Lenninger Tal

Biosaft aus knackigen Äpfeln

Der Oberlenninger Benjamin Gökeler pflegt Streuobstbäume auf fast sieben Hektar Wiesen

Schluck für Schluck genießt Benjamin Gökeler seinen naturtrüben Apfelsaft, der im Gegensatz zu Säften aus Konzentrat fruchtig, süßsäuerlich nach Äpfeln

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schmeckt – Natur pur eben. Der 30-jährige Oberlenninger erntet im doppelten Wortsinn tagtäglich die Früchte seiner Arbeit. Denn neben der Gaumenfreude bereitet ihm die Arbeit auf den Wiesen eine Menge Spaß, obwohl der Streuobstbau „viel G‘schäft“ macht, wie er unumwunden einräumt. „Jeder Apfel ist handgelesen“, sagt der Oberlenninger stolz. „Da darf nicht mal ein Blättchen oder ein Ästchen dran sein“, fügt Benjamin Gökelers Frau Theresa schmunzelnd hinzu. „Sonst kriegt man gleich Ärger.“

Während sich Altersgenossen in ihrer Freizeit dem Sport widmen oder gerade noch den Hausgarten pflegen, setzt sich der ausgebildete Fachwart und geprüfte Obstbaumpfleger auf seinen Schlepper und guckt auf seinen Obstwiesen nach dem Rechten. Fast sieben Hektar bewirtschaftet Benjamin Gökeler. Genau beziffern kann er die Anzahl der Apfelbäume, die da­rauf wachsen, aus dem Stegreif nicht. „Um die 600 werden es sein“, mutmaßt er. Dass da das Jahr über von der Baumpflanzung über das Schneiden, das Mähen und Mulchen der Wiesen bis zur Ernte viel Arbeit anfällt, kann man sich leicht ausrechnen. Sein Job als Nebenerwerbslandwirt ist für ihn körperlicher Ausgleich zum Lehrerberuf am Agrarwissenschaftlichen Gymnasium in Nürtingen. Dafür nimmt der Oberlenninger in Kauf, dass er oft bis in die Nacht hinein für die Vorbereitung beziehungsweise das Korrigieren von Klausuren am Schreibtisch sitzt.

Benjamin Gökeler schwebt eine praxisnahe Schule vor. Deshalb ist ihm der Bezug zu Natur und Landwirtschaft wichtig. „Ich möchte den jungen Leuten meine Begeisterung weitergeben“, sagt er und erzählt von Pflanzaktionen, Ausflügen zum Thema Streuobst und Unterrichtseinheiten zum Wandel der Kulturlandschaft. „Jedem Schüler meines ersten Abi-Jahrgangs habe ich ein Apfelbäumchen geschenkt“, erzählt er lachend. „Weil er sein Wissen auch an die nächste Generation weitergeben möchte, sind bei der Ernte neben Eltern, Geschwistern und der Ehefrau immer auch Nichten und Neffen sowie der dreijährige Sohn Joseph mit von der Partie.

Von Kindesbeinen an ist Benjamin Gökeler selbst daran gewöhnt, auf Äckern oder Wiesen mit anzupacken. „Wenn ich die Chance gehabt hätte, eine Landwirtschaft zu übernehmen, hätte ich das wahrscheinlich auch gemacht“, sagt er. Als einer der Jüngeren Mitglied im Oberlenninger Obst- und Gartenbauverein, ärgerte sich der Nebenerwerbslandwirt immer darüber, dass man fürs Obst nichts bezahlt bekommt. „Ich wundere mich, dass es noch Leute gibt, die in schlechten Jahren 100 Kilo Äpfel für vier oder fünf Euro abgeben. „Geschwätzt“ werde viel über Streuobst, „aber wir brauchen Menschen, die was machen“, so das Credo des Gründungsmitglieds des Vereins „Schwäbisches Streuobstparadies“. Vor drei Jahren hat er deshalb begonnen, seinen Saft zu vermarkten. Nach einem zweijährigen Papierkrieg konnte er 2013 endlich im Hirschtal den für den Maschinenpark benötigten Schuppen bauen. „Die Behörden wollen, dass sich die Leute engagieren, aber um Unterstützung muss man lange kämpfen“, so das Fazit.

Während der Erntezeit karrt Benjamin Gökeler mehrmals tonnenweise Äpfel nach Neckartailfingen und lässt das flüssige Gold dort pur oder als Schorle abfüllen. Gut eine Handvoll Gaststätten beliefert er und verrät: „Der naturtrübe Saft geht immer besser.“ Anders als in der gefilterten Variante sei darin noch alles Gesunde wie antioxidativ wirkende Polyphenole und eben „alles was schmeckt“ enthalten.

Einer der Trümpfe des jungen Obstbauern ist die Bioqualität, bei der auf chemische Pflanzenschutzmittel genauso verzichtet wird wie auf Mineraldünger. Unabdingbar ist für ihn auch die richtige Sortenmischung. Boskop, Rheinischer Bohn­apfel und Gewürzluiken wachsen dieses Jahr in Hülle und Fülle. „Süße und Säure müssen sich ausgleichen. Das gibt einen tollen Geschmack“, betont Benjamin Gökeler. „Deshalb kommen in meinen Saft immer auch Tafeläpfel rein.“ Äpfel, die ihm nicht schmecken, haben auch in der Saftpresse nichts verloren. Jetzt hofft Benjamin Gökeler auf einen goldenen Oktober mit kalten Nächten und sonnigen Tagen. „Das wäre gut für die Qualität. Deshalb dürfen die Äpfel auch ruhig noch dranbleiben.“

Fotos: Jean-Luc Jacques