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Wald bekommt Kalkdusche ​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​

Forst Um die Folgen von saurem Regen auszugleichen, werden nächstes Jahr der Wald in Weilheim und der Talwald in Kirchheim per Helikopter gekalkt. Für Besucher sind die Gebiete in dieser Zeit gesperrt. Von Bianca Lütz-Holoch

Schlechte Ernährung macht krank – das gilt auch für den Wald. Ist der Boden zu sauer, gehen Nährstoffe verloren und Schadstoffe nehmen überhand. Bodenproben haben ergeben, dass genau das in Kirchheim und Weilheim droht. Deswegen ist für das kommende Jahr im Weilheimer Wald und im Kirchheimer Talwald eine Waldkalkung ge­plant. Sie wirkt wie eine Art Immun-Booster für Boden und Bäume, soll die Verschlechterung der Waldböden durch sauren Regen ausgleichen und die Vitalität der Bäume stärken. Das Spannende an der Sache: Die „Kalkdusche“ für den Wald kommt aus der Luft.

 

Eine Verteilung per Unimog und Gebläse funktioniert nicht.
Julia Usenbenz, Die Revierförsterin über die Gegebenheiten in Weilheim 

 

Grundsätzlich gibt es zwei Möglichkeiten, den Waldboden zu kalken: von unten und von oben. „In Weilheim funktioniert eine Verteilung per Unimog und Gebläse aber nicht“, sagt Weilheims Revierförsterin Julia Usenbenz. „Da gibt es zu viele Hänge mit nur einem Maschinenweg.“ Aus diesem Grund wird der Kalk per Hubschrauber ausgebracht. Auch in Kirchheim kommt der Helikopter zum Einsatz. „Die Kalkung wird schwerpunktmäßig im Talwald vorgenommen“, sagt der Kirchheimer Revierförster Benjamin Fischer. Dort gibt es eine weitere Besonderheit: die Gelbbauchunke. Auf sie soll besonders Rücksicht genommen werden. „Gekalkt wird frühestens im September oder Oktober, damit auch die letzten Kaulquappen fertig entwickelt sind und die Gelbbauchunken laufen können“, sagt Benjamin Fischer.

Rücksicht auf Gelbbauchunke

Um den Tieren nicht zu schaden, ist die Wahl auch auf die Verteilung aus der Luft gefallen. „Wir wollen nicht vom Boden aus arbeiten, falls irgendwo noch eine Unke in einer Pfütze sitzt.“ Ohnehin ist es wichtig, Fließgewässer aus der Kalkung herauszuhalten. „Das kriegt man aber auch aus dem Hubschrauber sehr genau hin“, versichert Fischer. Damit es nicht so staubt, wird der Kalk auch nicht trocken abgeworfen, sondern erdfeucht.

Mit einer unverhofften Kalkdusche müssen Waldbesucher nicht rechnen. „Für die Zeit der Kalkung sperren wir die betroffenen Waldgebiete mit Flatterband ab – wie bei der Holzernte auch“, sagt Julia Usenbenz. Für Weilheim geplant ist ein Zeitraum zwischen Juli und Oktober bei stabiler Wetterlage. Außerdem werden Schilder aufgestellt, die Fußgänger und Radfahrer über die Maßnahme informieren. Schädlich ist der Kalk für Menschen zwar nicht. „Befüllt wird das Gefäß, das am Hubschrauber hängt, aber vom Boden aus mit dem Radlader. Da kann schon mal ein Stein reingeraten“, erläutert Julia Usenbenz.

Auch in Kirchheim wird dafür gesorgt, dass sich niemand im Wald aufhält, solange der Hubschrauber fliegt. Sicherstellen möchten die Förster gleichzeitig, dass die Kalkung die Waldbesucher möglichst wenig beeinträchtigt. „Wir sperren die Flächen von den Bürgerseen aus abschnittsweise ab“, sagt Benjamin Fischer. „Der Verkehr entlang der Bürgerseen ist auf jeden Fall immer frei.“

Wie lange die Waldkalkung dauert, hängt unter anderem davon ab, ob das Wetter mitspielt. „Wenn alles reibungslos läuft, gehen wir in Weilheim davon aus, dass wir drei oder höchstens fünf Tage brauchen“, sagt Julia Usenbenz. Für den Talwald rechnet Benjamin Fischer mit einer Woche.

Eine Waldkalkung ist übrigens nichts, was regelmäßig stattfindet. Ob eine Kalkung nötig ist und wenn ja, wie viel Kalk der Boden braucht, legt übrigens die Forstliche Versuchsanstalt in Freiburg fest. Sie hat auch die Bodenproben aus Weilheim und Kirchheim analysiert und genaue Vorgaben für die Maßnahmen erarbeitet.