Kirchheimer Umland

Warten auf den nächsten Einsatz

Corona-Krise Umsatzeinbuße von bis zu einer Million Euro: Die Veranstaltungstechniker des Hochdorfer Unternehmens „events creative“ haben momentan massive Verluste zu verzeichnen. Von Katja Eisenhardt

Die Veranstaltungsbranche leidet derzeit massiv unter der Corona-Pandemie. Unzählige Veranstaltungen mussten in den vergangenen Monaten abgesagt oder verschoben werden. Das betrifft den Kulturbereich ebenso wie den Messebau und die Industrie. Ein Ende dieser Talfahrt ist für viele noch nicht absehbar, die Zukunft kaum planbar. Zu den Leidtragenden gehört auch das Hochdorfer Veranstaltungstechnik-Unternehmen „events creative“.

Das Firmengebäude im örtlichen Gewerbegebiet leuchtete in der Nacht vom 22. auf 23. Juni markant in Rot. Mit der Aktion „Night of Light“, bei der bundesweit in mehr als 250 Städten Eventlocations, Spielstätten, Gebäude und Bauwerke mit rotem Licht beleuchtet wurden, richtete die Veranstaltungswirtschaft gemeinsam einen Appell an die Politik.

Seit Mitte März macht die Branche quasi keinen Umsatz mehr: Konzerte, Theatervorstellungen, Volksfeste, Firmenfeiern, Tagungen, Produktpräsentationen, Messen - all das muss seit dem 10. März größtenteils abgesagt werden. „Das hat sich abgezeichnet. Wir gehören quasi zu denen, die als Erste in die Krise geraten sind und die zugleich als Letzte wieder starten können“, bringt Markus Zimmer, einer der Geschäftsführer und Gründer von „events creative“ die dramatische Situation auf den Punkt. Dass dieses Jahr alles wieder normal werden könnte, daran glaubt Zimmer nicht mehr.

Zu den Kunden des Hochdorfer Unternehmens, das seine Diens­te in der professionellen Licht-, Ton- und Bildtechnik sowie im Bühnenbau anbietet, zählen in der Regel Großkunden wie Breu­ninger Stuttgart, das Konstanzer Seenachtsfest, bei dem das Team für die passende technische Ausstattung auf der SWR-Bühne sorgt, die Schloss-Festspiele in Ettlingen, Goldgelb in Aichwald, diverse Unternehmen im Großraum Stuttgart, Veranstaltungs- und Werbeagenturen, Messen oder auch die technische Betreuung von Veranstaltungsorten wie dem Esslinger Neckarforum, dem „K3N“ in Nürtingen oder der Sparda Welt in Stuttgart.

Am ersten Juli-Wochenende wäre eigentlich ein Einsatz auf dem Esslinger Bürgerfest ge­plant gewesen. Stattdessen steht Markus Zimmer nun vor den prall gefüllten Regalen im gut 500 Quadratmeter großen Lager der Hochdorfer Firma, in dem das Equipment auf den nächsten Einsatz wartet.

Erst im Januar wurde noch in eine neue große Indoor-LED-Wand für 150 000 Euro investiert, die dieses Jahr auf diversen Veranstaltungen im Einsatz gewesen wäre. Immerhin: Derzeit stellen die Hochdorfer ihre Ausrüstung beispielsweise für Livestreams von Musikern oder dem Esslinger Gemeinderat zur Verfügung, sorgen in Gemeinderatssitzungen, die in größere Räume verlagert wurden, für die nötige Technik oder sind deutschlandweit unterwegs, um bei Großkunden alle Rechner mit einem Windows-10-Update zu versehen.

Schon in der Schule ging’s los

Hochdorf, events creative GmbH Veranstaltungstechniker in der Corona-Krise, das Bild zeigt die Schloss-Festspiele in Ettlingen 2
Hochdorf, events creative GmbH Veranstaltungstechniker in der Corona-Krise, das Bild zeigt die Schloss-Festspiele in Ettlingen 2019, bei denen die Hochdorfer eigentlich auch dieses Jahr wieder für die Bühnentechnik (Licht, Ton) gesorgt hätten. Fällt wegen Corona aus. Foto: oh

Angefangen haben die Firmengründer Markus Zimmer und Matthias Strecker in ihrer Jugend: Beide kennen sich schon seit der gemeinsamen Realschulzeit in Plochingen und über ihre gemeinsame Affinität für Technik. Da die beiden mit einem Plattenspieler, Scheinwerfern und einer Nebelmaschine ausgestattet waren, stiegen die ersten Partys im Hobbyraum von Zimmers Eltern. „Mit der Zeit kam immer mehr Equipment dazu, das wurde dann in der Garage meiner Eltern gelagert“, erinnert sich Markus Zimmer an die Anfänge. Mit 18 Jahren meldeten die beiden Freunde Anfang der 90er ein Gewerbe an und sorgten bei Schuldiscos oder Vereinsfesten für die passende Ausleuchtung und Beschallung. „So haben wir nebenher ein bisschen was verdient und das dann immer in neue Technik investiert“, erzählt Zimmer.

Er selbst machte eine Ausbildung zum Industrie-, Matthias Strecker zum Kommunikationselektroniker mit kaufmännischer Ausbildung. Beide haben zudem den Meister für Veranstaltungstechnik. Professioneller wurde das Ganze, als zusätzlich Ulrich Thelen mit ins Boot geholt wurde, der bereits viel Erfahrung in der Tontechnik mitbrachte und schon eine Band betreut hatte. Die heutige GmbH wurde 2005 gegründet, nach wie vor arbeitet das Trio in der Geschäftsführung Hand in Hand. Inklusive Chefs und den aktuell sechs Azubis zählt „events creative“ heute 22 Mitarbeiter.

Monatlich generiert das Hochdorfer Unternehmen unter normalen Bedingungen im Schnitt Einnahmen zwischen 100 000 und 200 000 Euro, die monatlichen Fixkosten inklusive der Mitarbeitergehälter liegen über 50 000 Euro. Durch die direkt ab März gestartete Kurzarbeit konnten diese Kosten immerhin auf rund 20 000 Euro verringert werden. Kredite warten dennoch darauf, abbezahlt zu werden. „Alles in allem erwarte ich für dieses Jahr Umsatzeinbußen von rund einer Million Euro. 2020 wäre eigentlich ein starkes Jahr geworden“, ist sich Markus Zimmer sicher.

Wie sich das kommende Jahr entwickle, bleibe abzuwarten. Planen könne man derzeit kaum. Neue Investitionen wird es erstmal keine geben, im Fokus steht, dass alle Mitarbeiter bleiben können. „Es wäre enorm wichtig, dass für die Branche neue Hilfen generiert werden. Ich finde nämlich schon, dass der Kultur- und Veranstaltungsbereich als system­relevant eingestuft werden sollte“, sagt Zimmer.

Markus Zimmer, Geschäftsführer und Gründer von „events creative“, vor den vollen Regalen im Lager der Firma. Im anderen Bild ist
Markus Zimmer, Geschäftsführer und Gründer von „events creative“, vor den vollen Regalen im Lager der Firma. Im anderen Bild ist eine Szene aus den Ettlinger Schlossfestspielen zu sehen, wo das Hochdorfer Unternehmen vergangenes Jahr für die Bühnentechnik verantwortlich war. Foto: pr/Katja Eisenhardt
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