Lenninger Tal

Barockes Theater in Lenningen

Konzert Oper ist nicht gleich Oper. Das war auch den rund 250 Besuchern schnell klar, die am Sonntag in die evangelische Kirche in Unterlenningen kamen, um „King Arthur“ zu sehen. Von Daniela Haußmann

„King Arthur“ begeisterte rund 250 Zuhörer von jung bis alt.Foto: Daniela Haußmann
„King Arthur“ begeisterte rund 250 Zuhörer von jung bis alt.Foto: Daniela Haußmann

Tosender Applaus und ein Publikum, das es am Ende der Vorstellung von den Bänken riss, sind das Ergebnis eines facettenreichen Musikabends, der von der Musikschule Lenningen organisiert wurde. Mit der Semi-Oper „King Arthur“ ist es den Initiatoren zusammen mit der Gesangklasse von Cecilia Tempesta, dem Musizierkreis von Vera Reinold und den Lautersängern unter der Leitung von Josef Führinger gelungen, barockes Welttheater auf hohem Niveau zur Aufführung zu bringen.

Das Libretto für das 1691 am Londoner Dorset Garden uraufgeführte Werk steuerte John Dryden bei. Die Musik für das fünf Akte umfassende Opus stammt aus der Feder von Henry Purcell. In England glaubte man schon damals, es besser zu wissen. Opern zu spielen, wie es auf dem Kontinent Mode geworden war, kam am Vorabend des 18. Jahrhunderts für die angelsächsischen Bühnen erst gar nicht in Frage - man setzte lieber auf eine ganz eigene Theaterkunst, eine kühne Mixtur aus Schauspiel und Musik, angereichert mit Tanzeinlagen. Auf Letzteres wurde bei der Darbietung in der evangelischen Kirche in Unterlenningen verzichtet.

Doch das tat der Sache keinen Abbruch. Den Machern des Abends gelang es dennoch, das Publikum auf eine beeindruckende Reise ins Frühmittelalter zu entführen. Im Zentrum der Handlung stand König Arthur, der England vor den einfallenden Sachsen verteidigen musste, die wie eine Naturgewalt über das Land hereinbrachen. Auch Arthurs Liebesglück stand auf dem Spiel, denn der Sachsenkönig Oswald von Kent erhob Anspruch auf seine Verlobte, die blinde Prinzessin Emmeline von Cornwall. Sowohl Arthur als auch Oswald werden in ihrem Kampf von Magiern und Geisterwesen unterstützt, in die Irre geführt und gerettet, doch letztlich hängt alles von einem Duell zwischen den beiden Kontrahenten ab. Dramatische Akkorde, die vom Kampf und dem Wettstreit zweier Gegenspieler erzählen, wechseln mit zarten, filigranen und sehnsuchtsvollen Tönen.

Mit ihrem virtuosen Spiel gelang es den Künstlern die Zuhörer in ein jahrhundertealtes Abenteuer hineinzuführen, das den Wunsch nach Gerechtigkeit ebenso in sich trägt, wie das Streben nach Glück, aber auch den alten Streit zwischen Gut und Böse. Mit klangvollem Farbenreichtum und Schattierungen von Melancholie gelang es dem Musizierkreis, der Gesangsklasse und den Lautersängern das Kunststück, so überzeugend zu spielen und zu singen, dass ein immer wieder verblüffender, aber auch berührender Abend entstand.

Die drei Solisten Celine Gärtner, Claudia Koch und Armin Geisinger überzeugten mit ihren beeindruckenden Gesangsdarbietungen und erzeugten Emotionen, die den Mythos von König Arthur im Kopf der Zuhörer von Neuem aufleben ließen.

In den Sprecherrollen brillierten Barbara Fink und Marius Schünke. Sie bildeten - wie für eine Semi-Oper typisch - das tragende Element des Abends, um das sich Musik und Gesang arrangierten. Mit ihren kraft- und ausdrucksvollen Stimmen erzeugten Barbara Fink und Marius Schünke faszinierende Momente, die von tapferen Männern, mutigen Frauen, dem sagenumwobenen Zauberer Merlin, dem Luftgeist Philidel und anderen geheimnisvollen Vertretern der angelsächsischen Mythologie erzählten.

Die kurzweilige Darbietung kam beim Publikum an. Für Thomas Munderich erhielt das Werk durch den Umstand, dass es in einer Kirche aufgeführt wurde, eine ganz besondere Note. In Verbindung mit dem Spiel der Musikschule und dem Gesang der Chöre wie auch Solisten entstand für den Schopflocher so eine ganz besondere Atmosphäre. Günter Löw aus Unterlenningen begeisterte vor allem der revueartige Charakter des barocken Opus und die frühmittelalterliche Thematik, in der gerade auch Ritter eine Rolle spielen.

Unter Federführung der Musikschule Lenningen ist es den rund 40 Künstlern also gelungen, einen musikalischen Abend zu gestalten, der noch lange in Erinnerung bleiben wird.

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