Lenninger Tal

An der Küche ändert sich wenig

Silke und Michael Eisele übergeben das Schopflocher Harpprechthaus nach 32 Jahren an Familie Liedtke

Feiern wollte das Pächterpaar seinen Abschied eigentlich nicht. Doch der Deutsche Alpenverein (DAV) machte ihnen mit einem Fest einen Strich durch die Rechnung.

Joachim und Karola Liedtke (links) übernehmen das Harpprechthaus von Familie Eisele (rechts). Fotos: Thomas Krytzner
Joachim und Karola Liedtke (links) übernehmen das Harpprechthaus von Familie Eisele (rechts). Fotos: Thomas Krytzner

Lenningen. Frank Böttiger, Vorsitzender DAV Sektion Schwaben, erinnerte in seiner Laudatio an Theodor Harpprecht. Er wäre diesen August 175 Jahre alt geworden und ist Namensgeber für das Haus in Lenningen, und er gilt als Gründer der Sektion Schwaben des DAV. Zu seinem Bedauern wollte das Pächterpaar Silke und Michael Eisele ihren Abschied aus dem traditionsreichen Haus eigentlich gar nicht feiern. Deswegen hat Böttiger einen fünfstufigen Plan entworfen, um die beiden für die Abschiedsfeier zu begeistern. „Wir wurden aus einer Wohlfühlzone herausgerissen, als die Kündigung des Pachtverhältnisses eintraf“, bedauerte der Sektionschef. Die darauffolgende Suche nach einem Nachfolgepächter erwies sich, gemäß Böttiger, als schwierig.

Aus den eingegangenen Bewerbungen wählte der Vorstand Karola, Joachim und Christopher Liedtke aus. Die neue Pächterfamilie stammt aus dem Pforzheimer Raum und freut sich schon auf die Übernahme. „Das Personal übernehmen wir komplett und bringen sogar noch eigene Mitarbeiter mit“, verrät Karola Liedtke. Große Veränderung im Angebot des Harpprechthauses wird es nicht geben: „Die Eiseles haben eine wunderbare Basis geschaffen“, sagt Karola Liedtke. Die Gäste können sich ab Oktober auf die Einführung einer jungen, neuen baden-württembergischen Küche freuen. „Zudem führen wir mit der Zeit Themen ein, um etwas Pfiff in die Menükarte zu bringen“, sagt sie. Ihr Wunsch ist es, dass sich die Gäste im Haus wie zu Hause fühlen. „Dabei nehmen wir vor allem die regionalen Produkte von den vielen Streuobstwiesen und Landwirten auf die Einkaufsliste.“

Der Landtagsabgeordnete Andreas Schwarz erinnerte sich in seiner Ansprache an seine Kindheit: „Hier im idyllisch gelegenen Harpprecht­haus auf der Lenninger Alb, bin ich schon als Kind mit meinen Eltern eingekehrt. Heute komme ich mit meiner Familie her.“ Schwarz bedauert, dass die Ära Eisele zu Ende geht und erwähnte die Bekanntheit des Hauses in Deutschland. „Im Internet gibt’s es viele Hundert Bewertungen deutschlandweit.“ Der Lenninger Bürgermeister Michael Schlecht verwies auf die längst Geschichte gewordenen Winter. Da lernte er die Beharrlichkeit von Michael Eisele kennen, insbesondere, wenn es um den Winterdienst ging. Bezirksschornsteinfeger Richard Schrempp überreichte den beiden zum Abschluss ein Centchen Glück.

Joachim und Karola Liedtke (links) übernehmen das Harpprechthaus von Familie Eisele (rechts). Fotos: Thomas Krytzner
Joachim und Karola Liedtke (links) übernehmen das Harpprechthaus von Familie Eisele (rechts). Fotos: Thomas Krytzner
Das Harpprechthaus ist eine Anlaufstelle für viele hungrige und durstige Wanderer. Foto: Jean-Luc Jacques
Das Harpprechthaus ist eine Anlaufstelle für viele hungrige und durstige Wanderer. Foto: Jean-Luc Jacques

„Die Stammgäste werden uns fehlen“NACHGEFRAGT

Erfüllt Sie der Gedanke, dass die Zeit im Harpprechthaus dem Ende zugeht, mit Wehmut?

MICHAEL EISELE: Ja, Silke und ich sind traurig, dass die Ära bald vorbei ist. Aber: Wir hören müssen wegen der Gesundheit aufhören.

SILKE EISELE: Die 16-Stunden-Tage vertragen wir einfach nicht mehr. Die Arbeit wurde immer mehr und zusätzliches Personal für die Küche und den Service fanden wir kaum.

Was werden Sie danach als Erstes machen?

MICHAEL EISELE: Gesund werden, mich mal um mich kümmern. Seit 45 Jahren hatte ich kaum ein freies Wochenende. Ich freue mich darauf, mal ein Fest besuchen zu können und mich bewirten zu lassen.

Haben Sie Bammel vor dem letzten Tag in dem Haus, das Sie 32 Jahre gepachtet hatten?

SILKE EISELE: Wir wollen uns das noch gar nicht so vorstellen, wissen aber, dass das letzte Zuschließen emotional schwierig wird.

Haben Sie schon Zukunftspläne?

MICHAEL EISELE: Die Volkshochschule hat schon angefragt, ob ich Kurse geben will. In erster Linie will ich auch danach weiter kochen. Ein eigenes Lokal kommt für mich aber nicht mehr infrage. Da helfe ich lieber Kollegen in der Küche aus, wenn Not am Mann ist.

Was wird Ihnen fehlen?

SILKE EISELE: Die vielen Stammgäste im Harpprechthaus. Viele haben wir quasi von der Taufe bis zur Hochzeit begleitet.

Passiert an Ihrem letzten Tag etwas Spezielles?

MICHAEL EISELE: Ja, wir schließen bereits um 16 Uhr, weil wir mit unserem treuen Personal noch feiern wollen. Ansonsten wird es ein Arbeitstag sein wie jeder andere.

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