Lenninger Tal

Begehrter Chefsessel

Kulturamt Esslingen: 109 Bewerbungen

Die Chancen stehen gut, dass der Chefsessel im Kulturamt der Stadt Esslingen nicht mehr allzu lange verwaist bleibt: 109 Bewerber aus dem In- und Ausland haben ihren Hut in den Ring geworfen. Und ­Rathaussprecher Roland Karpentier findet: „Die ­große Resonanz spricht für die ­Attraktivität der Stelle.“

Esslingen. Mittlerweile hat die Stadtverwaltung gemeinsam mit einem externen Personalberater, der bei der Kandidatensuche eingeschaltet wurde, eine Vorauswahl getroffen. Die Kandidaten, die jetzt noch im Rennen sind, sollen sich am 6. Juli im Verwaltungsausschuss des Gemeinderates vorstellen, die endgültige Entscheidung soll dann am 27. Juli im Gemeinderat fallen.

Mit Personalentscheidungen für die Spitzenposition im Kulturamt haben die Ratsmitglieder bereits Übung: Nach dem krankheitsbedingten Abschied des langjährigen Kulturreferenten Peter Kastner Ende 2011 hatte Barbara Maria Schierl im Sommer 2012 die Leitung der städtischen Kulturverwaltung übernommen, um schon nach wenigen Monaten wieder das Handtuch zu werfen. Im Sommer 2013 hat dann Christine Mast die Leitung des Kulturamts übernommen, von der sich die Stadt nur ein Jahr später wieder getrennt hat. Nun setzt man im Rathaus darauf, die Personalie im dritten Anlauf dauerhaft zu regeln.

Die Kandidatenlage macht Rathaussprecher Karpentier Mut: „Wir haben sehr interessante Bewerbungen aus dem In- und Ausland bekommen, mit denen wir uns gemeinsam mit dem Personalberater sehr intensiv beschäftigt haben. Und wir sind sehr zuversichtlich, dass es diesmal passen wird.“ Weiter mag Karpentier das Bewerberfeld auf Nachfrage nicht kommentieren. Kenner der kommunalpolitischen Szene sprechen jedoch davon, dass es vier Kandidaten in die nächste Runde geschafft haben – sie sollen sich am 6. Juli im Verwaltungsausschuss des Gemeinderates hinter verschlossenen Türen vorstellen.

Nach dem wiederholten Wechsel an der Spitze der Kulturverwaltung hatten Mitglieder des gemeinderätlichen Kulturausschusses wiederholt darauf gedrängt, dass sie diesmal schon frühzeitiger und intensiver in die Kandidatenauswahl eingebunden werden wollen. Diesen Wunsch hat die SPD-Ratsfraktion nun auch mit einem Antrag im Rathaus hinterlegt. Nach dem Willen der Sozialdemokraten sollen sich die Bewerber, die noch im Rennen sind, am 6. Juli in einer gemeinsamen Sitzung von Verwaltungs- und Kulturausschuss vorstellen. „Nach der Vorgeschichte verste­hen wir nicht, warum bei der jetzt anstehenden Wahl einer neuen Kulturamtsleitung auf die Kompetenz des Kulturausschusses verzichtet werden soll“, kommentiert Stadtrat Richard Kramartschik den Antrag namens der SPD-Fraktion. „Natürlich respektieren wir, dass bei der gemeinsamen Sitzung bei der Vorauswahl nur die Mitglieder des Verwaltungsausschusses stimmberechtigt sind.“ Da sich der Personalberater, der die Stadt im Bewerbungsverfahren unterstützt, auch mit Vertretern des Esslinger Netzwerks Kultur ausgetauscht habe, „würden die gewählten Räte im Kulturausschuss bei einer Nichtberücksichtigung so klar zurückgesetzt“.

Rathaussprecher Roland Karpentier würde sich nicht wundern, wenn sich andere Fraktionen dem Vorstoß der SPD anschließen sollten. „Wenn es eine Mehrheit dafür gibt, sind noch einige Details zu klären – etwa die Frage, ob ein solches Vorgehen Auswirkungen auf den Ablauf anderer Personalentscheidungen haben könnte. Aber das müsste sich regeln lassen, wenn der Wunsch dazu besteht.“ Generell gebe es sicherlich gute Argumente dafür, bei der Entscheidung über die neue Kulturamtsleitung auch die Fachkenntnis des Kulturausschusses einzubeziehen.

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