Kirchheimer Umland

Zukunft der Kreuzkirche ungewiss

Verhandlungen mit griechisch-orthodoxer Gemeinde scheitern auf der Zielgeraden

Keine drei Monate ist es her, dass die evangelische Gesamtkirchengemeinde die ideale Lösung für die Zukunft der Kirchheimer Kreuzkirche präsentiert hatte. Jetzt ist alles wieder auf Null zurückgestellt: Die Suche nach einem Nachnutzer beginnt von vorn. Trotz allem könnte es doch noch die griechisch-orthodoxe Gemeinde werden. Aber verhandelt werden müsste noch einmal ganz von Anfang an.

Die Kirchheimer Kreuzkirche steht weiter zum Verkauf. Die Verhandlungen mit der griechisch-orthodoxen Kirche waren zwar schon we
Die Kirchheimer Kreuzkirche steht weiter zum Verkauf. Die Verhandlungen mit der griechisch-orthodoxen Kirche waren zwar schon weit fortgeschritten, sind inzwischen aber gescheitert.Foto: Jean-Luc Jacques

Kirchheim. Bei einem Pressegespräch rollte Dekanin Kath gestern die ganze Geschichte noch einmal auf: Mehr als zwei Jahre habe der „einvernehmliche Gesprächsprozess“ mit der griechisch-orthodoxen Gemeinde in Kirchheim gedauert. Am Ende stand der Entwurf eines notariellen Vertrags. Von evangelischer Seite lagen alle Zustimmungen vor. Nicht nur vor Ort hatten alle Gremien zugestimmt, auch die Genehmigung des Oberkirchenrats lag vor.

Auch die Eckpunkte der bisherigen Vereinbarungen zählte die Dekanin gestern noch einmal auf: „Wir geben das Gelände in Erbbaupacht auf 75 Jahre ab. Das Gebäude verkaufen wir zu einem deutlich von der Schätzung nach unten abwei­chenden Preis.“ So hätte es sein und bleiben sollen, dann wären alle glücklich gewesen: die evangelische Gesamtkirchengemeinde, weil sie ein großes Gebäude weniger gehabt hätte, für das jährliche Kosten für Unterhalt und Substanzerhaltung anfallen; die Kreuzkirchengemeinde, weil ihr Kirchengebäude auch weiterhin als Kirche genutzt worden wäre; und die griechisch-orthodoxe Gemeinde, die außer Kirchheim auch Göppingen, Nürtingen und die Filder umfasst.

Gerade für die orthodoxen Gläubigen wäre es wichtig gewesen, endlich ein eigenes Gotteshaus zu haben, zu dem außerdem noch ein Gemeindezentrum gehört. Wenn sie ihre Gottesdienste in der Kapelle des Alten Friedhofs feiern, geht es mitunter sehr beengt zu, angesichts von 400 bis 500 Gemeindemitgliedern.

Der Unterschied bei den Verhandlungen zwischen evangelischer und orthodoxer Gemeinde bestand jetzt nur noch in der Zustimmung von „oben“. Für die evangelische Seite lag sie – wie bereits erwähnt – vor, durch den Oberkirchenrat. Für die andere Seite wiederum bedarf es der Zustimmung durch die Griechisch-orthodoxe Metropolie von Deutschland. Und genau daran sind die Gespräche vorläufig gescheitert.

Im Auftrag der Metropolie hatte ein Bonner Rechtsanwalt die Abgabemodalitäten noch einmal auf ganz neue Grundlagen stellen wollen. Im Gespräch war jetzt plötzlich, dass die griechisch-orthodoxe Gemeinde das Grundstück kauft, allerdings abzüglich der Kosten für einen Abriss des Gebäudes. Begründung: Wenn ein Bauträger das 1 718 Quadratmeter große Grundstück aufgekauft hätte, um auf dem Gelände Wohnungen zu erstellen, hätte er ja auch die Abrisskosten vom Kaufpreis abgezogen.

Für Renate Kath war dieses neue Angebot eindeutig abzulehnen: „Es wäre weniger als eine halbe Million Euro und damit deutlich unter dem Grundstückswert gewesen.“ Auch auf den guten Zustand des Kirchengebäudes legt sie in diesem Zusammenhang großen Wert: „Es ist ja nicht so, dass uns die Kirche über dem Kopf zusammenfallen würde. Wir geben da kein marodes Gebäude ab, das wir für einen symbolischen Euro verkaufen würden, weil es der neue Nutzer dann für zwei Millionen Euro sanieren müsste.“ Vielleicht sei der Rechtsanwalt auch von falschen Voraussetzungen ausgegangen, als er versucht habe, den Preis zu drücken. „Wir müssen nicht verkaufen“, stellt die Dekanin mit Nachdruck fest. „Uns steht das Wasser nicht bis zum Hals. Wir haben Zeit genug, um langfristig nach einer Lösung zu suchen.“ Gerade deshalb habe die Gesamtkirchengemeinde ja so frühzeitig begonnen, ihr Immobilienkonzept zu entwickeln.

Eberhard Schweizer, Erster Vorsitzende des Gesamtkirchengemeinderats, betont, wie wichtig es der Gemeinde gewesen sei, das Gebäude als Kirche zu erhalten. Deshalb hätte die Lösung mit der griechisch-orthodoxen Gemeinde so gut gepasst. „Wir hatten von einem Immobilienmakler ein weitaus höheres Angebot und haben es abgelehnt“, sagt er. Das ist auch ganz im Sinne der Dekanin, die hinzufügt: „Unser Ziel ist nicht, möglichst viel Geld damit zu verdienen.“ Aber gänzlich unter Wert wolle man die Kirche auch nicht abgeben.

Wie es weitergeht mit dem Gebäude, wird sich zeigen. Von den zehn Jahren Zeit, die sich die Gesamtkirchengemeinde für den Verkauf gegeben hat, ist noch nicht einmal die Hälfte vorbei. Es habe also keine Eile, sagt die Dekanin. Außerdem gebe es „mindestens sieben verschiedene Ideen“. Aus einer davon wird schon was werden. Auch die Griechen sind nicht endgültig aus dem Rennen.

Info

Der Abschied von der Kreuzkirche bleibt auf den 25. Oktober terminiert. An jenem Sonntag gibt es dort zum letzten Mal einen Gottesdienst. Danach wird der Schlüssel umgedreht. Lediglich das Gemeindezentrum wird noch gelegentlich genutzt oder vermietet. Es ist auch denkbar, die Kirche zu vermieten, beispielsweise für Konzerte. Aber regelmäßige Gottesdienste sollen nicht mehr stattfinden. Zum 1. Januar 2016 erfolgt ohnehin die Fusion der Innenstadtgemeinden – mit neuen Auf- und Einteilungen von Gottesdiensten sowie von Gottesdienstarten, -zeiten und -orten.

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