Lenninger Tal

100 Jahre und kein bisschen leise

Jubiläum Der Posaunenchor Owen besteht seit einem Jahrhundert. Bei der Auftaktveranstaltung ging es mit einem Zeitzeugen auf eine abwechslungsreiche und interessante Reise durch die Epochen. Von Iris Häfner

Fritz Nuffer (links) und Hermann Röhm unterhalten sich mit Moderatorin Katharina Baumann. Zu sehen ist auch das alte Tenorhorn.F
Fritz Nuffer (links) und Hermann Röhm unterhalten sich mit Moderatorin Katharina Baumann. Zu sehen ist auch das alte Tenorhorn.Fotos: Markus Brändli

Wenn das kein Grund zum Feiern ist: Seit 100 Jahren besteht in Owen der Posaunenchor. Grund genug für die Musiker unter dem Dach des CVJM, diese lange Zeit Revue passieren zu lassen - erst recht, wenn man mit dem einstigen und langjährigen Leiter von 1946 bis 1994, Fritz Nuffer, einen profunden Zeitzeugen an der Hand hat. „Ich bin zehn Jahre zu jung“, spielte der 90-Jährige auf sein Alter an. Er hat einen besonderen „Zeitzeugen“ mitgebracht, der tatsächlich bei der Gründung des Owener Posaunenchors dabei war: ein Tenorhorn. Indirekt ließ er das Instrument gar zu Wort kommen, und so erfuhren die Zuhörer, dass es einst in Ulm gebaut worden war und seinen Dienst im Ersten Weltkrieg versah, wo es die Soldaten nicht nur in Lazaretten unterhielt, sondern auch auf Beerdigungen von Gefallenen erklang.

Als der Krieg zu Ende war und der Kaiser abgedankt hatte, beschlossen in Owen ein Dutzend junge Männer, einen Posaunenchor zu gründen. Sie sammelten und liehen sich Geld, um sich Instrumente anschaffen zu können, eines davon eben jenes aus Ulm, das später Fritz Nuffer spielen sollte. Gesang, Tanz und Geselligkeit war den Gründungsmitglieder wichtig. „Die Wandervogelbewegung hatte auch einen gewissen Einfluss“, sagte Fritz Nuffer. Es folgten Inflation und hohe Arbeitslosigkeit. „Es waren unruhige Zeiten. Kommunisten, Sozialisten und Nationalsozialisten kämpften miteinander“, so der Senior. Als die NSDAP das Sagen hatte, durfte der Posaunenchor nicht mehr musizierend durch den Ort marschieren. „Es gab immer mehr Einschränkungen und Druck. Mit dem Jünglingsverein, dem CVJM, haben sie sich draußen vor dem Eichholz getroffen, wo heute das Ferienheim steht. 1932 bauten sie das Holzhaus; es war ihr Refugium und ihre Zuflucht“, erzählte Fritz Nuffer. Weil die Bläser zur Wehrmacht eingezogen wurden, verstummten die Instrumente.

In der schweren Zeit nach dem Krieg hat kaum jemand an den Posaunenchor gedacht. „Doch ein Funke hat sich erhalten. Wilhelm Klein war Bläser im Vorkriegschor, und im Sommer suchte er sämtliche Instrumente zusammen und ließ sie beim Kupferschmied flicken“, so Fritz Nuffer. Der Neubeginn war gemacht und sollte zu einer Erfolgsgeschichte werden, denn mit seinen aktuell rund 70 Musikern ist der Owener Posaunenchor einer der größten in Württemberg.

Mit und ohne Instrumente aktiv

Rainer Däschler ist seit rund 25 Jahren Leiter des Posaunenchors. Moderatorin Katharina Baumann fragte ihn nach seinen Highlights. „Die Sommerserenade zusammen mit dem Musikverein 2013 mit über 100 Bläsern, das war ein toller Abend auf dem Rathausplatz“, musste er nicht lange überlegen. Gegen eine Neuauflage hätte er nichts einzuwenden. Er gab einen Überblick über die vielfältigen Aktivitäten. Dazu zählen beispielsweise Ausflüge, Probenwochenenden, Kurrendespielen an Heiligabend, Kanutouren, Skifreizeiten oder 1.-Mai-Wanderungen. Auch über seine Herausforderungen sprach Rainer Däschler: gute Stücke zu finden, die fordern, aber nicht überfordern - und Noten so zu bearbeiten, dass sie für „seinen“ Chor spielbar sind.

Selbstredend durfte ein Grußwort von Bürgermeisterin Verena Grötzinger nicht fehlen. „Das ist der Auftakt zu einem spektakulären Festjahr“, sagte sie im Blick auf das Jubiläum. Sie fühlt sich dem Posaunenchor persönlich verbunden, nicht zuletzt deshalb, weil er ihre zweite Amtseinsetzung umrahmt hat. Sie lobte die musikalische Leistung der Extraklasse, die nicht von ungefähr kommt. „Dieses Kulturerbe ist den Mitgliedern eine Herzensangelegenheit - über Generationen und Kriegsjahre hinaus dieser schnelllebigen Zeit zum Trotz“, so die Stadtchefin. Der Posaunenchor wirke weit über die Ortsgrenze hinaus und mache den Ort um ein Vielfaches reicher.

Kurz und prägnant fiel die Gratulation von Jens Häußler, Vorsitzender des Owener CVJM, aus. „Der Posaunenchor hat sich zur größten, dienstältesten und aktivsten Gruppe entwickelt“, erklärte er.

Mit Musik, die zu den einzelnen Epochen passte, umrahmten die „Holzmadian Harmonists“ den Abend a cappella, einmal wurden sie von Ernst Leuze am Klavier begleitet. Außerdem versteht es sich von selbst, dass ein kleines, aber feines Ensemble des Posaunenchors die Gäste mit ausgesuchten Stücken unterhielt.

Passend zu den Epochen unterhielten die „Holzmadian Harmonists“ mit entsprechenden Stücken a cappella die Gäste im Herzog-Konrad
Passend zu den Epochen unterhielten die „Holzmadian Harmonists“ mit entsprechenden Stücken a cappella die Gäste im Herzog-Konrad-Saal. Den „Instrumental-Teil“ übernahm ein Ensemble des Owener Posaunenchors, rechts ist Chorleiter Rainer Däschler zu sehen.
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