Lenninger Tal

Bäume aus dem Tal waren beliebt

Geschichte Im 19. Jahrhundert gehörte Unterlenningen zu den europaweit führenden Zentren des Obstbaus. Zu verdanken ist das Eduard Lucas, der aus der Hopfenburg eine Baumschule machte. Von Daniela Haußmann

Heute erinnert nur noch ein Brunnen an die Hopfenburg.Foto: Daniela Haußmann
Heute erinnert nur noch ein Brunnen an die Hopfenburg.Foto: Daniela Haußmann

Unterlenningen war 40 Jahre lang ein regelrechtes Mekka für angehende Obstfachleute aus ganz Europa. Weit über die Täles- und Landesgrenzen hinaus genoss die Ausbildung auf der Hopfenburg ein hervorragendes Renommee. Die dort im Jahr 1874 eröffnete Obstbaumschule war eine Außenstelle des Pomologischen Instituts, das Eduard Lucas um 1860 in Reutlingen gegründet hatte.

Anzeige

Bevor sich die Lautergemeinde aber zum Hotspot für zukünftige Fachkräfte entwickelte, war die Trockenhalle auf dem Bühl mit einer ganz anderen Intention erbaut worden. Um 1863 legte ein Notar namens Rudolph Erhardt auf dem sieben Hektar großen Gut einen Hopfengarten an. Sein Gedanke, mit dem Verkauf der Ernte ein hübsches Sümmchen zu erwirtschaften, war nicht abwegig. Schließlich erzeugte damals jedes Gasthaus sein eigenes Bier und in Ulm gab es einige Brauereien, die bei Zulieferern einkauften. Doch Erhardt war kein Glück beschieden. „Die Preise brachen derart ein, dass sich der Anbau nicht mehr lohnte“, sagte Fritz Nuffer, Owener Hobbyhistoriker. Also verkleinerte der Notar die Hopfenanlage und legt dazwischen eine Obstbaumschule an.

Hopfen bleibt Ladenhüter

Die Kultur entwickelte sich zwar prächtig. Doch Erhardt verstand von der Erziehung der Bäume rein gar nichts. In seiner finanziellen Not blieb ihm nichts anderes übrig, als das Gut zu veräußern. Für 9 300 Mark erwarb Eduard Lucas die Ländereien zusammen mit der Trockenhalle.

Lucas‘ Lehranstalt war auf sechs Personen ausgelegt. Diese überschaubare Zahl an Arbeitskräften verlangte eine einfache Bewirtschaftung. Daher wurden in erster Linie Hochstammkulturen angelegt, der Gemüsebau beschränkte sich auf den Eigenbedarf und auf der restlichen Fläche wurde ausschließlich Landwirtschaft betrieben, wie es in einer Quelle aus Fritz Nuffers Privatarchiv heißt. Nach sechs Jahren erstreckte sich über eine Fläche von etwa vier Hektar eine für die damalige Zeit stattliche Baumschule, die ihre ersten Hochstämme verkaufte.

Auf den so entstandenen Freiflächen pflanzten die angehenden Fachleute Hafer und Klee. Daran schloss sich eine vier bis fünf Jahre währende Brachzeit an, nach deren Ablauf wieder Bäume ausgebracht wurden. Als Eduard Lucas die Hopfenburg samt der dazugehörigen Flächen kaufte, war das Gut aus Mangel an Pflege und Düngung ziemlich heruntergewirtschaftet gewesen. Mit viel Fleiß und Sachverstand verbesserte Lucas, der im Verlauf seiner Karriere auch an der Uni Hohenheim gelehrt und geforscht hatte, die Bodenqualität.

Die auf der Hopfenburg aufgezogenen Bäume genossen einen hervorragenden Ruf. Sie galten als besonders widerstandsfähig, genügsam und wachstumsfreudig. Tausende von ihnen wurden „teils per Achse, teils per Bahn versandt“, heißt es in Fritz Nuffers Unterlagen. Obwohl auf dem Gut von Jahr zu Jahr mehr Bäume den Besitzer wechselten, blieben die Einnahmen überschaubar. Da es zu jener Zeit nicht nur Baumschulen, sondern auch Weingärtner gab und jeder, der über eine Obstwiese verfügte, Bäume veräußerte kam es zu einer Überproduktion.

1886 übernahm Eduard Lucas‘ Sohn die Obstbaumschule in Unterlenningen und führte den Betrieb auf dem 1 300 Bäume umfassenden Gut bis 1915 durch einen Verwalter fort. Nach dem Ersten Weltkrieg verkaufte Friedrich Lucas den Besitz an den Stuttgarter Geschäftsmann Herz, der auf dem Bühl eine Rennpferdezucht einrichtete. Die war wenig wirtschaftlich, und so erwarb 1923 die Gemeinde Unterlenningen die Hopfenburg. Die Grundstücke wurden an Bürger verkauft oder verpachtet. 1953 wurde die Hopfenburg abgerissen. Heute erinnert nur noch das Hopfenburgbrünnele an das Gebäude und seine bewegte Geschichte.

Info Wer dort, wo die Hopfenburg bis 1953 stand, auf Spurensuche gehen will, kann das dank eines ausgeschilderten Rundgangs tun.