jones
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