Lenninger Tal

Das geistliche Wort

Frühling - endlich! Wenn draußen unter blauem Himmel die Sonne scheint, dann ist das doch gleich ein ganz anderes Lebensgefühl! Und wenn wir uns zum Rausgehen nicht einpacken müssen wie für eine Mondlandung, dann erwachen die Lebensgeister neu. Ich glaube, keine Jahreszeit wird so sehr besungen und in Gedichten gepriesen wie der Frühling.

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Was fasziniert uns denn so sehr an dieser Jahreszeit? Mich persönlich begeistert vor allem das Aufbrechen der Knospen, das Sprießen der frischen, grünen Blätter. Aus scheinbar dürrem Holz wächst neues Leben. Zartes Grün und bunte Farben sind plötzlich, ja fast über Nacht, da. Ohne dass wir irgendetwas dazutun könnten. Unglaublich eigentlich. Ein Wunder - jedes Mal von Neuem. Seit Zigtausenden von Jahren funktioniert das schon so.

Jesus führt uns in seinem kurzen Gleichnis von der selbst wachsenden Saat (Markus 4) ja vor Augen: Die Gärtnerin oder der Bauer kann viel tun: Säen, gießen, Unkraut jäten, düngen und ernten. Aber dass überhaupt etwas wächst und gedeiht, hat der Mensch nicht in der Hand. Jesus spricht hier im Bild vom Reich Gottes und seiner Liebe. Wir können das nicht machen oder herbeizwingen. Aber wir bekommen es geschenkt. Gottes Reich wächst ganz von alleine.

In ähnlicher Weise könnte doch auch das Aufspringen der Knospen im Frühjahr für uns zum Gleichnis werden, zu einem Bild für die Hoffnung. Wo niemand mehr an einen Neuanfang glauben konnte, ereignet er sich doch. Wo alles kahl und trostlos aussah, entsteht neues, buntes Leben. Jahr für Jahr. Und obwohl wir Menschen der Natur in vielen Bereichen so sehr zusetzen, lässt sie sich nicht unterkriegen und erfreut uns jedes Frühjahr neu mit ihrer Pracht. Ist das nicht ein Grund zum Staunen und Danken?

Das geht natürlich am besten in der freien Natur. Ein Spaziergang oder eine Wanderung muss freilich den Besuch eines Gottesdienstes nicht zwangsläufig ausschließen. Im Gegenteil: Im Doppelpack scheint es mir die ideale Kombination zu sein. Unterm freien Himmel den Frühling mit allen Sinnen genießen und in der Nähe Gottes neue Impulse bekommen und ihm danken. Zum Beispiel morgen, am Palmsonntag. Und Achtung: Wer da als Letzter aufsteht, gilt nach altem Brauch als „Palmesel“.

Pfarrer Christian Lorösch Evangelische Kirchengemeinde Lindorf und Ötlingen