Lenninger Tal

Das Augenblickliche als Spiegelbild

Vernissage Andreas Hoffmann nimmt sich in der Ausstellung und der Installation „Sichtweisen“ im Oberlenninger Schlössle auf besondere Art den Themen Sehen und Wahrnehmung an. Von Cornelia Wahl

Die Fotografien von Andreas Hoffmann regen zum Nachdenken und Austausch an.Foto: Cornelia Wahl
Die Fotografien von Andreas Hoffmann regen zum Nachdenken und Austausch an.Foto: Cornelia Wahl

Der französische Fotograf Henri Cartier-Bresson hat einmal gesagt: „Ein gutes Foto ist ein Foto, auf das man länger als eine Sekunde schaut.“ Nähme man die Dauer der Betrachtung durch die Besucher als Maß, so sind die Lichtbilder des Künstlers Andreas Hoffmann als magisch zu bezeichnen. Wer derzeit in die Gemeindebücherei oder ins Museum für Papier und Buchkunst ins Schlössle nach Oberlenningen kommt, kann sich davon überzeugen. Viele Jahre schon beschäftigt sich Andreas Hoffmann aus Pfäffingen mit dem menschlichen und „oft auch mit dem eigenen Körper“, wie er sagt. So entstanden Werkgruppen mit Themen wie Körperwege, Hautkontakt oder den im Oberlenninger Schlössle gezeigten „Sichtweisen“, die sich mit dem Sehen und der Wahrnehmung befassen.

Fotografien im Digitaldruck auf Schichtaluminium mit einem Durchmesser von einem Meter oder kleinere Werke auf Japanpapier ziehen die Blicke der Besucher in der Bücherei an. Mit einer Makrokamera blickt Andreas Hoffmann in unterschiedliche Augen und hält das Augenblickliche als Spiegelbild fest. Entstanden sind Bilder, die in der Fantasie und der Deutung durch den Sehenden so vielfältig scheinen wie die Unterschiedlichkeit des menschlichen Auges. Wer die Treppe hinauf ins Museum für Papier- und Buchkunst nimmt, entdeckt in einem Raum auf der rechten Seite eine riesige Installation mit Wow-Effekt. Dafür suchte der Künstler 100 Menschen, deren Augen er mit einer Kamera mit Makroobjektiv aufgenommen hat. „Inspiriert von einer Pusteblume“, wie Andreas Hoffmann erzählt, ordnet er die auf mehrschichtig verklebtem Japanpapier gedruckten Fotografien auf einem Kugelsegment aus Styropor, 5,5 Meter im Durchmesser, mit Hilfe von Aluminiumstäben an.

Der Einladung zur Vernissage ins Schlössle folgten am Freitagabend viele Kunstinteressierte. Sie bekamen neben Fotografien und Installation auch eine annähernd einstündige Performance geboten - eine Performance aus 20 Standpunkten von Menschen, die Modell standen und ihre Gedanken zum Sehen äußerten. Gedanken, die bewegen, Emotionen wecken und nachdenklich stimmen - eindrucksvoll vorgelesen von den Schauspielern und Regisseuren Klaus Möller und Paul Siemt, währenddessen der Künstler den Anwesenden Augen, gedruckt auf Papier, anheftet.

Für die Zeit der fünfmonatigen Ausstellung der Installation kehrt Andreas Hoffmann mehrmals ins Schlössle zurück. Das Japanpapier wellt sich mit der Zeit und gehorcht der Schwerkraft. Das korrigiert der Künstler. Dürfte man einen Wunsch äußern, dann den, dass er mit Klaus Möller und Paul Siemt käme und die Performance der Vernissage wiederholte.

Doch nicht nur Fotografien stellt Andreas Hoffmann aus. In einem hinteren Raum der Gemeindebücherei finden sich besondere Kunstwerke aus Papier, die eine ganz eigene Faszination entfalten. Es sind Buchobjekte, die mit Salzlösung und Bienenwachs hergestellt werden.

 

Die Ausstellung in den Räumen der Gemeindebücherei ist bis zum 14. Oktober zu sehen. Geöffnet ist sie dienstags von 11 bis 18 Uhr, mittwochs von 15 bis 18 Uhr, donnerstags von 15 bis 19.30 Uhr, freitags von 14 bis 18 Uhr und samstags von 10 bis 12 Uhr. Die Installation kann während der Öffnungszeiten des Museums, samstags von 10 bis 12 Uhr und sonntags von 14 bis 17 Uhr, bis zum 25. Februar 2018 angeschaut werden.

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