Lenninger Tal

Am Zoll ist für Mundschutz Endstation

Corona Der Oberlenninger Unternehmer Werner Gollmer hat über chinesische Geschäftspartner Masken für Ärzte und Pflegeheime geordert. Weil Zertifikate fehlen, werden sie nicht ausgeliefert. Von Anke Kirsammer

Die Chefs von Gollmer Formen, Werner Gollmer (links) und Alexander Dangel, haben aus einer früheren Lieferung noch OP-Masken und
Die Chefs von Gollmer Formen, Werner Gollmer (links) und Alexander Dangel, haben aus einer früheren Lieferung noch OP-Masken und einzelne KN-95-Masken. Die asiatischen Schutzmasken sollen wie europäische FFP-2-Masken vor Coronaviren schützen. Foto: Jean-Luc Jacques

Werner Gollmer versteht die Welt nicht mehr: Der Lenninger Firmenchef setzt seit Wochen alle Hebel in Bewegung, um aus China Schutzmasken für medizinisches Personal, die Polizei und Pflegeheime zu bekommen. Nach zweiwöchigem Kampf um eine Luftfracht ist die erste Lieferung mit 4 000 Masken am Flughafen in Stuttgart eingetroffen. Doch jetzt liegt sie beim Zoll und wird nicht ausgeliefert. „Das Regierungspräsidium Tübingen hat sich eingeschaltet und die Pakete gesperrt“, sagt er aufgebracht. „Nach zig Mails und ich weiß nicht wie vielen Telefonaten muss ich meinem Ärger Luft machen.“

Das Problem an der Lieferung der asiatischen KN-95-Masken ist, dass ihnen keine Zertifikate beigelegt sind, weil sie aus Apotheken in China stammen und nicht direkt vom Hersteller. Doch Werner Gollmer würde für ihre Qualität die Hand ins Feuer legen. „Sie stammen von namhaften Fabriken“, betont er. Weil er wusste, dass die Dokumente fehlen, hatte er im Vorfeld die oberste Zollbehörde in Hamburg kontaktiert. Telefonisch wurde ihm zugesagt, dass aufgrund der Corona-Pandemie gelockerte Einfuhrbedingungen gelten und bei solchen Hilfslieferungen derzeit nicht auf Zertifikate gepocht werde.

Bereits vor einigen Wochen, als die Zahl der an Covid-19 Erkrankten in Deutschland stark zunahm, hatte der Chef von Gollmer Formen bereits 1 000 OP-Masken und 400 hochwertige Schutzmasken verteilt. Den DRK-Kreisverband Nürtingen-Kirchheim, das Pflegeheim und Hausärzte im Lenninger Tal sowie die örtliche Polizei versorgte er mit der Lieferung aus China, die ihm drei langjährige Geschäftspartner unaufgefordert geschickt hatten. „Wir haben nur wenige Masken behalten und alle anderen kostenlos weitergegeben“, sagt Werner Gollmer. Lediglich die Polizei beharrte darauf, für den Mundschutz zu bezahlen. Ein Schriftwechsel mit dem Revier Kirchheim mündete in einer Bestellung von 1 000 Schutzmasken. Das DRK orderte für den Katastrophenschutz und Heime insgesamt 4 000, auch Haus- und Zahnärzte wollen sich über ihn eindecken.

Dass nach wie vor viele ohne Schutzausrüstung arbeiten müssen, die Patienten versorgen oder sonst beruflich engen Kontakt mit Menschen haben, findet der Unternehmer unverantwortlich. Der 70-Jährige geht seit Wochen nur noch mit Mundschutz einkaufen. „Jede Maske auch ohne Zertifikat oder selbst genäht ist besser als keine“, sagt er. Bestätigt sieht er sich durch das aktuelle Gebot, in Bussen und Bahnen beziehungsweise Läden zumindest ein Tuch vor Mund und Nase zu tragen. Er ärgert sich deshalb über die Vorschriften und Bestimmungen. Sie seien offenbar wichtiger als die Gesundheit von Polizisten und Pflegepersonal. „Das alles kostet uns 10 000 Euro. Nach der Erfahrung würde ich mich nicht mehr für so etwas einsetzen“, sagt Werner Gollmer ernüchtert. Was ihn zusätzlich auf die Palme bringt, sind Angebote im Internet mit den gleichen KN-95-Masken: „Dort werden zehn Stück für 69 Euro verkauft.“ Obwohl er eigentlich schon entnervt aufgeben wollte, versucht er nun doch noch, die nötigen Dokumente zu organisieren.

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