Kirchheimer Umland

Wer Töne macht, muss Farbe bekennen

Musik Der Kirchheimer Stephan Lummert ist als Tontechniker auf großen Bühnen zu Hause. Dabei braucht er nicht nur ein gutes Gehör, sondern auch starke Nerven und Muskeln. Von Thomas Krytzner

Wer eine Veranstaltung besucht oder es sich daheim vor dem Fernseher oder Radio gemütlich macht, erwartet neben tollen Bildern auch den einwandfreien Ton. Damit der Klang perfekt über die Lautsprecher oder den Äther kommt, braucht es weit mehr als ein gutes Gehör. Tontechniker Stephan Lummert kann ein Lied davon singen.

Der Kirchheimer ist in Deutschland und im Ausland auf den großen Bühnen unterwegs und sorgt für den passenden Ton. Und wenn er am Veranstaltungsort ankommt, hat er meist ein riesiges Equipment dabei: unzählige Kabelrollen mit verschiedenen Anschlüssen, Mikrofone in jeder Ausstattung und zur Steuerung das Mischpult.

Bei der Verkabelung des Tons ist volle Konzentration gefragt. Foto: Thomas Krytzner
Bei der Verkabelung des Tons ist volle Konzentration gefragt. Foto: Thomas Krytzner

Organisation ist das A und O

Schon die Vorbereitung auf den entsprechenden Anlass nimmt viel Zeit in Anspruch. Welches Material wird benötigt, wie viele Kilometer Kabel müssen verlegt werden, und wo kann Stephan Lummert sein Mischpult aufstellen, ohne, dass er vom Publikum gesehen wird. Das Aufgabengebiet ist umfangreich und stellt bei jedem Auftrag immer wieder neue Anforderungen.

So zum Beispiel der Kölner Karneval. „Da bin ich schon Tage vorher nach Köln, damit alles klappt“, erzählt Lummert. Er hat die Außenbeschallung während des Rosenmontagszuges installiert, damit der Moderator die Zugwagen begrüßen und erklären kann. Der Tontechniker spricht dabei von einem anspruchsvollen Auftrag und grinst: „Beim Karneval verstehen die Kölner keinen Spaß.“ Für Stephan Lummert ist gute Vorbereitung das A und O. „Wenn man am Veranstaltungsort schlecht organisiert ist, wird das Chaos immer größer.“

Als Toningenieur darf man nicht farbenblind sein. Foto: Thomas Krytzner
Als Toningenieur darf man nicht farbenblind sein. Foto: Thomas Krytzner

Jedes Mal Kabelsalat

Wenn eine Veranstaltung ansteht, hat der Tonmeister viele Metall und Holzkisten im Gepäck. Vor Ort heißt es dann erst mal Kisten schleppen, Kabel ausrollen und sortieren. „Die Kabel sind alle nummeriert und haben verschiedene Stecker“, kommentiert Lummert seinen Kabelsalat. Und da liegen nicht nur ein paar gleiche Kabel rum, sondern dicke, dünne, lange, kurze und in unterschiedlichen Farben. „Mit der Zeit weiß ich, wo welcher Stecker und wo welches Kabel hinkommt.“

In der Tat, in einer Seelenruhe sucht sich Stephan Lummert einen Strang mit dünnen Kabeln aus und legt sie vor eine riesige Holzkiste. Er hat Glück, selbst abwickeln muss er diesmal nicht, das übernimmt sein Sohn Juri. Er interessiert sich sehr für die Arbeit seines Papas und hilft gerne mit. „Ich kann mir vorstellen, in die Fußstapfen meines Lehrmeisters zu treten“, sagt Juri über die berufliche Zukunft. Dann schnappt er sich die Stränge und beginnt, sie zu entwirren.

Schnell sind die ersten Kabel gesteckt, die ersten Verbindungen geschafft. Es ist eine Geduldsarbeit, für die man nicht farbenblind sein darf, betont Lummert. Und oft genug muss der Tonexperte sich als Schlangenmensch beweisen, wenn es auf der Bühne eng zugeht und die Bewegungsfreiheit recht eingeschränkt ist. „Irgendwie schaff ich es immer, an die engsten Stellen zu gelangen.“

Ein Leuchten sieht man nicht nur auf dem riesigen Mischpult, sondern auch in den Augen von Stephan Lummert, wenn er sein „Baby“ aufstellt und einschaltet. „Da sind zwei Computer drin“, erklärt er. Es ist längst nicht mehr so, dass die Tontechniker dauernd die Schieberegler betätigen: „Das wird alles vorher programmiert, und per Knopfdruck läuft die ganze Steuerung auf der Bühne.“

Stefan Lummert ist Herr über hunderte Knöpfe und Regler an seinem Mischpult, das voller Software steckt. Foto: Thomas Krytzner
Stefan Lummert ist Herr über hunderte Knöpfe und Regler an seinem Mischpult, das voller Software steckt. Foto: Thomas Krytzner

Perfektionist am Werk

Damit der erfahrene Tontechniker aber weiß, wie er die einzelnen Mikros einstellen muss, gibt es eine Regieanweisung der Band oder der Organisatoren. Da kommt es drauf an, ob laute Instrumente oder Stimmen gefordert sind. Stephan Lummert kann jedes Mikrofon in einer eigenen Spur regeln. Bei der Programmierung kommen Vater und Sohn regelrecht ins Diskutieren. „Mehr Bass und mehr Hall“, fordert Juri. Stephan Lummert programmiert, speichert, ist aber noch nicht zufrieden. Er ist Perfektionist. Und so ist am Schluss auch der Ton: Perfekt!

Kabel entwirren, alles richtig einstecken und das Mischpult überprüfen: Wenn Stephan Lummert bei einer Veranstaltung die Tontech
Kabel entwirren, alles richtig einstecken und das Mischpult überprüfen: Wenn Stephan Lummert bei einer Veranstaltung die Tontechnik übernimmt, muss alles perfekt sein. Foto: Thomas Krytzner
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