Kirchheimer Umland

Zusammenarbeit liegt vorerst auf Eis

Forstreform Die Gemeinde Dettingen trat an die Stadt Kirchheim mit dem Vorschlag heran, künftig gemeinsam den Talwald zu bewirtschaften. Die lehnt das aus Gründen der Umstrukturierung zunächst ab. Von Iris Häfner

Benjamin Fischer ist ab dem kommenden Januar nicht nur für den Dettinger Forst verantwortlich, sondern auch für den Talwald auf
Benjamin Fischer ist ab dem kommenden Januar nicht nur für den Dettinger Forst verantwortlich, sondern auch für den Talwald auf Kirchheimer Markung. Foto: Jean-Luc Jacques

Ein Förster, ein Wald - aber zwei Kommunen. Diese neue Tatsache hat die Forstreform im Talwald geschaffen, wo Fuchs und Has‘ noch nie die Markungsgrenze in irgendeiner Form gejuckt hat - die Menschen aber schon. Bislang wurde das zusammenhängende Waldgebiet von zwei Förstern betreut, Kirchheim und Dettingen waren eigenständige Reviere. Benjamin Fischer, bislang schon für Dettingen mit seinen 262 Hektar Gemeindewald zuständig, ist ab Januar auch für den Kirchheimer Forst verantwortlich.

Als diese Pläne bekannt geworden waren, ging Dettingens Bürgermeister Rainer Haußmann auf die Stadt Kirchheim zu und brachte eine Zusammenarbeit ins Spiel. Über das Winterhalbjahr arbeitet schon ein Mitarbeiter der Gemeinde im Wald. Aus Sicherheitsgründen müssen es aber mindestens zwei sein. Diese weitere Kraft kam bislang von der Forstverwaltung, was künftig nicht mehr möglich ist. Wegen der Umstrukturierung stellt Dettingen einen zweiten Arbeiter ein und schlug der Stadt vor, gemeinsame Sache im gemeinsamen Forstrevier zu machen. „Ein Team ist wirtschaftlicher“, so der Schultes.

Die Nachbarstadt lehnt das aber vorläufig zum Bedauern von Rainer Haußmann ab. „Wir stellen unsere Leute ein und bezahlen die Dienstleistung, die seitens der Waldarbeiter der Stadt geleistet werden, wie das bislang bei der Forstbehörde der Fall war“, sagt Rainer Haußmann und versteht nicht, weshalb Kirchheim die Synergien nicht nutzen will. „Damit ist eine große Chance verpasst, die wirtschaftlich und aus Gründen der Arbeitssicherheit Sinn macht - aber wir sind nach wie vor offen und gesprächsbereit, um doch noch eine gemeinsame Lösung hinzubekommen“, so der Schultes.

„Wir haben nicht grundsätzlich nein gesagt“, erklärt Kirchheims Pressesprecher Dennis Koep. Für die Stadtverwaltung ist es ein ungeschickter Zeitpunkt, denn sie ist mit Umstrukturierung beschäftigt. „Im Moment sind die Waldarbeiter bei den Liegenschaften angesiedelt. Beim Baubetriebshof wollen wir einen Fachbereich Forst und Baum einrichten, damit wir schnell handeln können, wenn Gefahr in Verzug ist - etwa wenn nach einem Sturm ein Baum auf die Straße zu stürzen droht“, so der Stadtsprecher. Doch der Fachbereich muss erst aufgebaut werden. „Dieser Schritt hat für uns Priorität“, sagt Dennis Koep. Zudem stehen personelle Veränderungen an, weil ein Mitarbeiter in Rente geht. „Neues Personal ist schwer zu finden. Deshalb wollen wir erst dann Verpflichtungen eingehen, wenn alles in trockenen Tüchern ist“, erklärt er.

Für Dettingen geht damit die Welt nicht unter. „Die Zusammenarbeit mit dem Staatlichen Forstamt im Landkreis war in der Vergangenheit erfolgreich, deshalb haben wir uns entscheiden, weiterhin gemeinsame Sache zu machen“, sagt Rainer Haußmann. Weil künftig wegen der Reform die staatlichen Zuschüsse wegfallen, wird die Bewirtschaftung des Walds für die Kommunen teurer. Etwa 4000 Euro Mehrkosten bedeutet es für Dettingen, bisher beliefen sie sich auf 10 000 Euro. Auch für den Holzverkauf muss die Gemeinden tiefer in die Tasche greifen. Verlangte die Forstverwaltung 98 Cent je Festmeter für die vorbereitenden Arbeiten, werden es künftig vier Euro sein. „Das bedeuten nochmal 6000 Euro“, verdeutlicht Kämmerer Jörg Neubauer. Pro Jahr verkauft Dettingen etwa 1500 Festmeter Stammholz.

„Die Reform, die auf die Kartellrechtsklage der Sägeindustrie zurückzuführen ist, macht es für die Kommunen teurer und komplizierter. Das ist rein betriebswirtschaftlich gedacht - doch das wird dem Wald nicht gerecht, er ist mehr als ein Wirtschaftsgut“, bedauert Rainer Haußmann die Entwicklung. Für die Bevölkerung ist er Lebens- und Erholungsraum. „Die Menschen nehmen den Wald zu Recht emotional wahr“, sagt der Schultes. Dazu kommen noch die Herausforderungen durch den Klimawandel, weshalb künftig viel mehr in den Wald investiert werden muss als bislang. „Wie sich das langfristig auf die Marktpreise auswirkt, wissen wir nicht“, sagt der Kämmerer. Dettingen ist mit über 30 Baumarten und einem hohen Mischgrad bereits jetzt gut aufgestellt. „Wir müssen gar nicht viel umstellen“, erläutert Rainer Haußmann.

Anzeige