Lenninger Tal

„An uns muss man erst vorbeikommen“

Lenningens Bürgermeister Michael Schlecht tritt mit der Bürgermeister-Elf in Tschechien an

Knapp einen Monat, bevor Thomas Müller und Co. zur EM reisen, will ­Lenningens Bürgermeister ­Michael Schlecht für Deutschland ebenfalls den Cup holen.

„An uns muss man erst vorbeikommen“
„An uns muss man erst vorbeikommen“

Lenningen. Michael Schlechts Stürmerzeiten sind zwar vorbei, doch der Lenninger Bürgermeister hält als defensiver Mittelfeldspieler an der Rückennummer elf aus seinen Oberligazeiten fest. Mit großen Hoffnungen fährt der Rathauschef als Mitglied der deutschen Bürgermeisterelf nach Tschechien und betont: „An uns muss man erst vorbeikommen.“

Vergangenes Jahr von den Wählern als Rathauschef mit großer Rückendeckung in eine weitere Runde geschickt, gibt sich Schlecht auch auf dem Fußballplatz selbstbewusst. Das, obwohl die Vorbereitung alles andere als gut läuft. Neben einer Pollenallergie bremst den 49-Jährigen ein gezerrter Beckenmuskel. „Eigentlich wollte ich vor der EM noch ein bisschen im Wald rumtigern“, sagt Schlecht.

Form hin oder her – am Pfingstmontag geht es für fünf Tage mit Privatautos nach Uherské Hradište im Südosten Tschechiens. Tags drauf streifen die Mitglieder der Bürgermeister-Elf das noch mit drei Sternen veredelte DFB-Trikot über. Der Lenninger hofft, dass er mit seinen Teamkollegen die Gruppenspiele übersteht und nach Viertel- und Halbfinale am Freitag ins Finale einzieht. Neben der ausgedehnten Spiellänge von zwei Mal 25 Minuten hat Schlecht auch Respekt vor den Gegnern, die „aufgerüstet“ haben und jünger geworden sind. „Ich rechne damit, dass bei verschiedenen Mannschaften einige Bürgermeister ehrenhalber ernannt werden“, sagt er augenzwinkernd. Laut offiziellem Regelwerk dürfen ältere Teilnehmer Stellvertreter sein, wer unter 40 ist, muss jedoch tatsächlich an der Rathausspitze angekommen sein. Doch die Ernennungsurkunde hat keiner dabei. Die Slowakei, Italien und Tschechien schätzt Schlecht als besonders stark ein. „Wir haben uns immer wenig geschenkt“, so der Bürgermeister.

Der tschechischen Mannschaft haben es die Verwaltungschefs zu verdanken, dass fast zeitgleich mit der Fußball-Europameisterschaft der Profis wieder eine EM der Bürgermeister ausgetragen wird. Weil aber die französischen „Maires“ nicht, wie vorgesehen, in Frankreich einen Wettbewerb für die Rathauschefs organisiert haben, sind die tschechischen Kollegen in die Bresche gesprungen. Ihr Antrieb liegt auf der Hand: „Sie wollen ihren Titel verteidigen“, erklärt Schlecht, für den es die zweite EM ist, an der er teilnimmt. Gespannt ist er auf die Zahl der Zuschauer. Vor vier Jahren in Polen saßen lediglich 200 bis 300 Besucher auf den Rängen, bei der Begegnung mit armenischen Kommunalpolitikern im vergangenen Jahr dribbelten die Bürgermeister vor einer Kulisse von 7 000 Zuschauern. Die dort erlebte Gastfreundschaft bezeichnet Schlecht als „phänomenal“.

Abseits vom Platz hofft Schlecht darauf, dass sich die Gespräche nicht nur um Fußball drehen. Er geht davon aus, dass das Flüchtlingsthema zentral sein wird und sich die kommunale Meinung der Osteuropäer von der staatlichen unterscheidet.

Dass er für das Fußballereignis dank des Feiertags nur vier Tage Urlaub opfern muss, kommt dem dreifachen Vater entgegen. Durch seine sportlichen Ambitionen ist der Familienurlaub in den Pfingstferien nicht in Gefahr. „Wir wollen unseren Kindern die Hauptstädte näherbringen“, verrät er. Möglich also, dass der Lenninger Bürgermeister als frischgebackener Europameister nach Berlin reist. – Vielleicht ein Ansporn für Jogi und seine Jungs, es den Verwaltungschefs gleichzutun.

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