Kirchheimer Umland

Willkommen im Pubertier-Labor

Der Autor und Kolumnist Jan Weiler begeistert das Publikum in der Kirchheimer Bastion

Skurrile Geschichten aus dem Pubertier-Labor: Jan Weiler in der Bastion.Foto: Deniz Calagan
Skurrile Geschichten aus dem Pubertier-Labor: Jan Weiler in der Bastion.Foto: Deniz Calagan

Kirchheim. Jan Weiler schaut betrübt ins Publikum, verzieht sein Gesicht und bekennt: „Ich werde gemobbt. Von meinen Kindern. Unter tätiger Mithilfe meiner Frau.“ – lautes Gelächter folgt. Denn alles, was

der Autor und Kolumnist – und man möchte fast schon Schauspieler hinzufügen – in seiner Lesung „Mein Leben mit dem Pubertier und andere Geschichten“ am Donnerstagabend in der Bastion von seiner Familie erzählte, war zum Brüllen komisch.

Seit sich seine Tochter Carla und sein Sohn Nick in „Pubertiere“ verwandelten, hat sich auch Jan Weilers Leben komplett verändert: „Ich habe zuhause keine Rechte mehr!“ Mit lebhafter Mimik und Gestik spielte er Szenen aus dem Familienalltag nach oder präsentierte als Versuchsleiter die Ergebnisse seiner Forschung über das Sozialverhalten weiblicher und männlicher Pubertiere. Nicht nur die Jugendlichen haben typische, unglaublich lustige Teenager-Sprüche auf Lager, auch ihr Vater gibt ihnen großartige Ratschläge wie „Denken ist wie googeln, nur krasser“. Von seinen Vaterqualitäten scheint Jan Weiler selbst nicht allzu überzeugt zu sein. Eine pädagogische Handreichung, wie die zuhörenden Eltern mit ihren eigenen Pubertieren zurechtkommen könnten, hatte er jedenfalls nicht. Genau genommen kann er nur eines raten: den Kindern drohen, sich ihren Freunden möglichst peinlich vorzustellen – hart, aber effektiv.

Genauso wie über die skurrilen Geschichten aus dem Pubertier-Labor amüsierte sich das Publikum über traumatisierende Elternabende, Ärger mit der Schulpflegschaft, den esoterischen Schwager oder seinen „weltweit absolut einzigartigen Signierservice“, der in der Pause gleich ausgiebig in Anspruch genommen wurde.

Das Programm für die Lesetour, die Jan Weiler bis Mitte Dezember durch ganz Deutschland führen wird, wurde aus Geschichten von seiner Kolumne „Mein Leben als Mensch“ in der Welt am Sonntag und aus dem Buch „Das Pubertier“ zusammengestellt, vor allem jedoch – eine echte Überraschung für das Publikum – aus seinem nächsten Buch. So gab es schon einmal einen Vorgeschmack auf „Im Reich der Pubertiere“, das im Januar herauskommen wird. Und für die dazu passende Live-CD konnte Jan Weiler an diesem Abend auch gleich üben.

Hinter allem Humor und Klamauk hat Jan Weiler gegen Ende auch ernste Töne angeschlagen: Als er mit Wehmut von den „vergangenen Leidenschaften“ seiner Kinder berichtete, die wie alte Kleidung abgelegt wurden; oder als er mit beißender Ironie die Demonstrationen gegen die Flüchtlingsaufnahme in Freital kommentierte. Dass auch dabei das Gelächter nie verstummte, schaffte Jan Weiler mit seiner Balance aus Ironie, Ernst, Skurrilität und charmantem Spaß, unterstützt von einer einmaligen Bühnenpräsenz, die aus der Lesung beinahe einen Comedy-Abend machte.

Die Zuhörer, die ganz offensichtlich sehr gut mit dem leidgeprüften Versuchsleiter und Vater mitfühlen konnten, dankten es ihm mit stürmischem Applaus. Der wäre nicht einmal nötig gewesen, fand Jan Weiler, die Zugabe hatte er ja so oder so geplant. Ein Glück, denn die Darbietung der Wette mit seiner Frau Sara, einen Tag lang wie eine Figur aus „Games of Thrones“ zu sprechen (ja, auch vor dem neuen Freund der bemitleidenswerten Carla), bot den letzten Höhepunkt eines sehr unterhaltsamen Abends.

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