Lenninger Tal

Auf den Spuren des Reformators

Konzert Die Owener Stammkapelle zeigt dem Publikum in der Marienkirche viele Facetten der Blasmusik. Auch die jüngsten Musiker kommen mit einem Klassiker von Rolf Zuckowski zum Zug.

Volle Konzentration für das Konzert: die Owener Stammkapelle. Foto: privat
Volle Konzentration für das Konzert: die Owener Stammkapelle. Foto: privat

Wie durch eine Zeitmaschine in die Zeit der Renaissance versetzt, so haben sich wohl die Zuhörer beim Konzert der Owener Stadtkapelle in der Marienkirche gefühlt. Die Musiker unter der Leitung von Daniela Hofmann präsentierten „Martin Luther - Szenen eines rebellischen Lebens“ von Thorsten Reinau.

Melodiefragmente des berühmtesten Chorals „Eine feste Burg“ lösten einen Hauch von Mittelalter-Feeling in der gemütlich beleuchteten Kirche aus. Mit großen Dissonanzen stellte das Orchester die innere Zerrissenheit Luthers dar und steuerte musikalisch auf den Thesenanschlag zu. Dieser erfolgte mit imposanten Schlägen der Schlagzeuger. Emotional wurde der anschließende Choral vorgetragen, der Luthers Auftritt vor dem Kaiser beim Reichstag zu Worms beschreibt. Zum Schluss erklang als Hymne der Luther-Choral „Eine feste Burg ist unser Gott“, der wie kein anderes liturgisches Werk für die Reformation steht.

Im Hier und Jetzt fanden sich die Zuhörer der Teckstädter Musikanten wieder ein, als sie auf eine lustige und unterhaltsame Schlittenfahrt (Alfred Bösendorfer) eingeladen wurden. Mit wiehernden Pferden und klingelnden Schellen reisten sie durch die weiße Winterwelt der Alpen, hindurch unter schneebehangenen Bäumen und über verschneite Almwiesen. Die „Wassermusik“ aus dem 18. Jahrhundert gehört zu den bekanntesten Schöpfungen Georg Friedrich Händels. Die Stadtkapelle Owen spielte den ersten Satz „Alla Hornpipe“. Mit einer Paraphrase über den Siegeschor aus Händels „Judas Maccabaeus“, bearbeitet von Félix Alexandre Guilmant, folgte ein Zeitsprung ins 20. Jahrhundert. John Blanken bearbeitete das Weihnachtslied „Gelobet seist du Jesu Christ“.

Die unterschiedlich gestalteten Strophen wurden gefühlvoll von der Stadtkapelle dargeboten. Zurück in der Gegenwart verzauberte der Solist Jörg Nothwang am Flügelhorn mit traumhaften Klängen und feiner Tongebung das Publikum mit der berührenden Blasmusik-Pop-Ballade „My Dream“ von Peter Leitner. Mit „Coming home“ von Heinz Briegel beschrieb Solist Jochen Sommerluksch mit dem Sopransaxofon in warmen Farben das Gefühl, an lieb gewonnene Orte zurückzukehren. Die Stadtkapelle begleitete ihre Solisten mit dezenten Backgrounds.

Die vereinseigene Jugendkapelle eröffnete mit der „Young Fanfare“ von Martin Scharnagl schwungvoll und präzise das Konzert. Mit „O Jubel, O Freud“ von Alfred Bösendorfer lud der Nachwuchs ein, das Weihnachtsfest gemeinsam im verschneiten Österreich zu verbringen. Passend zur Zeitreise und zur Jahreszeit spielten die jungen Musiker unter Stabführung des Vizedirigenten Rino Grupp die „South American Christmas Suite“ von Luigi di Ghisallo. Diese Weihnachtslieder aus Mexico, Puerto Rico und Venezuela gehören zum traditionellen Liedgut in Mittel- und Südamerika.

Ein festliches Glitzern

Mit „La nuit des cloches - die Nacht der Glocken“ verbindet Michel Carros drei bekannte französische Weihnachtsmelodien zu einer lieblichen Fantasie, die ein festliches Glitzern in die Weihnachtszeit zaubert.

Auch die jüngsten Owener Musiker kamen bei dem Konzert zum Zug. Die Kinder der Musikids durften beim bekannten Titel „In der Weihnachtsbäckerei“ von Rolf Zuckowski ihre Premiere in der Kirche feiern und gemeinsam mit der Jugendkapelle dieses Stück aufführen. Der erste Vorsitzende Holger Macho führte durch die Zeitreise. Mit Informationen und Hintergründen zu den einzelnen Stücken bereitete er das Publikum auf viele Titel vor. Ein gelungenes Konzert: Die Musiker zeigten an diesem Abend viele Facetten der Blasmusik, die Lust auf mehr machen. vg

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