Lenninger Tal

Brass Band überzeugt im Gotteshaus

Konzert Musik von Videospielen, Filmmusik und Klassiker, das hatten die Musiker von der Brass Band Oberschwaben-Allgäu in Owen im Repertoire. Von Gabriele Böhm

Die Musiker der Brass Band brachten auch Humor in die Marienkirche.  Foto: Gabriele Böhm
Die Musiker der Brass Band brachten auch Humor in die Marienkirche. Foto: Gabriele Böhm

Mit einem außergewöhnlichen Konzert wurde das Programm zum 100-jährigen Bestehen des CVJM-Posaunenchors Owen beendet. In der Marienkirche in Owen war mit der Brass Band Oberschwaben-Allgäu eines der national und international erfolgreichsten sinfonischen Blechblasorchester zu Gast.

Dirigent Sepp Zürcher führte in schönstem Schwyzerdütsch durchs Programm und meinte humorvoll: „Wenn Sie‘s nicht verstehen, fragen Sie Ihren Nachbarn.“ Dafür klärte ihn Rainer Däschler, Leiter des Posaunenchors Owen, darüber auf, der Ort spreche sich „Auen“ aus. Das alles passte zu einer Atmosphäre, in der gelacht, gestaunt, applaudiert und vor allem gelauscht wurde. Das Publikum auf der Empore lehnte sich immer wieder über die Brüstung, um zu entdecken, wie die Instrumente aussahen oder ein bestimmter Effekt erzeugt wurde.

Ihre Fähigkeiten zeigte die Brass Band gleich im ersten Stück, den „Variations Of Laudate Dominum“. Das Gotteslob begann mit mächtigen scharfen Bläsersätzen und Pauken, denen ein weicher, voller Orchesterklang folgte. Mit Percussion und Trompetenstößen setzten die Musiker spannende Impulse.

Das Heilsarmeelied „Shine as the Light“ erinnerte an die Wurzeln der Brass Band in England in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Auch Bergwerksorchester, so Sepp Zürcher, hätten diese Ins­trumentierung genutzt. Das Lied vereinte mehrere Choräle, die in einer feinen Dynamik umgesetzt wurden.

Dass die Band eine ganze Gefühlsbreite wie Wehmut, Trauer, Schmerz, Erinnerung und Hoffnung bedienen konnte, zeigte sie mit „Remointze“, das der Schweizer Komponist Ludovic Neurohr für einen verstorbenen Freund geschrieben hatte. Von der Empore spielten vier Bläser, während die Töne dann vom Orchester im Kirchenschiff aufgenommen und weitergeführt wurden. Dramatische Paukenwirbel verdichteten die Stimmung, bevor das Stück in einem langen Akkord ausklang. Auch „Pie Jesu“, das Andrew Lloyd Webber als Requiem für seinen Vater komponiert hatte, zog das Publikum in seinen Bann. Arrangiert für Kornett und Flügelhorn, intonierte die Band das Stück so gefühlvoll, dass in der Kirche kein Laut zu hören war. Musikalisch überzeugend breitete die Band zwischenmenschliche Beziehungen mit „Riften Wed“ aus, das 2014 von Julie Giroux für ein fantasievolles Computer-Action-Rollenspiel geschrieben wurde.

„Share my yoke“ ließ ein Kornett-Solo erklingen. Sepp Zürcher bezeichnete das Instrument als „kleine Schwester der Trompete, leiser und weniger scharf im Klang“ und brachte dem Publikum mit dem Stück auch das große Eufonium, die Tenortuba und das S-Horn nahe.

Romantisch und mit hohem Wiedererkennungswert spielte die Band „For the love of a princess“, das Thema aus „Braveheart“. Dagegen ging die Post ab beim temperamentvollen Finale der Ouvertüre von Rossinis „Wilhelm Tell“.

Seltsam aktuell erschien der „Crown Imperial“-Marsch, eigentlich komponiert für die Krönung von König Edward VIII., der aber abgedankt hatte und sich ins Privatleben zurückzog. Gespielt wurde der Marsch, der Glanz und Gloria des englischen Königshauses verkörperte, jedoch später bei der Krönung von Elizabeth II und der Hochzeit von Prinz William und Kate.

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