Kirchheimer Umland

Wenn Früchte keine Früchte tragen

Vortrag Die Supermarktregale sind voll von exotischen Früchten. Doch was so süß schmeckt, hat oft einen bitteren Nachgeschmack. In der Kirchheimer Kreissparkasse erfährt man jetzt, wieso. Von Melissa Seitz

*Einladung der Landfrauen* Ausstellung Make Fruit Fair in der Kreissparkasse Kirchheim, Vortragssaal im dritten Obergeschoss,  w
*Einladung der Landfrauen* Ausstellung Make Fruit Fair in der Kreissparkasse Kirchheim, Vortragssaal im dritten Obergeschoss, wird eröffnet mit einem Vortrag "Früchte zu fairen Preisen - wir haben es in der Hand" mit Eva Herrmann. Dazu berichtet Karl Nägele aus Bissingen über siene Arbeit. würde sich vielleicht für eine zweite Ebene eignen. Ausstellung wird 10 Tage gezeigt und ist Gemeinschaftsprojekt des KreisLandFrauenverbandes Nürtingen und den örlitchen Landfrauenvereinen unde dem Weltladen. Gehört zu den KrauenKulturTagen

Obstsalat besteht längst nicht mehr aus ein paar Äpfeln, Birnen und Bananen. Heutzutage dürfen Mango, Ananas und Co auch nicht fehlen. Exotische Früchte gehören längst zum Alltag, und aus den Supermärkten sind sie nicht mehr wegzudenken. Oft kosten sie genauso viel oder noch weniger als die regionalen Früchte. Doch wieso? Und wer muss unter dem immer weiter sinkenden Preis leiden? Das sind Fragen, die in Kirchheim genau richtig sind. Denn der Teckstadt ist als erster Kommune in der Region der Titel „Fairtrade-Town“ verliehen worden. Aus diesem Grund macht die Ausstellung und Kampagne „Make Fruit Fair“ bis zum 14. März halt in der Kreissparkasse am Alleenring.

Auf Einladung der Landfrauen ist Eva Hermann vom Forum für internationale Entwicklung und Planung (Finep) aus Esslingen angereist, um auf ein Thema aufmerksam zu machen: „Früchte zu fairen Preisen“. „Die Kampagne ‚Make Fruit Fair‘ läuft schon seit März 2015“, erklärt die Projektmitarbeiterin von Finep, „und sie wird auch noch bis nächstes Jahr weiterlaufen.“ Das Ziel des Projekts: Konsumenten für den Handel mit tropischen und regionalen Früchten sensibilisieren. „Man fragt sich vielleicht, warum wir gerade eine Kampagne gegen tropische Früchte machen“, sagt Eva Hermann. Dafür nennt sie drei Gründe: Der Verkauf mit den Früchten ist gestiegen, die Arbeitsbedingungen sind nicht angemessen, und die Umwelt wird durch den konventionellen Anbau geschädigt.

Die Dumpingpreise für exotische Früchte sind auch beim Publikum in der Kreissparkasse bekannt. Eine Frau erzählt von einer Mango, die sie für 99 Cent ergattern konnte. Doch woher kommen diese spottbilligen Preise? Eva Hermann klärt auf: „Die Supermärkte und Discounter haben 90 Prozent des Lebensmittelmarktes in der Hand. Das bedeutet, sie bestimmen den Preis. In Ecuador ist der „Discounter-Price“ bei Arbeitern auf Bananenplantagen schon bekannt. „Die Discounter setzen die Preise fest. Wenn sie eine Kiste Bananen nicht für den gewünschten Dumpingpreis erhalten, nehmen sie sie nicht.“ Hier wird klar deutlich, wer der Schwächere in der Kette ist.

Eingespart wird dann natürlich beim Lohn der Plantagenarbeiter, und Überstunden werden laut der Expertin oft nicht bezahlt. Dazu kommt der gesundheitliche Aspekt: „Schutzkleidung gibt es für die Arbeiter nicht. Sie kommen also in direkten Kontakt mit den Pestiziden.“ Doch die Chemikalien sorgen nicht nur für Gesundheitsprobleme, sondern gefährden auch die Umwelt. Eine Tatsache schockiert Eva Hermann am meisten: „Wenn die Flugzeuge über die Plantagen fliegen und Pestizide verteilen, erreichen nur 15 Prozent davon die Plantage.“ Der Rest verunreinigt die Landschaft, das Trinkwasser und die Meere.

Es ist Zeit für Änderungen - dieser Meinung ist Eva Hermann. Die Kampagne „Make Fruit Fair“ fordert faires Einkommen für Plantagenarbeiter und speziellen Gesundheitsschutz. Doch ein besonderer Appell gilt den Supermärkten: Sie sollen anfangen, faire Preise zu zahlen. Solange das noch nicht der Fall ist, rät die Expertin: „Auch Sie als Konsument können aktiv werden und die richtige Entscheidung beim Einkauf von Früchten treffen.“ Regional statt international ist hier das Motto.

Eva Hermann
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