Lenninger Tal

Alter Kurs mit neuer Führung

Schaeff-Gruppe übernimmt Papierfabrik Scheufelen – Optimismus dank Luxusverpackungen

Seit Dezember setzt Scheufelen auf Luxusverpackungen statt Papier. Das neue Konzept soll auch unter dem neuen Eigentümer weitergeführt werden.

Die Lenninger Traditionsfabrik Scheufelen hat einen neuen Eigentümer. Foto: Werner Feirer
Die Lenninger Traditionsfabrik Scheufelen hat einen neuen Eigentümer. Foto: Werner Feirer

Lenningen. Am Montag wurde bis in die späten Abendstunden verhandelt. Jetzt steht es fest, die Tinte ist trocken: Der bisherige Eigentümer der Lenninger Papierfabrik nimmt Abstand vom Papiergeschäft und gibt auch seine letzte Bastion in dem Bereich auf. Scheufelen wird an die mittelständische Schaeff Gruppe aus Schwäbisch Hall verkauft. Auch Radial Capital – eine unabhängige, international tätige Beteiligungsgesellschaft mit Sitz in München – und der langjährige Chef Dr. Ulrich Scheufelen haben Anteile. Den Wechsel hat Scheufelen gestern in einem Pressegespräch bekanntgegeben.

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Für die 340 Mitarbeiter hat das erstmal keine Auswirkungen: In Lenningen werden weiterhin Luxusverpackungen und Papier produziert. „Wir waren lange Zeit in Ungewissheit“, sagt der Betriebsratvorsitzende Mehmet Simsek: „Jetzt hoffen wir, dass Scheufelen die nächsten Jahrzehnte bestehen kann.“

2011 hatte der kanadische Zellstoffhersteller Paper Excellence die Lenninger Firma übernommen, weil sie ihren Papierbereich ausbauen wollte. Fünf Jahre später folgt jetzt der Rückzieher. Mit der Fabrik hat der kanadische Konzern nie richtig Gewinn gemacht. Laut Mehmet Simsek habe die kanadische Firma die Papierfabrik Scheufelen eher als Hobby betrieben: Für die richtigen Investitionen fehlte die Nähe.

In Kanada hatte sich Paper Excellence schon vorher aus dem Papier-Geschäft zurückgezogen. In Lenningen macht die Firma nun ihren letzten Schachzug: Papier war mal. In Zukunft will man sich nur noch auf den Zellstoffbereich konzentrieren. „Es sind schwierige Zeiten im Geschäft“, so Ulrich Scheufelen.

Von den Plagen der Digitalisierung kann auch die Oberlenninger Papierfabrik ein Lied singen. Der Wandel macht der Branche schon länger zu schaffen. Aus diesem Grund hatte sich auch Scheufelen Ende letzten Jahres neu ausgerichtet und die Papierprodukte zurückgefahren. Die neue Hoffnung sind Luxusverpackungen: Kartons für Parfümfläschchen, Schmuck oder Uhren. Namhafte Marken wie Hugo Boss, Swarovski oder Porsche zählen heute zu den Kunden des Unternehmens.

Ulrich Scheufelen sieht seinen Schützling seitdem auf einem guten Weg. Der neue Verpackungssektor trage schon jetzt Früchte. Es ist ein stabiles Geschäft – das sogar um drei bis vier Prozent wächst. Im letzten Jahr haben die verbliebenen 340 Mitarbeiter einen Umsatz von 91 Millionen Euro erzielt. Vor dem Verkauf hatten sich mehrere Interessenten für die Papierfabrik gemeldet. Mit der Schaeff-Gruppe fiel die Entscheidung letztlich für ein mittelständisches Unternehmen, das die Papierfabrik nicht nur aus der Ferne betrachten kann. Den Fehler wolle man nicht noch einmal machen. „Wir sind sehr froh, wieder einen deutschen Eigentümer zu haben“, sagt Ulrich Scheufelen.

Das Potenzial sieht auch der zukünftige Eigentümer. Die Schaeff-Gruppe will an dem eingeschlagenen Kurs der Fabrik festhalten. Laut Geschäftsführer Alexander Schaeff passen die jüngsten Entwicklungen in Lenningen zu den strategischen Absichten des Unternehmens. Am Firmenkonzept wird sich also wahrscheinlich auch in Zukunft wenig ändern. Auch zum Standort Lenningen bekennt sich Schaeff deutlich. Scheufelen bleibt der Gemeinde erhalten.

Die Schaeff-Gruppe hat Scheufelen als Ganzes übernommen: Weder an den Verträgen der Mitarbeiter noch an den Bedingungen soll sich laut Scheufelen etwas ändern. Und auch das größte Trauma der Fabrik lebt nicht wieder auf: „Es muss sich hier keiner um seinen Arbeitsplatz sorgen“, betont Ulrich Scheufelen.