Lenninger Tal

20 Gulden für eine gebrauchte Fahne

Jubiläum Der Sängerbund Brucken feiert kommende Woche sein 150-jähriges Bestehen. Das Vereinsleben des Chors war von vielen Höhen und Tiefen geprägt. Von Clemens Löw

Genau 150 Jahre sind vergangen seit der Sängerbund Brucken im Jahre 1868 durch den damaligen Schullehrer Mack gegründet wurde. In dieser Zeit war es üblich, als Verein eine eigene Fahne zu besitzen. Da es die finanzielle Lage aber nicht erlaubte, sich eine neue Flagge anzuschaffen, mussten sich die Bruckener spontan etwas anderes einfallen lassen: Sie kauften sich deshalb für 20 Gulden eine gebrauchte Fahne vom Sängerbund Rottenburg. Doch allein damit war es nicht getan. Um weitere Kosten einzusparen, änderten die Mitglieder den Namen des Vereins lediglich auf Brucken ab - dann konnte der Sängerbund endlich loslegen.

Die Singstunden wurden zweimal wöchentlich im Hause des Sängerkameraden Johannes Vollmer abgehalten. Als Chor-Gründer Mack nach sechs Jahren in die Gemeinde Beuren zog, wurden die Dirigenten von 1874 bis 1861 aus Owen geholt. Ganze 38 Jahre lang, von 1881 bis 1919, übernahm dann Christian Offterdinger das Amt des Vorstands und Dirigenten. Die Sängertreffen nahmen in diesen Jahren enorm zu, weshalb im Jahr 1891 im Gasthaus „Post“ in Owen der Teckgau-Sängerbund mit zehn Vereinen gegründet wurde.

Aber die beiden Weltkriege gingen am Sängerbund Brucken nicht spurlos vorüber. Nach dem Ersten Weltkrieg nahmen 14 Mitglieder die Vereinsarbeit wieder auf. Der Zweite Weltkrieg brachte hingegen weitreichende Änderungen mit sich: Der Verein musste sich dem Staat unterordnen und die Satzung ändern. Als dann auch noch 18 Sänger eingezogen wurden, ließ der Chor den Singstundenbetrieb ab 1939 ruhen. Erst im Dezember 1947 begann der Bund wieder mit Proben. Zehn Jahre später wurden im Sängerbund Brucken die Weichen für die Zukunft gestellt und der gemischte Chor ins Leben gerufen - denn bis dahin war das Singen ausschließlich den Männern vorbehalten.

Wiederkehrende Probleme

Groß zelebriert wurde das 100-jährige Bestehen des Vereins, da wegen der beiden Kriege sowohl das 25-jährige als auch das 50-jährige Jubiläum ausfiel. In den Protokollbüchern des Vereins ist auffallend, dass sich die Probleme während all den Jahrzehnten stets um dieselben Themen handelte: Es war immer wieder schwierig, einen Dirigenten oder Mitglieder für verschiedene Ämter im Verein zu finden. Hinzu kam, dass es immer schwieriger wurde, Menschen für das Singen zu begeistern.

Um diesem Zustand etwas entgegenzuwirken, ging der Sängerbund Brucken im November 2013 die Kooperation mit dem Liederkranz Owen ein. Auch hierzu finden sich einige Einträge in den Büchern, die belegen, dass seit jeher eine enge Zusammenarbeit mit dem Nachbarchor bestand. Am Sonntag, 11. November, wird das 150-jährige Bestehen mit einem Konzert in den Vereinsräumen gefeiert. Beginn ist um 14.30 Uhr.

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