Kirchheimer Umland

Weite Wege zum Spezialisten sind passé

Medizin Die Nürtinger Medius-Klinik verfügt jetzt über Maximalversorgung im Bereich der Endoprothetik. Von Volker Haussmann

Chefarzt Dr. Patrick van Bergen. Foto: Holzwarth
Chefarzt Dr. Patrick van Bergen. Foto: Holzwarth

Menschen, die ein neues Knie- oder Hüftgelenk benötigen, waren zwar bisher schon in der Nürtinger Medius-Klinik an der richtigen Adresse. Mit dem aktuell ausgestellten Zertifikat „Endoprothetikzentrum der Maximalversorgung“ setzt die Klinik aber noch eins drauf. „Das ist die höchstmögliche Versorgungsstufe“, meint Landrat Heinz Eininger.

Unter Endoprothetik versteht man den Einbau von künstlichen Hüft- und Kniegelenken. Auch schon unter Leitung des langjährigen Chefarztes Dr. Florian Bopp genoss die Nürtinger Klinik für Unfall- und Orthopädische Chirurgie in dieser medizinischen Spezialdisziplin einen sehr guten Ruf. 2013 wurde die Klinik erstmals als Endoprothetikzentrum (EPZ) zertifiziert und dieser hohe Qualitätsstandard seitdem jährlich überprüft und bestätigt. Das Sahnehäubchen fehlte allerdings. Denn wer bei einem endoprothetischen Eingriff auf einen Spezialisten und eine Maximalversorgung Wert legte, der musste zum Beispiel nach Stuttgart, Tübingen, Albstadt oder gar Ulm fahren.

Damit aus einem EPZ ein endoprothetischer Maximalversorger (EPZmax) werden kann, müssen mehrere Voraussetzungen erfüllt sein. Diese sind, so Klinik-Geschäftsführer Thomas A. Kräh, auf circa 80 Seiten aufgelistet. Das Wichtigste: Ein Operateur des Zentrums muss über die Zusatzqualifikation „Spezieller Orthopädischer Chirurg“ verfügen. Chefarzt Dr. Patrick van Bergen, der seit 1. Juni als Nachfolger von Dr. Bopp die Klinik für Unfall- und Orthopädische Chirurgie in Nürtingen leitet, hat diese drei Jahre dauernde Zusatzausbildung erworben.

Ein weiteres Erfordernis für ein EPZmax ist: „Die Ärzte müssen eine sehr hohe Fallzahl an Endoprothetikoperationen vorweisen können“, so Dr. van Bergen. Mindestens 200 Operationen an Hüft- oder Kniegelenk muss die Abteilung pro Jahr vorgenommen haben. Bei mindestens 50 davon muss es sich um sogenannte Wechseloperationen handeln. Bei diesen medizinisch komplexeren Eingriffen wird ein bereits eingebautes künstliches Gelenk durch ein neues ersetzt. Die vorausgesetzten Fallzahlen erfüllt die Klinik mit Leichtigkeit: Im vergangenen Jahr wurden in Nürtingen 850 endoprothetische Eingriffe an Hüfte und Knie vorgenommen. „Dabei handelt es sich durchweg um medizinisch notwendige Eingriffe“, wie Landrat Heinz Eininger betont.

Nicht nur die Fallzahlen müssen stimmen: Bei den behandelnden Ärzten wird zwischen sogenannten Senior Hauptoperateuren und Hauptoperateuren unterschieden. Erstere müssen mindestens 100 endoprothetische Eingriffe im Jahr nachweisen können, Letztere mindestens 50. „Mit der daraus resultierenden höheren Erfahrung und Routine geht eine entsprechende Qualität einher“, so Chefarzt Dr. van Bergen. Im Nürtinger Team weisen drei Ärzte die für einen Senior Haupt­operateur erforderliche Qualität auf. Darüber hinaus gibt es einen weiteren Hauptoperateur.

Landrat Eininger zeigt sich stolz

Auch die strukturelle Ausstattung für ein EPZmax sei in Nürtingen vorhanden, erklärt Dr. van Bergen, denn: „Man braucht für besondere Fälle besondere Prothesen.“ Modulare Prothesen bestehen aus mehreren individuell an den Patienten angepassten Einzelteilen, die während der Operation zusammengesetzt werden. Deshalb sei es notwendig, eine „sehr differenzierte Ausstattung an verschiedenen Prothesen und Modellen, die für die unterschiedlichsten Fälle zur Auswahl stehen müssen“, im Haus vorzuhalten.

Die Zertifizierung als Endoprothetikzentrum der Maximalversorgung“ erfolgte zum 1. August dieses Jahres. Damit ist die Nürtinger Klinik die erste und bisher einzige im Landkreis, die dieses besondere Qualitätsmerkmal erfüllt. Landrat Eininger ist stolz: „Wir sehen uns dadurch in unserer Strategie bestätigt, in unseren Kreiskliniken eine sehr gute Grund- und Regelversorgung anzubieten und immer wieder Leuchttürme zu setzen.“ Für Klinikgeschäftsführer Kräh ist das Qualitätssiegel ein „schöner Ritterschlag“. Das EPZmax gewährleiste eine hohe Patientensicherheit und Versorgungsqualität im Bereich des Gelenkersatzes.

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