Lenninger Tal

Das geistliche Wort

Jesus, der Narr - ein närrisches Thema für die närrischen Tage?

Ein für viele doch recht seltsames, vielleicht sogar abstoßendes Christusbild. Sicherlich wollen Christusbilder Jesus näherbringen; sie zeigen, wer Jesus war, wie Jesus war und welche Bedeutung er haben kann. Christusbilder zeigen auch Wege des Handelns, geben Orientierung für das Leben. Gerade das Christusbild „Jesus, der Narr“ hat in der Kunst in den letzten Jahren so manchen Künstler beschäftigt.

Sieger Köder hat sich da gern mit dem Narren Christus auseinandergesetzt. Roland-Peter Litzenburger hat einen ganzen Bilderzyklus über „Christus, der Narr“ gemalt. „Jesus, der Narr - ein närrisches Thema für närrische Tage?“. Nein, nicht nur für die närrischen Tage. Zwar ist „Jesus, der Narr“ für viele sicherlich ein abstoßendes, auf alle Fälle ein unverständliches Bild, das erklärt werden muss. Es ist aber keine Blasphemie und keine Geschmacklosigkeit, wie so manche den Titel „Narr“ bei Jesus kopfschüttelnd verwerfen.

Auch ist dieses Bild vom Narren keineswegs aus der Luft gegriffen. Es ist durchaus biblisch herzuleiten. Im Markusevangelium (MK 3,21) liest man „Jesus ist ver-rückt“ und „Er ist von Sinnen“! Auch aus seinen Handlungen lässt sich sein Narr-Sein begründen. Jesus hat oft Dinge gesagt und getan, die ein „normaler“ und wohl anständiger Mensch nicht tun würde. So wie bei dem Oberzöllner Zachäus (Lk 19). Obwohl Jesus wusste, dass dieser ein stadtbekannter Schurke war, lädt er sich in sein Haus ein und besucht nicht die Prominenz der Stadt. Und auch sonst macht Jesus sich oft gemein mit dem sogenannten Gesindel - und das als Sohn eines wohl anständigen Zimmermanns.

Mit vielen seiner Maßstäbe „ver-rückt“ er Gewohnheiten und Sitten, Gesetze und Normen, die Menschen für sich aufgestellt haben. So stellt Jesus den Menschen auch über das Gesetz: „Der Sabbat ist für den Menschen da und nicht der Mensch für den Sabbat.“ (Mk 2,27)

Auch die Bergpredigt zeigt, wie Jesus so manches verrücken will. Nicht mehr „Auge für Auge . . .(Mt 5,38) oder „Aggression fordert Gegenaggression“ ist sein Maßstab, er sagt: „Wenn dich einer auf die rechte Wange schlägt, dann . . .“ (Mt 5,39) nein, nicht: dann poliere ihm ordentlich die Fresse, sondern: „Dann halte ihm die andere auch hin.“ (Mt 5,39) Auf RTL II hätte Jesus heute überhaupt keine Chance.

Er sagt weiter auch ziemlich närrische Sachen: „Macht euch keine Sorgen um den morgigen Tag“ (vgl. Mt 6,34) - die Versicherungswirtschaft würde ihn heute wegen Geschäftsschädigung verklagen. Und dann fordert er noch auf: „Liebt eure Feinde.“ (Mt 5,44) Wenn das seine Christen befolgt hätten durch die Jahrhunderte, dann ginge es schön närrisch zu. Dann bräuchte man kein Militär mehr.

Wenn wir uns auf all das einlassen, was Jesus gesagt und wie er gelebt hat, dann merken wir: Das ist wirklich ganz schön närrisch.

Auch überall, wo Menschen in unmenschlichen Ordnungen leben müssen, spielt Jesus verrückt und rückt Dinge wieder zurecht. Gleich einem Hofnarren des Mittelalters scheut er sich nicht, Autoritäten in der jüdischen Synagoge „auf die Finger zu klopfen“ und so manche Missstände aufzudecken. Das macht ihn zum Narren, zum „Ver-Rückten“, zum „Ver-Rückenden“.

Auch heute bedarf es „Narren“ nach seinem Vorbild, die autoritären Despoten auf der Welt Paroli bieten, die Farbe bekennen und auf Missstände aufmerksam machen und mutig sind, „Unnormales“ auszuprobieren.

Es ist zu wünschen, dass es viele Narren auf der Welt gibt, die dem Narren Christus auch folgen.

In diesem Sinne wünsche ich eine glückselige Fasnet und rufe auf, nach dem Motto der Rottweiler Fastnet zu leben: „Jedem zur Freud und niemand zum Leid.“

Franz Keil Pfarrer in Sankt Ulrich in Kirchheim

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