Kirchheimer Umland

Wohnen als Gemeinschaft denken

Planwerk Kirchheim, Dettingen und Notzingen wollen den Flächennutzungsplan gemeinsam fortschreiben. Einig sind sich die Kommunen, dass es beim „Geschacher“ um die Flächen nur Gewinner geben soll. Von Iris Häfner

Die Kommunen wachsen weiter in die Fläche.  Luftbild: Werner Feirer
Die Kommunen wachsen weiter in die Fläche. Luftbild: Werner Feirer

Das Wohnungsthema brennt unter den Nägeln, das ist auch den Kommunen und Gemeinderäten klar. „Wir wollen die Verfahrenstruktur putzen und neu aufstellen“, sagte Kirchheims Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker, als es um die Neuaufstellung des Flächennutzungsplans ging. Den will die Verwaltungsgemeinschaft Kirchheim, Dettingen und Notzingen zusammen auf die Beine stellen.

Bei der Sitzung des Gemeinsamen Ausschusses wagte Dettingens Bürgermeister Rainer Haußmann einen Vorstoß. „Wir sollten Wohnen gemeinsam denken, denn wir brauchen alles: kreative Eigenheime, Geschosswohnungen, bezahlbaren Wohnraum“, sagte er. Er zielte auf den Galgenberg in Kirchheim, der mit 13 Hektar ein regionaler Wohnungsbauschwerpunkt werden sollte, aber von der Stadt aus Lärm- und Erschließungsgründen aus der Planung herausgenommen wurde. „Jetzt schwirren 13 Hektar rum, für die es Bedarf gibt“, sagte Rainer Haußmann und machte keinen Hehl daraus, dass er gerne einen Teil dieses Kuchens für Dettingen hätte. Im Blick hat er speziell Flächen im Außenbereich. Könnte ein neues Baugebiet größer als ursprünglich geplant werden, würden sich die fixen Erschließungskosten auf mehr Bauherren und damit günstiger verteilen lassen, was sich positiv auf die Bezahlbarkeit des Wohnraums auswirkt.

„Aus Sicht der Kirchheimer Verwaltung muss ich deutlich sagen, dass wir nicht auf Dinge verzichten, die wir später möglicherweise brauchen. Wir kennen die Entwicklung nicht“, so die Oberbürgermeisterin. Sie vermutete, dass sich der Kirchheimer Gemeinderat mit diesem Schritt ebenfalls schwertun würde. „Auch wir brauchen Flächen für große Einfamilienhäuser“, sagte sie. Walter Aeugle, Kirchheimer Stadtrat und Ausschussmitglied, zeigte sich gesprächsbereit: „Wenn ein Win-win-Geschäft dabei herauskommt, sollten wir das Thema in der Verwaltungsgemeinschaft flexibel behandeln. Die Frage ist, wie strikt die Region Stuttgart damit umgeht.“ Auch für Rainer Haußmann ist klar: Jeder soll profitieren, keiner einen Schaden haben - nicht gegeneinander, sondern miteinander soll der Flächennutzungsplan auf den Weg gebracht werden.

An seiner Kritik am System hielt er dennoch fest und prangerte das Schubladendenken in Bezug auf die Eigenentwicklung der Kommunen an: „Dettingen wird gleich behandelt wie Kommunen auf der Alb. Dabei haben wir einen Schienen- und Autobahnanschluss.“ Wanderungsgewinne darf Dettingen im Gegensatz zur Stadt Kirchheim nicht vorausberechnen, obwohl Bedarf da ist.

In diesem Zusammenhang sprach Rainer Haußmann einen runden Tisch mit Landwirten aus Nabern und Dettingen, aber auch Owen und Lenningen an, dessen Ziel ein Nutzungs- beziehungsweise Flächentausch ist. Durch Bauland geht den Bauern Land unwiederbringlich verloren. Werden Flächen zusammengelegt, können die Landwirte wirtschaftlicher und ökologischer arbeiten, weil sich die Anfahrten zu den Feldern und Wiesen reduzieren lassen - und am Stück gearbeitet werden kann. Der Schultes dachte auch laut über mögliche Betriebsübergaben nach und nannte das Stichwort Flächenmanagement. „Es spricht alles für diesen runden Tisch. Der Ansatz ist gut und wichtig“, lautete dazu das Urteil von Angelika Matt-Heidecker. Angetan von dem Vorschlag war auch Reinhold Ambacher, Stadtrat und ehrenamtlicher Stellvertreter des Ortsvorstehers Jesingen. Zweimal im Jahr treffen sich die Jesinger Landwirte. „Bei uns hat es sich ganz gut entwickelt, auch wenn es noch nicht ganz ausgereift ist“, sagte er und zeigte sich offen für gemeinsame Sitzungen mit Bauern aus anderen Teilorten und Kommunen.

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