Lenninger Tal

Das Land baut auf grüne Technologien

Wissenschaft Auf dem ehemaligen Gelände der Papierfabrik Scheufelen entsteht ein Forschungscampus. An das Technikum Laubholz knüpft sich die Hoffnung auf zukunftsorientierte Arbeitsplätze. Von Anke Kirsammer

Das in weiten Teilen brachliegende Gelände der Papierfabrik soll ein Standort der Spitzenforschung werden.  Foto: Jean-Luc Jacqu
Das in weiten Teilen brachliegende Gelände der Papierfabrik soll ein Standort der Spitzenforschung werden. Foto: Jean-Luc Jacques

Klimafreundliche und nachhaltige Materialien aus Laubholz sollen auf dem brachliegenden Scheufelen-Areal in Lenningen entwickelt werden. Eingebettet in Hangschluchtwälder des Biosphärengebiets Schwäbische Alb werden Forscher zudem ergründen, welche Laubbaumarten mit dem sich verändernden Klima zurechtkommen. Was der baden-württembergische Minister für Ländlichen Raum, Peter Hauk, bereits im November angekün­digt hatte, wird nun in die Tat umgesetzt: Am Dienstag wurde das Technikum Laubholz als GmbH in Stuttgart gegründet. Ziel sei, die Biotechnologie klimafreundlich auszurichten. In Lenningen möchte Peter Hauk die Spitzenforschung zusammenführen. „Wir errichten einen Forschungscampus, der Materialien entwickelt, die beispielsweise erdölbasierte Kunststoffe ersetzen.“ Mit Forschungseinrichtungen und Unternehmen solle ein ‚wood based valley‘ entstehen.

Acht Forschungsfelder eignen sich gemäß dem CDU-Minister besonders dazu, an einem neuen Technologiestandort gebündelt zu werden: Dazu gehört die Entwicklung von holzbasierten Textilfasern, ökologischen Verpackungen und von Biotensiden für Waschmittel aus Laubholz statt aus Erdöl. Aus Forschungsergebnissen der Hochschulen und Institute im Land sollen in Lenningen rasch markt- und industriereife Produkte wie Carbonfasern aus Holz entstehen.

Der Fraktionsvorsitzende der Grünen-Landtagsfraktion und Kirchheimer Abgeordnete Andreas Schwarz freut sich über die Gründung des Technikums: „Das ist ein wichtiger Schritt, um Spitzenforschung im Lenninger Tal zu etablieren, und ein wichtiger Beitrag, um innovatives und klimafreundliches Wirtschaften voranzubringen.“ Er hatte sich für das Bereitstellen der Haushaltsmittel eingesetzt. Der Kirchheimer CDU-Landtagsabgeordnete Karl Zimmermann verweist auf seinen Einsatz für das Projekt: „Ich erwarte mir wertvolle Impulse für die Biotechnologie und Holzverarbeitung und verbinde damit auch die Hoffnung, dass hier zukunftsorientierte Arbeitsplätze entstehen.“

Der Landesverband des Nabu bezeichnet die Gründung des Forschungscampus als „Meilenstein auf dem langen Weg hin zu einer Wirtschaft ohne Erdöl“. Er warnt aber auch vor Konflikten, die durch neue Nutzungen des Laubholzes entstehen könnten. „Der Wald ist kein Holzacker, sondern vor allem auch ein wertvoller Lebensraum für viele bedrohte Tierarten.“

Bevor das Technikum in Lenningen durchstarten kann, sind noch Grundstücksverhandlungen nötig. Dafür werden nun die erforderlichen Gutachten erstellt.

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