Kirchheimer Umland

Weitblick wird belohnt

Zehn Jahre nach Eröffnung des Eckpunkts fällt die Bilanz rundum positiv aus

Zu seinem zehnjährigen Bestehen ist der Eckpunkt nicht mehr wegzudenken. Doch der heutige Standort wurde einst kontrovers diskutiert. Nicht jeder teilte die Auffassung von Eberhard Haussmann, Geschäftsführer des Kreisdiakonieverbands: „Dieses Angebot gehört in die Mitte der Stadt.“

Der Eckpunkt beherbergt nicht nur den Diakonieladen: Auch Café, eine Demenzwohngruppe und private Wohnungen sind dort zu finden.
Der Eckpunkt beherbergt nicht nur den Diakonieladen: Auch Café, eine Demenzwohngruppe und private Wohnungen sind dort zu finden. Foto: Deniz Calagan

Kirchheim. Die Vorgeschichte des Eckpunkts beginnt im Jahr 1999 in der Alten Scheuer: Dort waren günstige gebrauchte Kleider und Möbel zu erstehen. Doch es war bald klar, dass es in dieser Scheuer so nicht weitergehen konnte – aus Sicherheitsgründen und weil der Europäische Sozialfonds unter solchen Bedingungen mit dem Entzug der Fördergelder drohte. Zuerst war von einer halben Million Euro die Rede, doch nach und nach wurden die Pläne immer größer. Mut und eine ordentliche Portion Gottvertrauen ließen die Evangelische Gesamtkirchengemeinde schließlich ein 2,3-Millionen-Euro-Projekt angehen, in dieses floss der Erlös eines angrenzenden Grundstücks ein. Im Januar 2005 ging der Eckpunkt in Betrieb. Im Altbau und benachbarten Neubau war ein neuer diakonischer Schwerpunkt geschaffen. In der Hindenburgstraße 5 finden sich das Café im Eckpunkt, auf zwei Stockwerken der Diakonieladen mit Möbeln, Hausrat und Kleidung, die Demenzwohngruppe des Vereins „Gemeinsam statt Einsam“ und unter dem Dach private Wohnungen. In der Alleenstraße 74 sind die Diakonische Bezirksstelle Kirchheim, die Diakoniestation Teck, das Evangelische Jugendwerk Bezirk Kirchheim und die Geschäftsstellen des Kreisdiakonieverbands und der Diakonie im Landkreis untergebracht. Diese Vielfalt ist gewollt: Durch sie muss sich keiner verstohlen zur Schuldnerberatung oder Hilfe für psychisch kranke Menschen schleichen. Er könnte ja genauso gut ins Haus kommen, um mit der Diakoniestation eine häusliche Pflege zu besprechen oder dem Evangelischen Jugendwerk eine Kundenspende zu bringen. Jugendliche, die zum Jugendwerk kommen, bekommen nebenbei mit, was so alles an diakonischer Arbeit zur Kirche gehört.

Dekanin Renate Kath will für das Projekt keine Lorbeeren kassieren. „Ich kam vor siebeneinhalb Jahren nach Kirchheim und zum Projekt wie die Jungfrau zum Kind.“ Ihr Vorgänger Hartmut Ellinger habe Weitblick bewiesen. Mit Bernd Kemmner sei ein Kirchenpfleger hinzugekommen, der nicht nur in Geld und Finanzierung, sondern auch in Gemeindearbeit denke. Als Dritten im Bunde nennt Kath Wilhelm Keller, damals Pfarrer in Ötlingen und Stadtjugendpfarrer.

Die Bilanz von Kath und Haussmann nach zehn Jahren Eckpunkt ist rundum positiv, das Konzept sei „auf allen Ebenen erfolgreich“. Bemerkenswert am Organigramm des Eckpunkts ist eine Kleinigkeit rechts unten: das Datum 7. März 2012. Denn dass eine bewährte Struktur in der Diakonie auch drei Jahre später noch gilt, ist angesichts der kurzatmigen „Projektitis“, die Geschäftsführer Haussmann beklagt, keine Selbstverständlichkeit. „Die Menschen brauchen Kontinuität“, betonte er. Manche, die als Ein-Euro-Jobber da wären, blieben dem Eckpunkt anschließend als Ehrenamtliche treu. Die Kontinuität lässt sich der kleine Kirchenbezirk im Jahr rund 250 000 Euro kosten.

Besonders stolz ist Haussmann darauf, dass der Eckpunkt auch ausbildet, zur Verkäuferin oder Einzelhandelskauffrau. Dazu gibt es eine bewährte Kooperation mit dem Modehaus Fischer. Derzeit durchläuft die vierte Mitarbeiterin die Ausbildung, ihre Vorgängerinnen haben danach alle eine Stelle gefunden. Im Eckpunkt sind, in den verschiedensten Bereichen, rund 50 Hauptamtliche beschäftigt. Dazu kommen viele ehrenamtliche Unterstützer.

Bei aller Kontinuität, stillstehen darf die Arbeit nicht. Haussmann trägt die Vision mit sich, das Café zu einem Jugendcafé weiterzuentwickeln. Dekanin Kath verweist auf die Kooperation zwischen Jugendarbeit und Schule und den Versuch, mit der Jugendarbeit mehr als die bisherigen Milieus zu erreichen. Außerdem sei für eine 24-Stunden-Betreuung das Projekt „Behütet zuhause“ in Arbeit.

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