Lenninger Tal

Bilder voller Mystik und Symbolik

Frauke Siemsglüß und Marie-Luise Guse stellen gemeinsam im Lenninger Schlössle ihre Werke aus

Die Ausstellung „Der Schaum der Tage“ wurde im Lenninger Schlössle eröffnet. Foto: Christa Leder
Die Ausstellung „Der Schaum der Tage“ wurde im Lenninger Schlössle eröffnet. Foto: Christa Leder

Lenningen. Ihre Kunst im Schlössle ausgestellt haben beide bereits schon einmal – Marie-Luise Guse in einer Gemeinschaftsausstellung Lenninger Künstler und Frauke Siemsglüß mit ihrer Ausstellung

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„Parallelwelten – Malerei und Fotografie“. Dass die beiden ihre Kunst jedoch gemeinsam zeigen, ist eine Premiere. „Der Schaum der Tage“ nennen die beiden Lenninger Künstlerinnen ihre Ausstellung, in der sie dem Betrachter ihren Blick auf das zeigen wollen, was am Ende bleibt, wenn der Tag, die Zeit vergeht: Glaube – Liebe – Hoffnung.

Glaube – der christliche Glaube, der Glaube an Mythen und Sagen, der Glaube an die Kraft der Natur, der Glaube an das Jenseits. Liebe – die Liebe zur Familie, zu Menschen die einem nahestehen, die Liebe zur Heimat, zur Landschaft. Und schließlich die Hoffnung – das, was den Menschen aufrecht hält, das Leben lebenswert macht – den Menschen nicht verzweifeln lässt. Das ist wichtig, gerade in so unruhigen und erschreckenden Zeiten wie diesen.

Frauke Siemsglüß malt nicht einfach so. Ihre Bilder wollen nicht gefallen – sie erzählen vielmehr Geschichten, zeigen ihr tiefstes Inneres, sie sind voller Symbolik, Mystik und Zitate. Die Künstlerin arbeitet mit unterschiedlichen Techniken. Sie malt die Bilder, die sie verfolgen, ­inspiriert von Fotos oder Liederzeilen, die in ihr etwas wachrütteln. Die Bilder lassen ihr keine Ruhe, bis sie sich daran macht, sie zu malen. Die Technik findet bei diesem Prozess sie und nicht sie die Technik. Vor allem interessieren sie die Bilder, die auf der Grenze zwischen gegenständlich und abstrakt schweben. Es bedarf nur einer kleinen Änderung der Wahrnehmung, um von einem zum anderen zu wechseln. Im Gegensatz zu Frauke Siemsglüß‘ fordernden, oftmals aufwühlenden Bildern, strahlen die Skulpturen und Objekte Marie-Luise Guses Ruhe aus – haben eine beruhigende, fast meditative Wirkung auf den Betrachter. Ihre Materialien sind Holz, Ton, Speckstein, Gips. Sie bearbeitet diese, lässt sie dabei aber immer in ihrer Ursprünglichkeit. Ihre Werke wirken reduziert, haben oftmals zwei Seiten: eine behandelte sowie eine unbehandelte, raue Seite. So haben ihre Skulpturen etwas Archaisches, Bodenständiges, ohne jedoch dabei grob zu erscheinen. Das harte Material Stein erscheint weich, anschmiegsam. Die Seiten ihrer Bücher aus gebranntem Ton scheinen leicht, zerlesen und sich beim nächsten Windhauch umblättern zu wollen. Sind ihre ersten Werke noch realistisch, bei Büchern und Menschen, so wird ihre Kunst im Laufe der Zeit immer abstrakter. Das Material, seine ästhetische Form rückt immer mehr in den Vordergrund. Die gezeigten Werke der beiden Künstlerinnen scheinen in ihrem Material und in ihrer Ausdrucksform unterschiedlicher nicht sein zu können – gemeinsam ist jedoch ihre Aussage: „Nutzen wir den Tag – besinnen wir uns auf das Wesentliche, auf das was bleibt, auf das was zählt und zusammenhält.“

„Zusammengehalten“ hat das zahlreich erschienene Vernissagepub­likum, das an diesem Abend als „musikalisches Begleitprogramm“ fungierte, das gemeinsame Singen. Begleitet durch Horst Henning-Schlosser auf dem Akkordeon, konnte sich der Chor schnell auf eine Tonlage festlegen und stimmte in „Der Mond ist aufgegangen“, „Bunt sind schon die Wälder“ und „Heute hier, morgen dort“ ein. Ein gelungener Abend, der den einen oder anderen auch zum Innehalten und Nachdenken inspirierte.

Die Ausstellung wird noch bis zum 30. Dezember in den Räumen der Gemeindebücherei Lenningen im Schlössle zu sehen sein. Öffnungszeiten: dienstags von 11 bis 18 Uhr, mittwochs von 15 bis 18 Uhr, ­donnerstags von 15 bis 19.30 Uhr, freitags von 14 bis 18 Uhr sowie samstags von 10 bis 12 Uhr.