Lenninger Tal

„Albhörner“ schallen durchs Tal

Gottlieb Dangel baut Instrumente aus Kupfer – Fünfköpfige Truppe probt regelmäßig

Die Alphorngruppe um Gottlieb Dangel (rechts) musiziert auf privaten und öffentlichen Festen. 80 bis 100 Arbeitsstunden stecken
Die Alphorngruppe um Gottlieb Dangel (rechts) musiziert auf privaten und öffentlichen Festen. 80 bis 100 Arbeitsstunden stecken in einem Instrument. Fotos: Dieter Ruoff

Lenningen. Gottlieb Dangels Herz schlägt für Alphörner und Kupfer. Der Kupferschmied wäre nicht er selbst, wenn er beides nicht verschmelzen würde. Im Allgäu, wo der

78-Jährige gerne Urlaub macht, hat er den warmen Klang des Alphorns lieben gelernt. Inzwischen entstand unter den Händen des Oberlenningers ein Prototyp aus Zink und vier kupferne Instrumente. Auch wenn es auf der Schwäbischen Alb keine Almen gibt: Von exponierten Lagen wie dem Kammfelsen bei Hochwang aus klingt der weiche Ton der metallenen „Albhörner“ im Lenninger Tal mindestens genauso schön.

Die Herstellung der konisch zulaufenden Instrumente ist diffizil: „Es darf ja auf der Seite keine Luft rauskommen“, sagt Gottlieb Dangel. Die Länge und Stimmung der Alphörner mussten festgelegt und Formen in Auftrag gegeben werden. Um das Blech biegen zu können, greift der Handwerker zu einem Brenner und schreckt das weichgeglühte Kupfer anschließend unter fließendem Wasser ab. Jetzt lässt sich das widerspenstige Blech mit unzähligen Hammerschlägen formen.

Karl-Heinz Kosmalla aus Hochwang hat in einem auf Bundesebene mit Silber prämierten Kurzfilm festgehalten, welche Arbeitsschritte Gottlieb Dangel erledigt, bis sich einem seiner Alphörner Töne entlocken lassen. Besonders knifflig ist das Ineinanderschieben der zuvor eingeschnittenen und gebogenen Laschen – die Vorbereitung der späteren Naht des Trichters. Doch mit fremder Hilfe und dem Umwickeln von Draht halten die Flächen zusammen. Dem Heften mit Silberlot steht nichts mehr im Weg. Nun noch die Naht versäubert, die Kante umbörtelt, die Messingringe fürs Zusammenstecken der vier Teile angefertigt und das Kupfer mit Zinn ausgekleidet, damit es keinen Grünspan ansetzt – fertig ist das Instrument, nach immerhin 80 bis 100 Arbeitsstunden.

Seinem Hobby kann der Seniorchef der Firma Dangel-Metall in der betriebseigenen Werkstatt frönen. Längst hat der Sohn die Geschäftsleitung übernommen. Ihm ist Gottlieb Dangel deshalb dankbar, dass er beim Bau der Alphörner freie Hand hat. „Ohne ihn wäre das alles nicht möglich“, betont der Unruheständler.

Im Museum des Kupferschmieds unter dem Dach der Firma versammeln sich Gugelhupfformen, Teller, Schüsseln, Bettflaschen, Gießkannen und Krüge. Die neuen, teils noch rötlich glänzenden Alphörner freilich sind nicht darunter. Denn Gottlieb Dangel hat die in vier Teile zerlegbaren Instrumente zum Musizieren gebaut. Seit Herbst schallen jeden Montag die fürs Lenninger Tal noch ungewöhnlichen Töne durch die Lagerhalle und über den Hof. Einzelne Auftritte beispielsweise bei runden Geburtstagen oder wie kürzlich beim Ehrenamtstag von „Unser Netz“ auf dem Unterlenninger Sulzburghof haben die „Albhornbläser“ bereits hinter sich.

Mit großem Hallo begrüßen sich Siegfried Künschner, Wolfgang Keim, Gottlieb Dangel, Josef Führinger und Sigrid Kirchner zum gemeinsamen Proben. Bei dem Projekt mitzumachen, war für die Oberlenninger keine Frage: „Es ist eine Herausforderung, mal wieder was Neues und man muss üben“, sagt Gottlieb Dangels Nachbarin Sigrid Kirchner, die früher als Hornistin in der Werkskapelle von Scheufelen gespielt hat. Auch die vier Mitstreiter haben alle Erfahrung im Umgang mit Blechblasinstrumenten.

Sieben Lieder umfasst bislang das Repertoire der Truppe. Dazu zählen „Kein schöner Land“, der „Brunnenruf“ und der „Felsruf“. Manche Stücke sind zwei- oder dreistimmig. Der musikalische Allrounder Josef Führinger, langjähriger Leiter der Lenninger Musikschule und ehemals Musiklehrer an der örtlichen Werkrealschule, hat die Lieder für die auf F gestimmten Instrumente umgeschrieben oder teils selbst komponiert. Er leitet das Quintett an, achtet darauf, dass seine Mitspieler den richtigen Ton anblasen.

Mit seinem Alphorn aus Zink, das durch die schwarz-rot-goldene Verzierung an eine riesige Vuvuzela erinnert, sticht Gottlieb Dangel aus den Musikanten heraus. Als Krönung möchte er für sich noch ein Instrument aus Messing bauen. Gewohnt bescheiden kommentiert der Perfektionist das bisherige Ergebnis seiner Arbeit: „Ich bin zufrieden mit allem, aber du lernst dabei.“

„Albhörner“ schallen durchs Tal
„Albhörner“ schallen durchs Tal
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