Lenninger Tal

Besser ankommen mit Hirn und Helm

Verkehr Ein Aktionstag in Hülben vermittelt Wissenswertes rund ums Motorrad. Im Fokus steht die Sicherheit. Polizisten geben Tipps. Von Daniela Haußmann

Der Motorradaktionstag soll Biker für Gefahren sensibilisieren.Foto: Daniela Haußmann
Der Motorradaktionstag soll Biker für Gefahren sensibilisieren. Foto: Daniela Haußmann

Ausgedehnte Serpentinenstrecken, idyllische Talfahrten und kurvige Straßen, die sich durch eindrucksvolle Landschaften schlängeln, lassen das Herz eines jeden Motorradfahrers schneller schlagen. Doch bei aller Freude, die im Sattel des zweirädrigen Gefährts aufkommt, unterschätzen viele Biker die Gefahren ihres Hobbys. Mit einem Motorradaktionstag, der am Sonntag, 16. Juli, zum zweiten Mal in Hülben stattfindet, will das Polizeipräsidium Reutlingen für die Risiken und ein sicherheitsorientiertes Fahrverhalten sensibilisieren.

„Keine Frage: Biken ist gefährlich“, sagt Markus Lorenz vom Polizeipräsidium. Aber jeder, der hinterm Lenker sitzt, kann eine Menge für die eigene Sicherheit tun. Denn Motorradfahren ist mehr, als nur am Gas zu drehen. Zum Fahrspaß auf dem Feuerstuhl gehört vor allem Köpfchen, wie Lorenz betont. Von den Biker-Unfällen, die er und seine Kollegen im vergangenen Jahr registrierten, waren in rund 52 Prozent der Fälle Autofahrer die Verursacher. In etwa 48 Prozent der Fälle lag die Schuld beim Motorradfahrer. Die Ursachen sind vielfältig und reichen von unangepasster Geschwindigkeit, Fehlern beim Überholen über falsche Einschätzung der Verkehrssituation bis hin zu fatalen Bremsfehlern. „Oft übersehen Autofahrer die schmale Silhouette der Biker oder schätzen ihre Geschwindigkeit und Entfernung falsch ein“, zählt die Beamtin Petra Müller auf.

Kleider machen Biker

„Helle, leuchtende Schutzbekleidung verbessert die Sichtbarkeit“, weiß Markus Lorenz. Wer lieber zur Warnweste greift, sollte darauf achten, dass die der Norm DIN N 471 entspricht, in der unter anderem die Größe der reflektierenden Flächen festgelegt ist. Beim Motorradfahren ist das passende Outfit keine Geschmacksfrage, sondern im Extremfall ein Lebensretter. Zwar ist lediglich das Tragen eines Helms Pflicht, doch an hochwertiger, gut sichtbarer und abriebfester Schutzkleidung sollte kein verantwortungsvoller Zweiradfahrer sparen. Auf den Fahrbetrieb ausgelegte Handschuhe, Stiefel, Hosen, Jacken und Helme schützen den Körper nicht nur vor lebensbedrohlichen Verletzungen und tiefen, großflächigen Abschürfungen. „Die in der Kleidung vernähten Protektoren bestehen aus widerstandsfähigen Materialien, die den Fahrer“, laut Müller, „so gut als möglich vor schweren Prellungen, Brüchen oder Wirbelsäulenverletzungen bewahren sollen.“ Biker die sich mit Flipflops, kurzer Hose und T-Shirt in den Sattel schwingen, sind deshalb mehr als nur schlecht beraten, auch wenn sie nur mal kurz zum Einkaufszentrum um die Ecke fahren.

Landstraßen sind für viele Biker das pure Fahrvergnügen. Das Risiko, auf ihr zu verunglücken, ist allerdings doppelt so groß wie auf anderen Straßentypen. Kurven, Kuppen, Bäume, Schmutz und Laub auf der Fahrbahn, aber auch wechselnde Lichtverhältnisse erhöhen die Unfallgefahr. „Wer auf Landstraßen unterwegs ist, muss hinter jedem Sichthindernis mit einer Überraschung rechnen“, betont Petra Müller. „Beispielsweise können Traktoren, Wanderer oder Radfahrer die Fahrbahn queren. Mit angepasster Geschwindigkeit und Vorausschau ist man besser beraten.“

Ein Reh, das über die Straße rennt, oder ein Auto, das die Vorfahrt missachtet - manchmal lässt sich das Schlimmste nur mit einer Notbremsung verhindern. Ein Motorrad stark und sicher abzubremsen, zählt zu den schwierigsten Fahrmanövern und sollte deshalb immer wieder trainiert werden. Beim Motorradaktionstag in Hülben informieren die Beamten daher nicht allein über die richtige Schutzbekleidung und Potenziale zur Risikominimierung. Auch die Frage, wie nach einem Unfall die Erste Hilfe bei verletzten Zweiradfahrern aussieht, wird vom DRK Bad Urach detailliert erklärt und demonstriert.

Vom Tuning bis zur Ersten Hilfe für Biker

Der zweite Motorradaktionstag findet am Sonntag, 16. Juli, zwischen 11 und 17 Uhr auf dem Hülbener Freizeitgelände Rietenlau statt. Es handelt sich um eine Initiative des Polizeipräsidiums Reutlingen. Die anwesenden Verkehrspolizisten sind selbst Motorradfahrer und können daher alle Fragen von der Anschaffung eines Bikes über das rechtskonforme Tuning bis zum Fahrsicherheitstraining kompetent beantworten.

Die Infoveranstaltung, die sich als Bikertreffen versteht, will die Reflexion des eigenen Fahrverhaltens fördern und so einen Beitrag zur Unfallprävention leisten. In Hülben laufen insgesamt acht Bergstrecken zusammen, die von vielen Bikern befahren werden. Daher erwarten die Veranstalter rund 500 Besucher. Bei unsicherer Wetterlage erfahren Interessenten unter www.polizei-bw.de/Dienststellen/PPReutlingen oder bei Twitter unter PolizeiRT, ob der Aktionstag stattfindet.dh

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