Lenninger Tal

Aus den Alpen auf die Alb

Marlene Böhringer aus Donnstetten kommt aus dem österreichischen Lechtal

„Zehn Kinder waren wir“, ­erzählt Marlene Böhringer von ihrer Kindheit auf einem Bergbauernhof in Kienberg, das zur Gemeinde Kaisers im öster­reichischen Lechtal gehört. ­Heute ist sie auf der Alb zu Hause, in Donnstetten.

Raus aus dem schönen Lechtal, rauf auf die raue Alb: Marlene Böhringer hat ihre Entscheidung nie bereut.Fotos: Katja Eisenhardt
Raus aus dem schönen Lechtal, rauf auf die raue Alb: Marlene Böhringer hat ihre Entscheidung nie bereut.Fotos: Katja Eisenhardt und Irene Ascher

Römerstein. „Ja, die Berge habe ich schon vermisst, als ich hergekommen bin. Hier ist es ja doch ziemlich eben“, sagt Marlene Böhringer. Der Liebe wegen ist sie auf die Alb gezogen, ihr Karl hat sie hierher gelockt. Mit knapp 17, als sie mit der Schule fertig war und der jüngste Bruder gerade auf die Welt gekommen war, war es für Marlene Zeit, in die Welt hinauszugehen und etwas zu lernen. Wegen ihren schlechten Augen arbeitete sie zunächst in einer Klosterschule in der Küche, später dann in Bregenz im Altenheim und dann in Hotels und Gaststätten – zuletzt im Tannheimer Tal. Schon damals war es so, dass die jungen Leute flexibel sein und dorthin gehen mussten, wo es Arbeit gab.

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Dort traf sie ihren Karl zum ersten Mal. Er begleitete einen Freund, der sich in ein Mädchen aus dem Tannheimer Tal verguckt hatte. Es bildete sich eine nette Clique. Ein Jahr später trafen sich Marlene und Karl wieder. Und dann verliebten sich die beiden. Karl verbrachte extra seine Bundeswehrzeit in Sonthofen, weil es nicht so weit in die Berge zu seiner Marlene war. Und kaufte sich von seinem kargen Sold einen alten DKW – „den konnte ich schon von Weitem kommen hören“ schmunzelt Marlene Böhringer heute noch bei der Erinnerung an den Klang des Zweitaktmotors. „Und nun sind wir schon 41 Jahre verheiratet“.

Das Ankommen auf der Alb und heimisch werden im Dorf fiel ihr nicht schwer. Vor allem die Älteren im Dorf kamen auf sie zu. „Natürlich wurde ich immer gefragt, wie ich die Berge verlassen konnte. Es stimmt schon, schöner ist es schon da drin, aber das Leben und‘s Schaffa isch viel schwieriger“. Auch kulinarisch war es in Schwaben anders: „Bei uns daheim gab es oft Mehlspeisen, mit einer Suppe voraus. Am Anfang waren‘s mir zu viel Spätzle die ganze Zeit – aber heut ess‘ ich sie lieber als Knödel“. Marlene Böhringer lacht. „Und „Leisa“ habe ich ja gar nicht gekannt – inzwischen kann man die ja sogar bei uns daheim kaufen. Auch das Backen im Backhaus mit den anderen Frauen des Dorfes wurde schnell ein Teil ihres schwäbischen Lebens.

Beide Eheleute sind im Vereinsleben aktiv, mit dem Schwäbischen Albverein zum Wandern und der Volkstanzgruppe, „da bin ich mehr fortgekommen als daheim“. Musik ist wichtig in Marlene Böhringers Leben – ihr Vater hat selbst Geigen, Gitarren und sogar eine Zither gebaut und sie gespielt. Sie selbst spielt unter anderem Mundharmonika. Der Sohn hat das musikalische Talent der Mutter geerbt und ist im örtlichen Musikverein aktiv. Marlenes jüngerer Bruder Wilfried wohnt ebenfalls in Donnstetten, auch ihn hat die Liebe hierher geführt.

Lange träumte Ehemann Karl Böhringer davon, im Lechtal zu wohnen, knapp scheiterte der Kauf eines alten Hofes. „Doch ich bin zufrieden, dass wir hiergeblieben sind, es ist gut so. Einen Bergbauernhof zu betreiben ist richtig schwere Arbeit“, weiß Marlene Böhringer aus Erfahrung. Trotzdem hatten sie jahrelang Tiere, einmal brachte Ehemann Karl zwei Rindle aus Österreich mit, sie hatten auch Hühner und Hasen.

Heute ist es ruhiger geworden bei den Böhringers, aber die Eheleute reisen und wandern immer noch gern. Nächstes Jahr zum Beispiel wird wieder die Tochter besucht, die es der Liebe wegen nach Jamaika verschlagen hat. Vielleicht ist das ja Familientradition...

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