Lenninger Tal

Adventskonzert mal ganz anders

Veranstaltung Die Lenninger Realschul-Chorleiterin Annegret Führinger wagt ein Experiment: Theater und Weihnachtslieder. Das Schulzentrum und die Musikschule gestalten eine bemerkenswerte Aufführung. Von Günter Kahlert

Viele Beteiligte sorgen für eine gelungene Aufführung. Foto: Günter Kahlert
Viele Beteiligte sorgen für eine gelungene Aufführung. Foto: Günter Kahlert

Der Tag des Adventskonzertes in Lenningen, das ist immer so etwas wie Ausnahmezustand im Schulzentrum. Morgens bis in die Mittagstunden findet in der katholischen Kirche St. Maria die Generalprobe zur „Swingenden Weihnacht“ statt, und da sind schon viele der Beteiligten unterwegs: der Chor und die Theatergruppe der Realschule, außerdem die Band der Werkrealschule. Mittendrin Annegret Führinger. Die Musikpädagogin an der Realschule hält für diese Aufführung die Fäden in der Hand. Sie hat geplant und koordiniert, sie dämpft auch mit ihrer ruhigen Art das Lampenfieber mancher ihrer Chorkinder.

Und das sind eine ganze Menge. 60 Jungen und Mädchen stehen geduldig mehr als eine Stunde im Altarraum der Kirche und proben ihre Einsätze und Lieder. Dazu die Band von Werkrealschullehrer Joachim Maier im Seitenschiff der Kirche und die Theatergruppe von Christine van Dornick. Die Konrektorin der Realschule ist die einzige, die während der Proben noch etwas skeptisch wirkt. Am Abend werden noch Vera Reinold und das Orchester der Musikschule in voller Besetzung dabei sein, die Werkrealschul-Bläsergruppe von Andrej Podvinski und der Lehrerchor des Schulzentrums.

Allein die Aufzählung der Beteiligten verwirrt schon fast, es ist ein echtes Puzzlespiel, das Annegret Führinger für die „Swingende Weihnacht“ zusammensetzen muss. Ist sie trotz ihrer gelassenen Art ein bisschen nervös? Sie lächelt: „Eigentlich nicht, aber die letzten Stunden am Nachmittag habe ich dann schon Lampenfieber.“

Um 18 Uhr ist die Kirche gut gefüllt, auch Bürgermeister Michael Schlecht ist da. Er und seine Frau Anette sind inzwischen Stammgäste bei den Adventskonzerten. Insgesamt werden in der nächsten Stunde gut 100 Beteiligte an der Aufführung mitwirken.

Zum ersten Mal kombiniert Annegret Führinger für das „Adventskonzert“ weihnachtliche Musik und Theater, ein Experiment. Die Idee zu „Swingende Weihnacht“ stammt von Wieland Kleinbub, Lehrerkollege vom Staufer-Gymnasium in Waiblingen. Die Geschichte in Kürze: ein Obdachloser mit seinen Habseligkeiten auf einem Bahnhof, er hat eine CD mit Weihnachtsliedern aus dem Müll gefischt und spricht unterschiedliche Menschen an, ob sie mit ihm Weihnachtslieder von der CD anhören würden. Die Reaktionen sind so unterschiedlich, wie Menschen sind. Der Obdachlose erlebt alles zwischen Ablehnung und Zuwendung.

Die Brücke zum Einsatz von Chor, Orchester, Band und Bläsergruppe sind genau die Lieder, die er sich auf der CD anhört. Es sind Weihnachtsklassiker, darunter „Vom Himmel hoch“, „Fröhliche Weihnacht überall“, „Kommet ihr Hirten“ oder „Maria durch ein Dornwald ging“. Und je nachdem, wer sie spielt oder singt, klingen sie anders, vor allem anders als gewohnt. Annegret Führingers Chor mit ihrem Kollegen Matthias Bender am Klavier hat den swingenden Part, Joachim Maier und seine Band sind mit der klassischen Besetzung Gitarre, Keyboards, Bass, Schlagzeug, Gesang die poppige Abteilung. Die teilweise schrägen Akzente liefern die Bläser von Andrej Podvinski, und Vera Reinolds Musikschulorchester bietet das krasse Gegenteil, wundervoll fein ziselierte Arrangements im klassischen Sinne. Logisch, dass auch die Gemeinde beteiligt wird: „Stille Nacht“ und „Es ist ein Ros entsprungen“ wird von der gesamten Kirche gesungen.

Nach einer guten Stunde das große Finale: „Oh Du Fröhliche“ - gleich in mehreren Varianten. Band, Gemeinde und Schulchor. Wie die Chorleiterin mit ihren Mädchen und Jungen aus einem inniglichen deutschen Weihnachtsliedern eine swingende Version inklusive Fingerschnippen und Dubiduwa macht. Das ist schon große Klasse. Ergebnis: Begeisterte Zugabe-Rufe und rhythmisches Mitklatschen am Schluss. Zufriedene Gesichter aller Beteiligten danach - und auch Theaterchefin Christine van Dornick ist nach der „Swingenden Weihnacht“ wieder deutlich entspannter als am Morgen.

Anzeige