Kirchheimer Umland

Zu Fuß über die Grenze gerettet

Kult-Auswanderer Die Kirchheimer Thommy und Kathrin Mermi-Schmelz sind knapp einer Quarantäne in Österreich entgangen – im wahrsten Wortsinn. Von Thomas Zapp

TV-Auswanderer Kathrin und Thommy Mermi-Schmelz packten schnell ihre Siebensachen, als sie hörten, dass für den Nachbarort die Q
TV-Auswanderer Kathrin und Thommy Mermi-Schmelz packten schnell ihre Siebensachen, als sie hörten, dass für den Nachbarort die Quarantäne ausgerufen wurde. Foto: pr

Am Hang hinter dem „Starchen Stadl“ in Wagrain im Salzburger Land liegt noch Schnee, normalerweise wäre in diesen Tagen alles voll mit Skifahrern - und Kathrin und Thommy Mermi-Schmelz, der Kirchheimer Kult-Auswander aus der Doku-Soap „Goodbye Deutschland“, wären im Einsatz als Koch und Servicekraft. Wäre, wenn nicht wie so oft in den vergangenen Wochen der Coronavirus dem Geschäft auf dem Berg einen Strich durch die Rechnung gemacht hätte. Für die Mermi-Schmelzens kam es aber noch dicker. „Als im Nachbarort die Quarantäne verhängt wurde, bekamen wir Angst, dass wir hier oben festhängen“, erzählt Kathrin Mermi-Schmelz. In Flachau hatte es drei Corona-Verdachtsfälle gegeben, die Polizei verhängte daraufhin eine Sperre. „Die österreichischen Behörden reagieren sehr schnell“, sagt sie.

Für die beiden stand aber fest, dass sie schnellstmöglich wegmüssen, wenn sie nicht auf unbestimmte Zeit in den Bergen festhängen wollen - mit schönem Ausblick zwar, aber auch mit wenig Möglichkeiten der Fortbewegung und möglichen Versorgungsengpässen. „Die Hütten sind alle dicht“, erzählt sie. Zurück nach Deutschland lautete also ihr Ziel. Es gab nur ein Problem: „Wir hatten kein Auto.“ Sie hatten sich wie in jedem Jahr von Freunden auf der deutschen Seite in Marktschellenberg mit dem Auto abholen lassen. Der Weg zurück „per Taxi“ war aber nicht möglich: Autos mit österreichischem Kennzeichen kamen nicht über die Grenze, denn Deutschland verwehrte Österreichern „ohne triftigen Reisegrund“ den Grenzübertritt.

„Wir hätten eine Bescheinigung als Grenzgänger gebraucht oder die Arbeitsbescheinigung einer Firma, die einen Auftrag in Deutschland hat“, erklärt Kathrin Mermi-Schmelz. Da sie beides nicht hatten, musste sie ihr Bekannter zum Grenzübergang bringen und ließ sie dann aussteigen. „Dann sind wir zu Fuß über die Grenze gegangen“, erzählt sie. Dafür mussten sie allerdings mehrfach einen Grenzübertritt vollziehen, denn das Gepäck konnten sie mit einem Gang nicht mitnehmen. Die Grenzbeamten zeigten aber Verständnis für ihre ungewöhnliche Vorgehensweise. Zwar wunderte sich der deutsche Grenzbeamte, warum sie nicht im Auto kamen, winkte sie aber nach einer kurzen Erklärung durch.

Seitdem sind sie beiden Auswanderer bei einer Freundin im Schwäbischen untergekommen und haben sich erst mal freiwillig in „Quarantäne“ begeben. „Uns geht es aber gut“, sagt Kath­rin Mermi-Schmelz. Beruflich hängen beide Gastronomen aber in der Luft. Eigentlich sollte es im April nach Mallorca gehen, doch die Fluggesellschaft Tuifly hat den Flug bereits gecancelt. Momentan heißt es für sie, zu improvisieren und flexibel zu sein. „Ich kann mir alles Mögliche vorstellen, um Geld zu verdienen, zum Beispiel an der Kasse in einer Tankstelle oder im Supermarkt. In einigen Bereichen herrscht ja Bedarf“, sagt sie.

Mallorca steht in den Sternen

Der Start im Mai im „Kartoffelhaus“ im bei Deutschen sehr beliebten Inselort Peguera steht aktuell in den Sternen. „Wir haben schon unseren Vermieter angeschrieben, damit er uns mit der Miete entgegenkommt“, erzählt Kathrin Mermi-Schmelz. Die Regierung hat zwar ein Gesetz erlassen, dass man säumige Mieter nicht auf die Straße setzen kann, aber sie wollen ihrem Vermieter entgegenkommen.

Die Auswanderin ist froh, dass sie in Deutschland noch relativ flexibel ist. In ihrer Wahlheimat ist derzeit alles geschlossen, die Leute dürfen nur unter bestimmten Auflagen ihre Häuser verlassen, etwa mit Haustieren. Die Kirchheimerin hat Mitleid mit den Insulanern: „Dort bricht gerade alles weg. Gerade in der Gastronomie haben viele in neue Projekte inves­tiert und jetzt keine Einnahmen.“ Allerdings gäbe es dort dank ihrer Hunde „Gipsy“ und „Tequila“ eine - leider nicht legale - Einnahmemöglichkeit: „Wir könnten ja unsere Hunde zum Gassigehen vermieten“, sagt sie und lacht schallend. Ihren Humor haben die Mermi-Schmelzens noch lange nicht verloren.

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