Lenninger Tal

Aus Trekkingreise wird Hilfseinsatz

Volker Keppeler und Nikolai Kerner helfen in einem nepalesischen Bergdorf beim Aufbau zerstörter Häuser

Am heutigen Donnerstag starten die Freunde Volker Keppeler aus Wendlingen und Nikolai Kerner aus Schlierbach auf eine dreimonatige Reise nach Nepal. Ihr Ziel ist das Bergdorf Brabal im Rasuwa Distrikt der Langtang-Region. Dort helfen die beiden gelernten Zimmerer beim ­Aufbau der vom Erdbeben zerstörten Häuser.

Ein durch das Erdbeben im Frühjahr zerstörtes Haus in Brabal, wohin die beiden Zimmerer jetzt reisen, um beim Wiederaufbau zu he
Ein durch das Erdbeben im Frühjahr zerstörtes Haus in Brabal, wohin die beiden Zimmerer jetzt reisen, um beim Wiederaufbau zu helfen. Auf dem kleinen Foto sind Nikolai Kerner (links) und Volker Keppeler beim Durchsehen von Unterlagen zur Vorbereitung auf die Reise zu sehen. Fotos: pr/Katja Eisenhardt

Wendlingen. „Wir waren beide noch nie in Asien. Nepal hatten wir schon vor den schweren Erdbeben im April und Mai als gemeinsames Reiseziel für dieses Jahr ausgesucht“, erzählt Volker Keppeler. „Als wir dann vom Erdbeben gehört haben, kam natürlich schon die Frage auf, ob wir trotzdem dorthin reisen beziehungsweise, ob wir uns dort in irgendeiner Form engagieren können. Da wir beide gelernte Zimmerer sind, wollen wir uns gern bei den Aufbauarbeiten beteiligen“, erklärt der 25-Jährige.

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Sein Kumpel Nikolai Kerner hat nach seiner Ausbildung zum Zimmerer noch in Vollzeit eine zweijährige Weiterbildung zum Techniker in Gebäude- und Systemtechnik absolviert, die er Anfang August erfolgreich abgeschlossen hat. „Die Jobsuche wäre jetzt eigentlich gestartet, es schadet aber sicherlich auch nicht, vorab in anderen Ländern Erfahrungen fürs spätere Berufsleben zu sammeln. Dadurch, dass wir jetzt bis Weihnachten in Nepal sind, werde ich mich im Anschluss um eine Stelle kümmern“, so der 22-jährige Nikolai Kerner. Volker Keppeler hat für die drei Monate Nepal seine Zimmererstelle in Weilheim gekündigt und steigt ebenfalls im neuen Jahr wieder in seinen Beruf ein.

Bei ihrer Recherche, was es an Hilfsangeboten gibt, an denen man sich einbringen kann, sind die beiden Freunde auf die Internetseiten von Sabine Pretsch und deren nepalesischen Lebensgefährten Temba Gyalbo Tamang gestoßen, die einerseits gemeinsam Trekkingtouren von ihrem Wohnort Kathmandu aus organisieren und darüber hinaus die lokale Hilfsorganisation Sunaulo Sansar leiten und so auch Einsätze zur Erdbebenhilfe organisieren und koordinieren. „Mit den beiden haben wir uns in Verbindung gesetzt und uns auch in Lorch – Sabines ursprünglichem Heimatort – getroffen, als die beiden auf Besuch hier waren“, berichten Volker und Nikolai. Nach und nach seien so die Reisepläne konkreter geworden.

Das Dorf Brabal, in das die beiden für drei Monate reisen, hat 31 Haushalte und 115 Einwohner. Es liegt im Rasuwa Distrikt in der Langtang Region auf 2 280 Meter Höhe. „Von Kathmandu aus ist es zunächst eine sechsstündige Busreise und dann noch eine dreistündige Wanderung bis zum Dorf“, so Keppeler. Durch das Erdbeben seien 87 Prozent der Häuser komplett zerstört worden, auch der Rest sei unbewohnbar. „Die Hilfsorganisation von Sabine und Temba arbeitet bereits mit einem 13-köpfigen, freiwillig engagierten Expertenteam. Es besteht aus Architekten, Geologen, Bauingenieuren und Zimmerern aus der Schweiz, die teils bereits vor Ort waren, um sich einen Überblick zu verschaffen.

„Es geht dann erstmal um den Rückbau der zerstörten Häuser, sprich: es muss geklärt werden, was von dem Material noch verwendbar ist und was nicht. Ziel des Einsatzes ist es nicht, alle Häuser wieder fertig aufgebaut zu hinterlassen – das wäre allein zeitlich schon gar nicht möglich. Vielmehr wollen wir gemeinsam mit den Dorfbewohnern einen Anfang machen, sie in die Arbeiten einbeziehen, sodass sie letztendlich selbst in der Lage sind, diese fortzuführen“, erläutert Nikolai Kerner.

Während ihres Einsatzes werden die freiwilligen Helfer in Trekkingzelten im Dorf leben. „Wir können noch nicht recht einschätzen, was uns vor Ort erwartet, wir lassen es einfach auf uns zukommen. Wenn man zu viel plant, kommt am Ende ja meist doch alles anders“, zeigen sich Volker und Nikolai ein paar Tage vor der Abreise noch sehr entspannt. Das Nötigste an Handwerkszeug werden sie von zu Hause mitnehmen, „den Rest besorgen wir dann gemeinsam mit Sabine und Temba in Kathmandu“, erklärt Nikolai Kerner. 101 Tage seien es dann im Dorf, haben die beiden Freunde ausgerechnet, „wenn wir je den ,Dorfkoller‘ kriegen sollten, können wir uns vielleicht zumindest die nähere Umgebung anschauen oder Kathmandu, um etwas vom Land kennenzulernen.“

Auf den folgenden Internetseiten finden Interessierte detaillierte Informationen zu den Organisationen von Sabine Pretsch und Temba Gyalgo Tamang in Kathmandu und ebenso die Möglichkeiten, sich zu engagieren – ob vor Ort als Helfer oder auch durch Spenden: www.sunaulosansar.org/de/, und www.tembasnepaltrek.com/de/.

Aus Trekkingreise wird Hilfseinsatz
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