Lenninger Tal

Biosphärengebiet wird zum Zugpferd

Tourismus Das Biosphärengebiet Schwäbische Alb zieht einer Studie zufolge beachtlich viele Besucher an. Die Forscher mahnen aber an, dass mehr für die Nachhaltigkeit getan werden sollte.

Die Biosphäre buchstäblich erfahren - das wollen immer mehr Besucher.Foto: Jean-Luc Jacques
Die Biosphäre buchstäblich erfahren - das wollen immer mehr Besucher.Foto: Jean-Luc Jacques

Der Saal im Bad Uracher Kurzentrum war gut besucht. Zahlreiche Tourismusexperten, Bürgermeister und weitere interessierte Personen waren gespannt auf die Ergebnisse der kürzlich erstellten Studie zu den ökonomischen Effekten von Tourismus in Großschutzgebieten. Und diese können sich für die Region sehen lassen: 7,1 Millionen Besuchstage innerhalb des Biosphärengebiets und Einnahmen von 82 Millionen Euro im Untersuchungszeitraum von Juni 2016 bis April 2017.

Noch aussagekräftiger als diese Zahlen sind die Details, die das Team von Prof. Dr. Hubert Job an der Universität Würzburg herausgefunden hat. An 13 touristischen Standorten im Biosphärengebiet wurden über ein knappes Jahr hinweg rund 8 300 Interviews geführt. Mit gezielten Fragen unterscheidet die Studie zwischen Touristen, die bewusst wegen des Biosphärengebiets in die Region kommen, und Touristen, die unabhängig davon die Region bereisen.

Der Anteil der Biosphärengebiets-Touristen im engeren Sinne ist im Vergleich mit Nationalparks und Biosphärenreservaten in ganz Deutschland mit knapp 15 Prozent hoch. Ebenso bemerkenswert ist, dass sie mehr Geld pro Tag für gastronomische Angebote und Lebensmittel ausgeben: Tagesgäste geben 22 anstatt 16 Euro aus und Übernachtungsgäste 60 anstatt 49 Euro. Insgesamt bringen die Biosphärengebiets-Touristen 16 Millionen Euro in die Region, und der Anteil an Übernachtungsgästen ist unter den Biosphärengebiets-Touristen mit 24 Prozent fast doppelt so hoch als jener der sonstigen Touristen. Beide Ergebnisse lassen sich auch in anderen Biosphärenreservaten nachweisen, aber die Differenz zwischen Biosphärengebiets-Touristen und sonstigen Touristen ist im bundesweiten Vergleich auf der Schwäbischen Alb beachtlich.

Doch die Studie zeigte auch Optimierungspotenzial in der Anreise. 85 Prozent aller Touristen reisen mit dem eigenen Auto an. Das sei ein typischer Wert für ländliche Regionen, führte Job aus. Ziel eines nachhaltigen Tourismus sollte sein, den öffentlichen Nahverkehr attraktiver zu machen, um dadurch den Individualverkehr einzuschränken.

Laut der vom Bundesamt für Naturschutz in Auftrag gegebenen Studie ist das große Potenzial des Tourismussektors im Biosphärengebiet Schwäbische Alb noch lange nicht ausgeschöpft. Anzustreben seien mehr nachhaltige touristische Angebote mit hoher Qualität im Einklang mit der Natur.

Zu den ausbaufähigen Angeboten gehört der Verkauf von regionalen Produkten, touristische Angebote, die gezielt Natur und Umwelt schützen, gastronomische Einrichtungen, die bewusst regionale und naturschonende Produkte anbieten, und attraktive Übernachtungsangebote. Das Biosphärengebiet Schwäbische Alb macht laut Job seiner Auszeichnung als nachhaltigste Tourismusdestination Deutschlands alle Ehre, aber die Bemühungen müssen noch vorangetrieben werden.swp

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