Kirchheimer Umland

„Wahlkampf kann richtig geil sein“

Politik Im Biergarten des Kirchheimer Teckkellers läutet der SPD-Landtagsabgeordnete Andreas Kenner launig seinen Wahlkampf ein. Von Andrea Barner

Andreas Kenner startete im Teckkeller seinen Wahlkampf. Foto: Günter Kahlert
Andreas Kenner startete im Teckkeller seinen Wahlkampf. Foto: Günter Kahlert

Der 30. Jahrestag der „Deutschen Einheit“ am 3. Oktober ist kalt und regnerisch. Ein paar Dutzend Anhänger des SPD-Politikers Andreas Kenner trotzen Wind und Wetter und sitzen im Biergarten des Teckkellers. Im Partyzelt spielen Paul Lawall, ­Markus Geyer und Karl-Heinz Mayer. Auch wenn sich der Kirchheimer Stadtrat und Landtagsabgeordnete Andreas Kenner von diesem ­„Come together“ Anfang Oktober ein „bisschen besseres Wetter und angenehmere Temperaturen“ erwartet hätte, bleibt’s dabei: „Wir sagen nichts ab, wer weiß, was bis zur Wahl am 14. März noch passiert.“

Der politische Frühschoppen nach der Nominierung zum Landtagskandidaten durch die Sozialdemokraten ist der Startschuss zur Wahlkampagne. „Das hab’ ich vor fünf Jahren genauso gemacht“, erinnert sich Kenner, der seinerzeit auf Anhieb gewählt wurde. „Aber natürlich mach’ ich jetzt nicht ein halbes Jahr lang Wahlkampf, das kannst du ja niemandem zumuten, das wollen auch die Leute nicht.“ Angesichts von Corona-Einschränkungen plant er mehrere Veranstaltungen im Freien, zum Beispiel in Biergärten. Zwei weitere „Nachtwächterführungen“ in Weilheim stehen auf dem Programm. Kultur und Politik heißt ansonsten die Devise, und da wird Andreas „Anne“ Kenner immer wieder gern mit der lokalen Musikszene zusammenarbeiten. Er hat festgestellt: Zu den reinen Informationsveranstaltungen kommt ja fast niemand, zu gemischten Events allerdings schon. Noch ist nicht raus, in welchem Umfang die traditionellen Podiumsdiskussionen und Neujahrs­empfänge coronabedingt überhaupt stattfinden können.

Tonja Brinks, Stadträtin und Vorsitzende des Kirchheimer SPD-Ortsverbands, hat ihrem Parteigenossen eine Mund-Nasen-Maske als Geschenk mitgebracht. Knallrot ist sie, mit der Aufschrift: „Anne Kenner - erfrischend anders“. Die Politikwissenschaftlerin ist nominiert als Ersatzkandidatin für Andreas Kenner, sollte der ausfallen. Der findet: „Des isch a bissle so wie mit der Queen und dem Charles - i han vor, no lang g’sond zom bleiba.“

Bei aller Geselligkeit und lockeren Sprüchen kommt bei Kenner das Politische nicht zu kurz. Seine Schwerpunkte liegen zum Beispiel im Bereich Altenpflege, Bildung, Wohnbau und Arbeitsplätze in der Region. Emotional wird’s, als er über die vielzitierten „systemrelevanten“ Berufe spricht. „Mit Beifall von Balkonen zahlst du deine Miete nicht“, stellt er fest und fordert bessere Bezahlung im Pflege- und Krankenhausbereich. Aber „auch der Müllmann ist systemrelevant“ - man stelle sich nur mal vor, dass im Sommer wochenlang der Biomüll nicht abgefahren wird. Und: „Wir sind der demografische Wandel.“ In zwanzig Jahren könnten so manche Gäs­te der Veranstaltung höchs­tens noch im Rollstuhl und mit Betreuer in den Teckkeller gelangen. Momentan schon fehlen laut Kenner etwa 150 000 Pflegekräfte.

Auch der Öffentliche Personennahverkehr liegt dem Politiker am Herzen. „Ich wollte zu einer Veranstaltung nach Winnenden. Da wäre ich mit dem Zug etwa dreieinhalb Stunden unterwegs gewesen.“ Die S-Bahnen haben keine WCs, sie sind weder barrierefrei noch komfortabel oder pünktlich. Kenner findet: „Nach zehn Jahren unter grüner Führung ist unser Land zu wenig grün und schon gar nicht radfahrerfreundlich.“

400 000 Wohnungen fehlen, sagt er, Schulbusse seien überfüllt, nicht jede Gemeinde könne sich kostenlose Kindertagesstätten leisten. Das Aufrüsten der Schulen mit schnellem Internet und Tablets oder Laptops „können die Gemeinden nicht stemmen“, die Milliardenaufgabe liege beim Land. Da lehnt sich ­Andreas ­Kenner aus dem Fenster und fordert, dass solche Aufgaben im Koalitionsvertrag festgeschrieben werden.

Auf mögliche Koalitionspartner im neuen Landtag will er sich zum jetzigen Zeitpunkt keinesfalls festlegen. „Das sollten wir offen lassen.“ Jetzt freut er sich erst mal auf spannende Monate bis zur Landtagswahl am 14. März und stellt fest, dass „Wahlkampf so richtig geil sein“ kann.

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