Lenninger Tal

Auch Helfer brauchen Hilfe

Markus Taxis
Markus Taxis

Rund 2,5 Millionen Unfälle ereigneten sich nach Angaben des Statistischen Bundesamtes 2015 auf deutschen Straßen. Mehr als 3 400 Menschen kamen dabei ums Leben, über 305 600 Personen trugen Verletzungen davon. Solche Ereignisse sind nicht nur für Opfer traumatisch, sondern auch für die Retter, wie Markus Taxis, der Kommandant der Owener Feuerwehr, weiß.

Welchen Einfluss hat der Zustand des Patienten auf die Arbeit der Feuerwehr?

Markus Taxis: Bevor die Feuerwehr mit der Arbeit am Fahrzeug beginnt, muss der Notarzt feststellen, welche Verletzungen ein Insasse erlitten hat. Der Grad der Verletzung entscheidet letztlich darüber, ob nur die Türe oder das Dach entfernt wird, um den Patienten zu befreien. Die technische Rettung orientiert sich immer am Zustand des Unfallopfers, sie muss so schonend wie möglich ablaufen und kann erst erfolgen, wenn der Notarzt den Patienten stabilisiert hat.

Werden die Betroffenen psychologisch betreut?

Viele Unfallopfer stehen unter Schock und sind verzweifelt. Deshalb werden sie während der Rettung von einer Einsatzkraft betreut, die sie beruhigt. Nicht jeder verarbeitet ein so traumatisches Erlebnis gleich. Manche Menschen brauchen nach dem Unfall jemanden, mit dem sie über das Erlebte sprechen können. In solchen Fällen vermitteln wir den Betroffenen Kontakt zum Notfall-Nachsorge-Dienst des Deutschen Roten Kreuzes oder zur Notfallseelsorge.

Wie gehen Feuerwehrleute mit solchen belastenden Einsätzen um?

Bei ihren Einsätzen begeben sich Feuerwehrleute manchmal in psychische Extremsituationen. Die Bilder, die sie sehen sind nicht schön. Deshalb wird jeder Einsatz besprochen. Die Kameraden unterstützen sich gegenseitig. Sie haben ein offenes Ohr und helfen, wenn jemand einen Einsatz schwer verarbeitet.

Sie bieten also ein Netzwerk?

Für viele Einsatzkräfte ist es schwierig, mit Angehörigen über Erfahrungen im Einsatz zu sprechen. Denn oft können sich Außenstehende nicht in ihre Lage versetzen. Deshalb ist es wichtig, dass Feuerwehrleute unter ihren Kameraden ein soziales Netzwerk vorfinden, das aus Menschen besteht, die Gedanken und Emotionen nachvollziehen können.

Die Kameraden geben Rückhalt und helfen bei der Bewältigung?

Zu wissen, dass man mit seinem Problem nicht alleine ist, hilft bei der Verarbeitung traumatischer Erlebnisse. Ein Umfeld, das einen ernst nimmt und bei der Bewältigung psychischer Belastungen unterstützt, bietet Rückhalt. Die Kameraden erfahren so Wertschätzung.Daniela Haußmann

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