Kirchheimer Umland

Wenn Fahrzeuge Geschichten erzählen

Historie Einsatzfahrzeuge aus über 90 Jahren Feuerwehrgeschichte gab es beim Drehleiterfest der Freiwilligen Feuerwehr Kirchheim, Abteilung Ötlingen, zu sehen. Rund 1000 Besucher kamen und staunten. Von Daniela Haußmann

Ötlingens erstes Drehleiterfahrzeug wird in diesem Jahr 50. Das wurde am Sonntag mit einer Ausstellung moderner und historischer
Ötlingens erstes Drehleiterfahrzeug wird in diesem Jahr 50. Das wurde am Sonntag mit einer Ausstellung moderner und historischer Fahrzeuge gefeiert. Foto: Daniela Haußmann

Die meisten der fast 80 Fahrzeuge, die am Sonntag in der Ötlinger Wielandstraße ausgestellt waren, hatten bewegte Zeiten hinter sich. Auch die Drehleiter DL18, die vor 50 Jahren zum ersten Mal auf den Hof der Ötlinger Floriansjünger rollte. Ein Jubiläum, das in diesem Jahr Anlass für die dritte Fahrzeugschau rund um das Gerätehaus bot. 42 Jahre lang rückten die Kameraden laut Feuerwehrmann Dirk Wildhirt mit dem Oldie aus. Angeschafft wurde das gute Stück, weil in den Sechzigerjahren auch in Ötlingen die ersten größeren Gebäude entstanden waren.

Mit normalen Steckleitern ließen sich aus ihnen bei einem Brand kaum Personen retten, wie Helmut Eiting vom Feuerwehrmuseum berichtete. Wie alle Drehleitern, die vor den Achtzigerjahren gebaut wurden, wurde auch die DL18 ohne Leiterkorb produziert. Menschen, die sich nicht aus eigener Kraft bewegen konnten, legten sich die Kameraden laut Eiting über die Schulter und trugen sie Sprosse für Sprosse die 18 Meter lange Leiter hinunter. Ist eine Rettung über die Treppen und Flure eines brennenden Hauses nicht möglich, werden bewegungsunfähige Personen in eine Schleifkorbtrage gelegt, die am Drehleiterkorb befestigt und mit ihm abgelassen wird, wie Klaus Hirtreiter wusste. Dem Museumsmitglied zufolge wurden Menschen, die nicht mobil waren, ab den Dreißigerjahren bis zur Einführung der Drehleitern in Zinkwannen an Seilen abgelassen. Bis zu den Sechzigerjahren seien auch Rutschschläuche zum Einsatz gekommen. „Die ‚schönsten‘ Übungen mit dem Schlauch waren die am Krankenhaus. Oben sprangen die Schwes­tern in die Öffnung, und der Luftzug hob beim Runterrutschen die Röcke“, erinnerte sich Hirtreiter. Es waren nicht nur Geschichten wie diese, die die rund 1000 Besucher am Sonntag begeisterten.

Erst kürzlich hat der Stuttgarter Flughafen für rund vier Millionen Euro einen Simulator und vier neue Einsatzfahrzeuge beschafft. Eines davon stand in der Wielandstraße, wo sich große und kleine Besucher neugierig hinter das Steuer des 750 PS starken und circa 800 000 Euro teuren Fahrzeugs setzten, dessen Löschtank 12 000 Liter Wasser fasst. Interessierte konnte sich bei Ralph Eiler von der Flughafenfeuerwehr auch über die Ausbildung zum Werkfeuerwehrmann informieren. Genauso interessant war für Besucher Rolf Hutter der Blick in den Einsatzleitwagen des Landkreises Esslingen. Der kommt bei größeren Einsätzen, Katastrophen oder Großschadensereignissen zum Einsatz. In dem 12 Tonnen schweren Gerät werden alle Einsatzkräfte geführt und koordiniert. „Ein Besprechungsraum, vier Funkarbeitsplätze, jede Menge EDV, ein eingebauter Stromgenerator, damit auch bei Stromausfall die Arbeit weiterläuft - das ist schon beeindruckend“, fand Hutter.

Außerdem war es den Ötlinger Feuerwehrleuten gelungen, historische Löschzüge zu präsentieren. „Ein Zug besteht aus Löschfahrzeug, Hilfsgruppenlöschfahrzeug, Drehleiter und Einsatzleitwagen“, so Dirk Wildhirt. „Die passenden Fahrzeuge einer Modellreihe und eines Herstellers im Gesamtpaket zeigen zu können, ist selten.“ Besucherin Jasmin Pfeffer jedenfalls war begeistert von der Ausstellung, die mit einem Fahrzeugspektrum aus über 90 Jahren Feuerwehrgeschichte aufzeigte, mit welch einfachen Mitteln in früheren Zeiten ausgerückt wurde. Dass sich Tragkraftspritzen, Pressluftatmer und Kombigeräte, die bei Autounfällen zum Einsatz kommen, aus nächster Nähe betrachten ließen, machte die Veranstaltung für viele zu einem tollen Erlebnis.

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