Lenninger Tal

75 Mitarbeiter verlieren ihren Job

Wirtschaft Die Oberlenninger Scheufelen GmbH findet keinen Investor.

Steht endgültig vor dem Aus: Die Papierfabrik Scheufelen.
Steht endgültig vor dem Aus: Die Papierfabrik Scheufelen.

Lenningen. Alle Bemühungen haben nicht gefruchtet: Die Scheufelen GmbH in Oberlenningen hat Insolvenz angemeldet. 75 der insgesamt 95 Mitarbeiter verlieren damit ihre Beschäftigung. In einer Betriebsversammlung Anfang der Woche wurde ihnen mitgeteilt, dass sie freigestellt werden. Statt Insolvenzgeld bekommen sie von Mai an Arbeitslosengeld. Es sei nicht vergnügungssteuerpflichtig, Mitarbeitern, die teils 40 Jahre in der Firma beschäftigt waren, zu sagen, dass es nicht weiter geht. „Die Freistellung ist keine Kündigung“, betont der Beiratsvorsitzende Dr. Ulrich Scheufelen.

Lediglich ein halbes Jahr nach dem Neustart des Lenninger Traditionsunternehmens hatte die Geschäftsleitung im Februar beim Amtsgericht Esslingen einen Insolvenzantrag gestellt. Seitdem standen sämtliche Maschinen still. Gemäß Ulrich Scheufelen gab es zwar mehrere Interessenten. Die Verhandlungen hätten aber nicht zu einem Ergebnis geführt. Auch jetzt gebe es noch Anfragen für Beteiligungen, wirklich Greifbares sei aber nicht dabei. Ulrich Scheufelen klingt inzwischen alles andere als optimistisch. „Die Perspektive ist nicht gut.“

Unter den Mitarbeitern, die vorerst weiterbeschäftigt werden, sind auch fünf Auszubildende. Benötigt werden die 20 Köpfe unter anderem an der Pforte, im Vertrieb für den Verkauf noch vorhandener Produkte, sie sichern die Kläranlage oder kümmern sich um den Brandschutz. Erst Ende März musste die Lenninger Feuerwehr ausrücken, weil sich nach einem Kurzschluss in einem Schalterraum ein Schwelbrand entwickelt hatte. „Es gab zum Glück keinen Personenschaden und der Sachschaden hielt sich auch in Grenzen“, so Ulrich Scheufelen dazu.

„Ich habe in der Betriebsversammlung viele enttäuschte Gesichter gesehen“, sagt der Betriebsratsvorsitzende Sandro Vitiritti. Nach wie vor setzen er und andere Mitglieder der Betriebsrats auf eine „kleine Lösung“. Noch vor wenigen Wochen war die Option, mit 30 bis 40 Leuten die Graspapierentwicklung in Oberlenningen mit einem neuen Investor weiter voranzutreiben, im Raum gestanden. „Darauf hoffe ich immer noch. Graspapier ist ein super Produkt“, ist Sandro Vitiritti überzeugt.

Sollten die Lichter in der Oberlenninger Papierfabrik, die auf eine über 160-jährige Geschichte zurückblicken kann, tatsächlich aus bleiben, müssen sich fast 100 Leute einen neuen Job suchen. Darunter sind viele Maschinenführer, aber auch Papiertechnologen und Arbeitskräfte, die ursprünglich einen ganz anderen Beruf ausgeübt hatten. „Ich hoffe, dass alle wieder eine Arbeit finden“, so der Betriebsratsvorsitzende Sandro Vitiritti. Anke Kirsammer

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