Lenninger Tal

Besuch beim „Rauber“

Auf dem Hauptwanderweg 1 vom Breitenstein über den Rauber und die Teck zum Hörnle

Der Albsteig, auch bekannt als Schwäbische Alb Nordrandweg, ist ein Klassiker unter den Fernwanderwegen: Er ist der Hauptwanderweg 1 des Albvereins und mit mehr als hundert Jahren der älteste Hauptwanderweg der Schwäbischen Alb. Die Serie umfasst fünf Wanderungen. Heute geht es neun Kilometer vom Breitenstein zum Wanderparkplatz Hörnle.

Die Ruine Rauber ist gerade für Kinder interessant - so geheimnisvoll und sagenumwoben.Fotos: Judith Reischl
Die Ruine Rauber ist gerade für Kinder interessant - so geheimnisvoll und sagenumwoben.Fotos: Judith Reischl

Bissingen/Owen. Startpunkt ist der Wanderparkplatz Breitenstein bei Ochsenwang. Wer beim Abschluss der letzten Etappe noch nicht die Aussicht vom Breitenstein genossen hat, dem sei empfohlen, das gleich zu Beginn dieser Etappe nachzuholen: Der Blick reicht bei guter Sicht bis in den Schwarzwald.

Doch die heutige Etappe startet vom Wanderparkplatz aus, gleich geht es das Teersträßle bergab zurück, über die Straße und dann an der Kreisstraße Richtung Engelhof wieder den Gegenhang hinauf. Hier führt der Nordrandweg – ohne Gehsteig – an der kaum befahrenen Straße bergan bis zum Hof Diepoldsburg. Nun aufpassen: Nicht abknickend links der Straße folgen sondern geradeaus direkt zwischen die Häuser hinein – unbedingt dem Wanderzeichen folgen!

Durch Pferdeweiden geht es leicht bergab, bei dem kleinen Friedhof gilt es wieder aufzupassen, das Wanderzeichen ist etwas irreführend: Bitte dem Wiesenweg leicht bergab folgen. Der Waldweg führt nun unterhalb der Oberen Diepoldsburg zum Rauber. Kurze Zeit später kommt der Wanderer zur unteren Diepoldsburg, die auch den Namen „Rauber“ trägt. Die Ruine Rauber lohnt eine Besichtigung: Die Ringmauer der kleinen Burganlage passt sich der Größe des Felsens an, es findet sich auch noch eine Zisterne. Zeit für die Vesperpause.

Auch hier wieder aufpassen, um das Wanderzeichen zu finden: Mit Blick auf die Ruine, vor dem Burggraben und der Burgbrücke, geht der schmale Pfad etwas versteckt rechts den Berg hinab. Über den Bergsporn führt der Weg nun bis zum Sattelbogen hinab. Erstmal angekommen, ist auch hier wieder eine unübersichtliche Stelle – alle Wanderer, die sich treffen, fragen einander: „Sind Sie hier auch falsch abgebogen?“ Oder „Wo kommt Ihr her? Wir möchten dort hin – wo ist der Weg?“ Das Gelände hier ist durchzogen von vielen Pfaden, Wegen und Kreuzungen – da hilft auch die Wanderkarte nur bedingt weiter. Also aufpassen. Ist das Wanderzeichen verschwunden, am besten zum letzten Zeichen zurückkehren und von dort das nächste a­kri­bisch suchen. Der Weg führt hier in gleicher Richtung links am Reservoir vorbei, an einer Feuerstelle vorbei und führt dann bergan.

Nun zieht der Weg malerisch am linken Bergrand entlang – durch die Nähe zur Teck herrscht hier am Wochenende schon reger Wanderbetrieb. Am Gelben Fels – der Name kommt vom Gelb gefärbtem Lehm in den Felsspalten – öffnet sich ein weiter Blick ins Lenninger Tal. Nun ist es nicht mehr weit zur Teck. Sobald sich immer mehr Fußgänger unter die Wanderer mischen, stimmt die Richtung.

Wer die Teck besichtigen will, verlässt den Albsteig und wandert ein Schottersträßchen steil den Berg hinauf: von der Stille der Natur, rein ins Wochenend-Getümmel mit Eiscreme, Apfelschorle und was das Herz nach so einer Wanderung noch begehrt. So ausgeruht kommen die letzten Wandermeter: Wieder den Berg auf dem breiten Forstweg hinab, und nun am Pavillon nicht mehr dem Albsteig folgen, sondern bis zum Wanderparkplatz Hörnle absteigen.

Besuch beim „Rauber“
Besuch beim „Rauber“
Besuch beim „Rauber“
Besuch beim „Rauber“
Besuch beim „Rauber“
Besuch beim „Rauber“
Besuch beim „Rauber“
Besuch beim „Rauber“

Vom dritten Sohn der Sibylle, dem Rauber

Woher kommt der Name „Rauber“? Man weiß, dass der Name um 1624 entstand, eventuell aus der Flurbezeichnung des „Rauhberges“. Der Sage nach war jedoch einer der drei wilden Söhne der Sibylle, die auf der Teck hauste, Besitzer dieser Burg. Anfangs wohnten alle Söhne mit ihrer Mutter, der guten Sybille von der Teck, zusammen. Als sie erwachsen wurden, bauten sie sich auf dem Wielandstein ein eigenes Schloss. Doch dann nahmen die Differenzen so zu, dass die Söhne nicht einmal mehr aus derselben Quelle trinken wollten. Da zog der Älteste auf die Teck. Der Zweite blieb auf dem Wielandstein. Am schlimmsten trieb es Jüngste, der auf die Diepoldsburg zog. Er versuchte sogar, die eigene Mutter zu bestehlen – deshalb wurden er und seine Burg „Rauber“ genannt. Der Zwist der ungeratenen Söhne machte der Mutter großen Kummer. Es gefiel ihr nicht mehr im Lande, und sie beschloss auszuwandern. Sie bestieg ihren goldenen Wagen, der von zwei riesigen Katzen gezogen wurde, und fuhr auf ihm den steilen Teckberg hinab ins Lenninger Tal. Ihre Wagenspur ist noch heute zu erkennen, denn dort wächst es üppiger. Heute weiß man, warum: Im Jahr 1982 wurde bei Grabungen des Landesdenkmalamtes entdeckt, dass es sich bei der „Sibyllenspur“ um die Reste des römischen Limes handelt. Die Wissenschaftler stellten fest, dass zwei parallele Gräben das Tal durchzogen. Im Lauf der Zeit füllten sich diese mit Kalksteinen und fruchtbarer Erde. Durch das bessere Wachstum der Pflanzen sind die Gräben bis heute sichtbar. jr

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