Lenninger Tal

„Alleine geht nichts mehr“

Vortrag Beim Neujahrsempfang des Handels- und Gewerbeverins Teck in der Bernhardskapelle in Owen stellt Wolf Hirschmann seine Gebrauchsanweisung für die Zukunft vor. Von Thomas Krytzner

Die Redner beim Neujahrsempfang (von links): Norbert Raif, Vizepräsident im Landesverband des BDS, HGV-Vorsitzende Claudia Nothw
Die Redner beim Neujahrsempfang (von links): Norbert Raif, Vizepräsident im Landesverband des BDS, HGV-Vorsitzende Claudia Nothwang, Slogan-Consulting-Geschäftsführer Wolf Hirschmann und Owens Bürgermeisterin Verena Grötzinger.Fotos: Thomas Krytzner

Das hat schon fast historische Bedeutung: Der erste Neujahrsempfang in der Geschichte des Handels- und Gewerbevereins (HGV) Teck fand in der 750 Jahre alten Bernhardskapelle in Owen einen würdigen und passenden Rahmen, zumal der Schutzpatron der Kapelle, der heilige Bernhard von Clairvaux, seinerzeit die Begeisterung für Kreuzzüge lostrat.

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Nicht ganz so kämpferisch, aber dennoch voller Tatendrang wollen die Betriebe in Owen, im Lenninger Tal und in Erkenbrechtsweiler gemeinsam in das neue Jahr starten, wie deren Vorsitzende Claudia Nothwang verkündete. Norbert Raif, Vizepräsident im Landesverband des Bundes der Selbständigen, sprach beim Neujahrsempfang von unruhigen Zeiten. Er forderte: „Wir müssen die meisten Arbeitsplätze und Ausbildungsplätze vor Ort schaffen.“ Die mittelständischen Betriebe sieht Raif als beweglich und innovativ an. Owens Bürgermeisterin Verena Grötzinger lobte den Zusammenschluss der Betriebe und die damit verbundene Öffnung ins Lenninger Tal als wichtigen Schritt.

Zurück in die Zukunft

Insgesamt wünscht sich Verena Grötzinger eine positive Veränderung im menschlichen Umgang und stellte fest: „Wer nicht lamentiert, spart Energie.“ Beschwingt durch die Klänge des Blechbläserquartetts vom Musikverein Owen verfolgten über 100 Mitglieder des HGV Teck im Anschluss, wie Wolf Hirschmann, Geschäftsführer der Slogan Consulting, sein Konzept für die Zukunftsgestaltung vorstellte. Dabei wies er darauf hin, dass ein Unternehmen in der heutigen Zeit nicht nur mit dem Wettbewerb, sondern auch vom Wettbewerb lebt. Denn: „Längst ist nicht mehr nur der Schreiner oder Maler aus der nächsten Nachbarschaft Konkurrenz auf dem Markt.“ Das Ausruhen auf den bisher erreichten Lorbeeren sei vorbei, behauptete Hirschmann.

„Der Blick durch die Brille des Kunden ist die neue Herausforderung des Markts“, stellte er fest und untermalte seine Aussage mit den entstandenen Handwerkerplattformen im Internet. „Diese Onlineangebote generieren pro Monat rund 50 000 neue Aufträge.“ Von Prognosen hält Wolf Hirschmann nicht viel. „Wer hat schon eine Kristallkugel, die alles voraussagt?“ Vielmehr sollen sich die Unternehmer fragen, wo sie in fünf bis sieben Jahren stehen wollen und wie das eigene Geschäft in gleicher Zeit aussehen soll. Hirschmann bestätigte, dass kritische Fragen niemals Spaß machen, aber dennoch wichtig sind. Er stellte seine „Dream Days“ vor: „Jeder Unternehmer sollte einmal pro Jahr für drei Tage den Betrieb von außen betrachten.“ Am ersten Tage sei die Reflexion wichtig - was war gut, was war schlecht. Der zweite Tag gehöre der Gegenwart und der dritte Tag der Zukunftsplanung: Wo will man hin, und wie kommt man da hin?

Er wies auch auf große Fehler in der Unternehmenskultur hin. Heute sei nicht mehr der Ertrag überlebenswichtig für einen Betrieb, sondern der glückliche Kunde. Sein Geheimtipp: „Schicken sie einem Kunden ein Jahr nach dem Kauf einer Küche eine Flasche Wein zum einjährigen Geburtstag der Küche - sie werden sich wundern, worüber die Kunden mit ihren Bekannten sprechen.“

Wenig Lob hatte Wolf Hirschmann für die neue Datenschutz-Grundverordnung (DSVGO). „In Google-City wird diese kaum ernst genommen. Sie ist ein Bürokratiemonster.“ Er verwies damit auf die Kundendaten, die das wertvollste Kapital im Unternehmen seien. „Die Bedürfnisse der Kunden stehen im Mittelpunkt. Leistungsversprechen müssen gehalten werden.“ Hirschmann stellte in seinem Vortag fest: „Alleine geht nichts mehr. Bilden Sie Allianzen, auch wenn es Ihnen widerstrebt.“ Dabei kann es zu Partnerschaften mit Familienmitgliedern oder eben mit anderen Unternehmen kommen. Gemeinsam sei man stärker. Genauso wichtig sei die Belegschaft im Unternehmen. „Die Mitarbeiter anschauen und vor allem mitnehmen sind wichtige Faktoren - Beziehung ist erwünscht.“