Lenninger Tal

Das Leben der kleinen Flatterer

Gäste- und Infoabend der Grabenstetter Höhlenforscher

Das Leben der Fledermäuse faszinierte die 200 Besucher genauso wie die Forschungsdoku aus dem Schwarzmooskogel-Höhlensystem im Salzburger Land: Die Arge Grabenstetten hatte zum Gäste- und Informationsabend geladen.

Grabenstetten. Eine gut besuchte Falkensteinhalle und aufmerksame Zuhörer – alles passte beim Infoabend der Grabenstettener Höhlenforscher. Als Referenten hatten die Veranstalter den Diplom-Biologen Erwin Rennwald aus Rheinstetten geladen, der im vergangenen Winter im Auftrag des Regierungspräsidiums Stuttgart auf der Alb eine Untersuchung zum Fledermausbestand durchführte.

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Dazu hatte sich der 58-Jährige die Hilfe der Höhlenforscher erbeten, was er jetzt mit einem spannenden Vortrag zu seinen Ergebnissen dankte. 22 bis 26 Arten dieser Kleinsäuger gibt es noch in Deutschland, weltweit sind es etwa 1 000, berichtete der Wissenschaftler. Die Flattertiere, die in einer zunehmend für sie lebensfeindlichen Umgebung durchgehalten haben, tragen so schöne Namen wie Hufeisennase, Mausohr, Wasser-, Bart- oder Zwergfledermaus.

Die kleinen Flatterer, sie wiegen zwischen 4,5 und 50 Gramm, sind in den Höhlen, wo sie sich im Regelfall zurückziehen, nicht einfach zu finden. Verborgen in Nischen und Spalten überwintern sie teilweise ab Ende September und oft bis Mai in einer Art Winterstarre. Statt zehn Atemzügen in der Minute gibt’s dann nur noch einen in anderthalb Stunden. Der Körper der Kleinsäuger kühlt von 37 Grad Körpertemperatur auf etwa fünf Grad runter. Die Jäger der Nacht, die im Sommer bis zu 2 000 Insekten in der Dunkelheit verspeisen, verlieren rund 30 Prozent ihres Körpergewichts. Es ist deshalb äußerst wichtig, dass sie in ihren Winterquartieren nicht gestört werden, machte der Biologe deutlich.

Von der Sozialstruktur her sind die Tiere gesellig, zumindest was die Weibchen betrifft, weil sie fast alle gleichzeitig im Frühjahr ein Baby gebären. Der Nachwuchs wird dann in großen Kolonien, den Wochenstuben, aufgezogen, die sich oft auf Dachstühlen von Kirchtürmen oder größeren Altbauten befinden, die gut zugänglich sind.

Männchen hingegen sind Einzelgänger. Sie haben in den Wochenstuben, in denen bis zu zehn oder 15 Generationen an Kindern, Müttern, Tanten, Schwestern und Omas leben, nichts zu suchen. Im Herbst kommen die Weibchen beim Schwär­men vor Paarungsquartieren mit drei bis vier „Besamern“ zusammen. Der Samen bleibt in einer Samentasche bis nach dem Winter, erst dann erfolgt der Eisprung.

Auch zur Anatomie der Tiere hatte der Wissenschaftler beeindruckende Daten. So haben sie in der Flughaut einen Schwanz, Arme, Beine und Finger, alles etwas anders dimensioniert, um eben flugtauglich zu sein. 15 bis 23 Zentimeter Flügelspannweite haben heimische Tiere, bei anderen Arten weltweit kann sie aber auch 1,7 Meter betragen.

Spannend waren auch die Informationen zur Ultraschallorientierung, die mit 20 bis 120 Kilohertz erfolgt und rund 130 Dezibel laut ist. „Seien Sie froh, dass Sie den Ultraschall nicht hören können“, sagte Rennwald. Er stattet Fledermäuse häufig mit Minisendern aus, um ihren Aktionsradius zu erkunden, der bis zu 15 Kilometer betragen kann.

Nach so viel Tierischem warteten Arge-Vorsitzender Fritz Mammel und Wieland Scheuerle mit einer Multimedia-Dokumentation zu den bereits 35 Jahren andauernden Forschungen von Vereinsmitgliedern im zweitgrößten Höhlenlabyrinth in Österreich auf. Das Schwarzmooskogel-Höhlensystem ist in dieser Zeit auf fast 115 Kilometer angewachsen. Ausgangspunkt für die Forschungen ist der Loser bei Altaussee im Salzkammergut. Dort, in unmittelbarer Sichtweite zum Dachstein, befindet sich ein zwei auf vier Kilometer großes Karstplateau, unter dem sich das riesige System an Gängen, Röhren und Schächten verzweigt und eine Tiefe von 1 104 Metern erreicht. Erschlossen wurde es von den Alb-Höhlenforschern über den sogenannten „Schwabenschacht“.

Die Höhlenforscher entlocken den Schwarzmooskogel-Höhlen seit Anfang der 90er-Jahre bei jährlichen zwei- bis dreiwöchigen Expeditionen in riesigen Materialschlachten mit Biwaks ihre Geheimnisse. Von sportlichen Herausforderungen spricht dabei Wieland Scheuerle – und von Kameradschaft, Teamgeist und Gemeinschaftserlebnis. Das Ganze kombiniert mit wissenschaftlicher Arbeit, die viele Disziplinen umfasst und viele Erkenntnisse, beispielsweise auch über Klimaveränderungen, erbringt.