Lenninger Tal

Bei Stefan Finger ist derzeit Schmalhans Küchenmeister

Seit zehn Jahren ist Stefan Finger Küchenmeister im Schlattstaller Hirsch. Zurzeit bleibt dort wegen des Lockdowns die Küche kal
Seit zehn Jahren ist Stefan Finger Küchenmeister im Schlattstaller Hirsch. Zurzeit bleibt dort wegen des Lockdowns die Küche kalt. Archiv-Foto: Jean-Luc Jacques

Wenn einer, dessen Arbeitsalltag sich zwischen Kochtöpfen abspielt, nur noch zwei Mal am Tag isst, steht das Leben kopf. „Wir machen gerade 16:8“, sagt Stefan Finger. Das Intervallfasten, bei dem erst 16 Stunden nach der letzten Mahlzeit am Vortag wieder gegessen wird, strukturiert im Moment das Familienleben des Küchenmeisters. Mit Ralf Stümpfle führt er seit zehn Jahren das Gasthaus Hirsch in Schlattstall. Angesichts der rapide steigenden Corona-Fallzahlen im Oktober kam der erneute Lockdown zwar nicht überraschend. Als die Politik ihn dann verkündete, war es für Stefan Finger trotzdem „ein Schock“. Vier Tage blieben, in denen es in dem schwäbischen Traditionslokal rund ging. „Wir hatten so viele Anfragen von Leuten, die noch einmal essen gehen wollten. Die hätten fünf Wochen für ein volles Haus gereicht“, sagt der Wirt. Dass Gaststätten zu den Pandemietreibern gehören, glaubt er nicht. Dank eines ausgeklügelten Hygienekonzepts habe es keinen einzigen Anruf vom Gesundheitsamt gegeben, um Kontakte eines Infizierten nachzuverfolgen. Auch wenn völlig unklar ist, ob die Lokale im Dezember öffnen dürfen - im Moment jonglieren Stefan Finger und Ralf Stümpfle Reservierungen hin und her. - Ein Kraftakt in der Gänsesaison, die wie der Advent immer lange im Voraus ausgebucht ist. Die Zeit, die ihm derzeit privat bleibt, nutzt Stefan Finger, um mit seinem neuen Pedelec die Gegend zu erkunden und auch mal auf die Alb zu fahren. „In Erkenbrechtsweiler habe ich kürzlich zufällig einen Stammgast in seinem Garten gesehen“, erzählt er. „Das war richtig nett.“ Aufgewärmt wird von dem Küchenmeister außerdem das Klavierspiel. Als Jugendlicher hatte er Unterricht genommen, doch seit Jahrzehnten lag das Hobby brach. Im Frühling, als der Hirsch schon mal zu war, übte er jeden Tag eine Stunde. „Jetzt kann ich wieder was Vorspielen, ohne mich zu blamieren.“ Durch den Lockdown ist die Familie näher zusammengerückt. Die Vorlesungen der erwachsenen Kinder, die beide studieren, gehen online über die Bühne. „Kürzlich haben wir Binokel gespielt. Wir sitzen wieder mehr zusammen und essen gemeinsam“, sagt Stefan Finger. Auf den Tisch kommt derzeit noch das, was der Küchenmeister eigentlich für die Gäste im Hirsch zubereiten wollte. Anke Kirsammer


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