Kirchheimer Umland

Wo Macher „Highteck“ erfinden

Ausbildung Die Kirchheimer Unternehmer Steffen Kernstock und Dr. Tim Ganser bieten mit dem „Tecklab“ einen Raum, in dem Erfinder Neues ausprobieren können. Namhafte Firmen unterstützen das Projekt. Von Thomas Zapp

Dr. Tim Ganser (links) und Steffen Kernstock (mitte) zeigen einen Roboter, den der Informatik-Azubi Robert Macht zusammengebaut
Dr. Tim Ganser (links) und Steffen Kernstock (mitte) zeigen einen Roboter, den der Informatik-Azubi Robert Macht zusammengebaut hat. So etwas soll es künftig auch im Tecklab geben. Foto: Jean-Luc Jacques

Steffen Kernstock ist besorgt. „Die weltweite Vormachtstellung Chinas hat längst auch die Technologie-Zweige erreicht, nicht erst seit der Kuka-Übernahme“, sagt der Wissenschaftspublizist und Betreiber des Coworking-Space „KomeeT“ in Anspielung auf den Verkauf des Augsburger Roboter-Herstellers. Er glaubt, dass immer mehr technische Innovationen aus dem Reich der Mitte kommen und Deutschland, das Land der Erfinder, hinterherhinkt. Doch der Kirchheimer glaubt auch, dass man dagegen etwas tun kann.

Mit seiner Initiative liegt er auf einer Wellenlänge mit Dr. Tim Ganser, Geschäftsführer des IT-Unternehmens Starline Computer. Gemeinsam wollen sie im ersten Stock der ehemaligen Jesinger Grundschule das „Tecklab“ gründen. Am 5. Juli wird der dazugehörige Verein aus der Taufe gehoben, um dem Projekt den rechtlichen Rahmen zu geben. „Unser Ziel ist es, einen Begegnungsraum zwischen Experten und Ideengebern zu schaffen“, sagt Tim Ganser.

Das Konzept kommt wieder einmal aus Amerika und wird dort als „Fabrication Laboratory“ oder „MakerSpace“ geführt - Fabrikationslabor oder „Raum für Macher“. Das „Tecklab“ in Kirchheim, eine Wortschöpfung aus Labor, Technik und dem Symbol der Region, greift unter anderem auf den Erfahrungsschatz von Gansers Mitarbeiter Mohammed Ammar zurück, der jüngst mit einem Azubi einen Roboter gebaut hat.

Für das Tecklab werden auch junge Erfinder gebraucht. Die Max-Eyth-Schule ist an Bord, zu weiteren Schulen gibt es Kontakt. Damit die Nachwuchserfinder auch Zugang zum nötigen Fachwissen und das richtige Werkzeug in die Hände bekommen, haben Steffen Kernstock und Tim Ganser Partner ins Boot geholt. Firmen aus der Region wie der Werkzeughersteller Festool, Keller Lufttechnik, der Automatisierungsspezialist Eberhard, Leuze electronic, Sensor-Spezialist Lehner oder ­2E Mechatronik stellen Know-how, Geräte und Manpower zur Verfügung. Ein 3D-Drucker und Elektrowerkzeuge sind bereits vorhanden, weitere Technik soll folgen. „Aber auch Holzwerkzeug wird es geben, der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt“, sagt Steffen Kernstock.

Besuch des Umweltministers

Für die Firmen ist das Engagement ebenfalls interessant. „Sie können hier künftigen Nachwuchs rekrutieren“, meint Tim Ganser. Gleichzeitig schaffe man Verbindungen untereinander. „Entwicklungen finden in den Firmen oft isoliert wie auf einer Insel statt, dabei bringt eine Öffnung Innovation“, ergänzt Steffen Kernstock. „Entscheidend ist jedoch die Nähe der Entwicklungsabteilungen führender Technologieunternehmen zu den Schulen. Bis aktuelles Know-how aus den Laboren in den Schulbüchern Niederschlag findet und in den Schulen ankommen, ist es veraltet.“ Auch Kurse zum Selbstkostenpreis soll es geben, von Robotik bis Linux-Programmieren. Die verwendeten Programme sollen nach Möglichkeit Open Source sein, die Materialien recycelt werden aus Altmetall und Ähnlichem. „Die Teilnehmer sollen auch zu Hause weitermachen können und nicht auf teure Software angewiesen sein“, sagt Tim Ganser. Ganz nebenbei leistet das Tecklab somit einen Beitrag zur Nachhaltigkeit. Das hat sich he­rumgesprochen: Am 1. Juni steht ein Besuch von Landes-Umweltminister Franz Untersteller an, der das Projekt im Rahmen der Nachhaltigkeitstage besucht.

Am Ende wirkt Steffen Kernstock nun weniger besorgt angesichts der chinesischen Konkurrenz, eher optimistisch - und stolz auf das Projekt.

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